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First-Lady-Kandidatin Bettina Wulff: "Ich gestalte mein Leben selbst"

Vielleicht ist sie bald Deutschlands First Lady. Berlin scheint ihr aber nicht ganz geheuer. Im Interview spricht Bettina Wulff über Heimatgefühle, Familienalltag und ihr Bild einer modernen Frau.

Von Sophie Albers

Frau Wulff, wie geht es Ihnen?
Gut! Fangen wir jetzt schon an? Dann geht es mir gut! (Lacht entwaffnend)

Was ist das für ein Gefühl: "Vielleicht bin ich im nächsten Monat schon First Lady"?
Ich gehe ganz normal zur Arbeit, und wir warten ab.

Verdrängen Sie das?
Verdrängen kann man das nicht. Das schwingt schon immer mit. Aber es gibt ja auch noch einen Alltag mit zwei Kindern. Da geht das Leben ganz normal weiter.

Waren Sie zu Hause in Großburgwedel, als Sie es erfahren haben? Ist Ihnen die Kaffeetasse runtergefallen?
Mein Mann hat mir das natürlich erzählt, wir haben darüber eine Nacht geschlafen, und dann haben wir besprochen, ob wir uns das beide vorstellen können. Dann haben wir gemeinsam entschieden, dass er als Kandidat antritt. Und wir haben gesagt: Okay, wir gehen das an.

Sie leben in einer idyllischen Kleinstadt, in der Sie auch aufgewachsen sind. Ist die Vorstellung vom Moloch Berlin da nicht beängstigend?
Wir haben zwei Kinder, einen schulpflichtigen Sohn, er geht jetzt in die erste Klasse. Wenn sich am 30. Juni entscheiden sollte, dass mein Mann Bundespräsident wird, dann müssen wir erstmal vorsichtig überlegen, wie wir die Familie in die Hauptstadt bringen. Das sehen wir dann, wenn es so weit ist. Auf jeden Fall wird nichts übers Knie gebrochen. Großburgwedel ist und bleibt Heimatstadt.

Sie hängen richtig an Großburgwedel?
Ja. Ich musste aber auch mal weg: Ich bin mit genau 18 zum Studieren nach Hannover gezogen, später nach München. So ein Dorf, mittlerweile ist Großburgwedel ja Kleinstadt, muss man dann auch mal verlassen. Aber so lange bin ich auch nicht weg gewesen. Dementsprechend war es ein schönes Gefühl, vor zwei Jahren wieder zurückzuziehen. Ich fühle mich hier total wohl. Und das hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich hier aufgewachsen bin. Dass ich die Menschen kenne. Und dass ich mit jeder Ecke auch eine eigene Kindheitserinnerung verbinde.

Was ist denn die schönste?
Die schönsten Erinnerungen habe ich ans Freibad. Meine ersten Schwimmversuche ... Wenn ich heute mit meinen Kindern da hingehe, weiß ich: In dem Becken habe ich Schwimmen gelernt.

War da noch Herr Döhler Bademeister?
Genau. Dieser knurrige, alte Mann. Ich hatte unglaubliche Angst vor dem, aber irgendwie hat er es doch geschafft, mir das Schwimmen beizubringen (lacht). Oder nehmen Sie meinen älteren Sohn: Bevor er in die Schule gekommen ist, ging er in meinen alten Kindergarten. Oder jetzt geht er zum Gitarrenunterricht in meine alte Schule. Wenn ich mit ihm dort reingehe, habe ich das Gefühl, ich bin wieder 15 und stehe in dieser Atmosphäre, die sich seit damals nicht verändert hat. Manche Leute beängstigt das ja, wenn sie permanent mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden, aber ich mag das sehr gern.

Gibt es denn auch unschöne Erinnerungen?
Ich glaube, die habe ich verdrängt (lacht). Naja. Schule hat immer auch ein bisschen was mit Ängsten zu tun. Ich war zwar eine gute Schülerin, aber ich weiß noch, wie ich vor Mathearbeiten auf dem Weg dorthin vor Übelkeit fast vom Rad gefallen bin, weil ich immer panische Prüfungsangst hatte. Daran kann ich mich gut erinnern. Und ich bin heute froh, dass ich das nicht mehr machen muss.

Das hört sich nach einer idyllischen Kindheit an.
Ich habe hier eine sehr freie Kindheit verleben können. Und das geht bei meinem Sohn immer noch so. Das finde ich sehr, sehr angenehm. Man muss keine Angst haben, weil jeder jeden kennt und die Kinder auch zuordnen kann. Idyllisch? Ja, ich finde, man braucht auch ein bisschen Idylle um sich herum.

Dann wird Berlin aber ein harter Schnitt.
Das wird kein Schnitt. Berlin und Burgwedel werden miteinander vereinbart.

Reagieren die Leute nun anders, wenn sie Sie beim Einkaufen treffen?
Am Anfang haben sie einmal geguckt, und jetzt ist das ganz normal. Ganz viele kennen mich ja schon aus Kinderzeiten. Die duzen mich. Da hat sich nichts geändert. Diese Stabilität finde ich sehr positiv für alle, für die gesamte Familie.

Ist das, was da passiert - Alleinerziehende trifft mächtigen Mann - eigentlich ein Prinzessinnentraum?
Den habe ich nie geträumt. Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich mein Leben selbst gestalte, und so mache ich das bis heute. Ich habe nie auf jemanden gewartet, der mein Leben in die Hand nimmt oder es mir abnimmt. Wenn man Abitur macht, studiert und den Job anfängt, in dem man immer arbeiten wollte, dann sind das alles Entscheidungen, die man selbst trifft. Diese Selbstständigkeit möchte ich mir so weit wie möglich bewahren.

Es gibt immer wieder verblüffend unselbstständige Frauen.
Wenn man sich dazu entscheidet, Kinder zu bekommen, zu Hause zu bleiben und sie großzuziehen, ist das auch ein Lebensentwurf. Aber was mich persönlich betrifft: Ich kann den eben nicht ausschließlich teilen. Als die Kinder klein waren, war ich gern zu Hause. Aber dann kribbelte es einfach auch, weil ich wieder arbeiten wollte.