VG-Wort Pixel

Wulffs Sommerreise durch Niedersachsen Der Christian und die Wurstfabrik


Ausgerechnet während Christian Wulff auf Sommerreise ist, gastiert sein Konkurrent Joachim Gauck im Landtag in Hannover. Beide sind nicht gerade bekannt für laute Töne. Und genau deshalb für das Amt des Bundespräsidenten geeignet, weiß ein Wolfsexperte zu berichten.

Dieses Wolfsgehege war ganz nach Christian Wulffs Geschmack. Zwei Jahre musste sich der Präsidentschaftskandidat von Union und FDP immer wieder mit seiner eigenen Äußerung, er sei kein Alphatier und ihm fehle der Wille zur Macht, herumschlagen. Und jetzt erklärt ihm der Wolfsexperte Frank Faß ganz unverblümt, dass die Alphatiere bei Wölfen gar nicht den Ton angeben. Die Leitfigur sei vielmehr ein Typ, der im Hintergrund bleibt, sich dauerhaft durchsetzt und Souveränität ausstrahlt.

Der CDU-Ministerpräsident ist am Dienstag zu seiner alljährlichen Sommerreise aufgebrochen. Die viertägige Fahrt quer durch Niedersachsen wird jetzt zu einer Art Abschiedstour für den 51-Jährigen. Während Wulff, begleitet von einem ganzen Tross neugieriger Journalisten, durch "sein" Niedersachsen reist, gehört im fernen Hannover ausgerechnet seinem ärgsten Konkurrenten bei der anstehenden Präsidentenwahl die Aufmerksamkeit: Joachim Gauck ist am Abend im Landtag zu Gast und spricht mit etwa 80 Vertretern der Fraktionen über seine Kandidatur.

Doch zurück zu Wulff: Noch vor Beginn der Fahrt in das Wolfsgehege hatte der CDU-Mann einen großen Wursthersteller in der Region Hannover besucht. Und der Medienprofi Wulff ist sich der simplen Vergleiche bewusst: Es gehe am 30. Juni auch um die Wurst, sagt er.

In den Gesprächen mit den Mitarbeitern der Wurstfabrik kann sich Landeschef Wulff vor Fragen kaum retten: Ob er Bedenken habe, bei der Bundespräsidentenwahl von der FDP im Stich gelassen zu werden, will der 45 Jahre alte Deutsch-Türke Ömer Kurnaz wissen. Und würde er Joachim Gauck wählen, wenn er nicht selber für das Amt kandidieren würde? Der dicht gedrängte Zeitplan verhindert ausschweifende Antworten, doch bevor es weiter geht, verrät Wulff dem neugierigen Produktionsleiter Kurnaz noch, dass er vor Jahren sehr wohl seinen jetzigen Konkurrenten Gauck gewählt hätte.

Obwohl Wulff bis zur Bundespräsidentenwahl am 30. Juni nur noch eine Woche Zeit bleibt, wollte er auf die Niedersachsen-Tour nicht verzichten. Er werde seine Aufgaben als Ministerpräsident bis zum letzten Tag anständig erledigen, sagte er, kurz bevor der Reisebus mit dem Slogan "Niedersachsen - immer einen gute Idee" am Nachmittag in Hannover startete.

Bis zum Freitag wird Wulff unterwegs sein - auf dem Programm stehen unter anderem noch der Besuch einer Bootswerft, einer Reederei und anderen Unternehmen. Dabei spüre er auch ein bisschen Wehmut, sagt er. Es könnte schließlich seine letzte Reise als Ministerpräsident sein. Offiziell wolle er gerne am Tag nach der Wahl Abschied vom Landtag und seinen Mitarbeitern nehmen.

Er versteht sich als bürgernaher Landesvater, der zeigen will, dass er die Bürger und ihre Leistungen ernst nimmt. Und auch ein Bundespräsident, so erzählt er, müsse die Menschen zusammenführen. Ein Sprachrohr für Bürger wolle er sein und auch Unmut artikulieren. "Man muss unbequem sein wollen, wenn man den Graben zwischen Bürgern und Parteien und der Politik schließen will", sagt Wulff.

Und Gauck? Der reiste am selben Abend nach der etwa 90-minütigen Unterredung mit Mitgliedern von SPD, Grünen und Linkspartei zurück nach Berlin. Abgesehen von der Schar der Journalisten war es ein eher unspektakulärer Besuch in der Heimat von Wulff, in der sich aber auch Gauck "willkommen fühlt". Staatsmännisch erklärt er mit einer gewissen Portion Ironie, dass er verstehen könne, dass keine Abgeordneten von CDU und FDP der Einladung gefolgt seien. "Die kennen mich so gut, die müssen mich gar nicht mehr kennenlernen."

Unabhängig vom Ausgang der Wahl in der kommenden Woche - beim großen Sommerfest im Schloss Bellevue in Berlin werden beide, Gauck und Wulff dabei sein. Beide hätten verabredet, sich am 2. Juli beim Sommerfest des Bundespräsidenten in Berlin zu treffen, verriet der 70-jährige Gauck kurz bevor er Wulffs' Heimat wieder verließ.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker