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Karrierepläne: Victoria vor, noch ein Tor

David Beckham will mit seinem Wechsel zu Los Angeles Galaxy den amerikanischen Fußball retten. Dort gilt "Soccer" als Randsportart für Frauen und Schwule. Doch statt sportlicher Schlagzeilen wird höchstens Beckhams Ehefrau Victoria für Furore sorgen.

Von Jens Maier

Männer, die in den USA ein Golf Cabriolet fahren, sind verdächtig. Der kleine Viersitzer, gerne in weiß lackiert, ist unter Hausfrauen, die in Kalifornien mit offenem Verdeck zu Wal-Mart oder ins Nagelstudio um die Ecke fahren, noch gerade so akzeptabel. Jungs, die sich ans Steuer setzen, sollten besser eine dicke Sonnenbrille tragen. Zumindest dann, wenn sie auf ihr Image als Ladykiller oder Macho Wert legen. Denn Fahrern eines "Cabrio" wird unweigerlich der Stempel "schwul" aufgedrückt. Ein ähnliches Phänomen gibt es bei Badehosen. Wer statt der labbrigen und bis zu den Knien gehenden Badeshorts einen eng anliegenden Badeslip trägt, wird entweder als Europäer oder als homosexuell identifiziert. Und dann gibt es noch etwas, was unweigerlich Verdacht erregt: Fußball.

Fußball hat in den USA das Image, langweilig und ereignislos zu sein, ein Freizeit- und kein Wettkampfsport, ein Sport für Weiße aus der Mittel- und Oberschicht, für Einwanderer aus Lateinamerika und für Mädchen und Schwule. Wenn in den USA von Profi-Fußball die Rede ist, geht es meistens um Frauen. Der Erfolg der Damen-Nationalmannschaft bei der WM 1999 hat US-Sportgeschichte geschrieben - aber auch das Image als Frauensport weiter zementiert. An sämtlichen Universitäten und Colleges gibt es fast ausschließlich Frauen-Fußballteams. Jungs, die nicht gerade aus Lateinamerika stammen, und sich statt für Football und Baseball für "Soccer" interessieren oder es gar spielen, gelten als schwul.

Schwulen-Ikone will den Soccer retten

Ausgerechnet Schwulen-Ikone David Beckham, der Inbegriff des metrosexuellen Mannes, ist nun angetreten, um dieses Image zu ändern. Der 31-Jährige wechselt im Sommer von Real Madrid zu Los Angeles Galaxy in die Fußball-Profiliga der USA. Umgerechnet 190 Millionen Euro in fünf Jahren wird er für sein Engagement kassieren. Doch ums Geld geht es dem ehemaligen Kapitän der englischen Nationalmannschaft angeblich gar nicht. "Auf der ganzen Welt ist Fußball groß, nur in Amerika nicht", sagte Beckham. "Das möchte ich ändern."

Die USA sind eine sportbegeisterte Nation. Doch Fußball wird von den meisten Amerikanern nur als Randsportart belächelt. Die Faszination des Spiels bleibt den meisten Amis verborgen, ganz zu schweigen von den Regeln, die kein Mensch versteht - nicht verstehen will. Im Vergleich zu anderen Sportarten liegt Soccer bei Fernseh-Einschaltquoten, Zahl der Stadionbesucher und Einnahmen durch Verkauf von Fanartikeln abgeschlagen auf dem siebten Platz. Davor rangieren Football, Baseball und Basketball, gefolgt von Eishockey und Nascar-Autorennen. Sogar Golf, in Europa eher eine Randsportart, die im Sportfernsehen mit ähnlichen Einschaltquoten wie Dart oder Curling zu kämpfen hat, liegt noch vor Soccer.

Zweitliga-Atmosphäre statt Mega-Stadion

Die Realitäten wird Beckham spätestens dann erkennen, wenn er in Los Angeles angekommen ist. Statt im legendären Stadion von Real Madrid, dem Estadio Santiago Bernabéu, das 81.000 Zuschauern Platz bietet und zu den besten Stadien der Welt gehört, wird er zukünftig seine Ballkünste vor maximal 27.000 Zuschauern vorführen: Im Mini-Stadion seines neuen Vereins, dem "Home Depot Center", das damit in der Zuschauerkapazität nur knapp vor dem Dreisamstadion des deutschen Zweitligisten SC Freiburg rangiert. Die durchschnittliche Besucherquote in den Stadien liegt sogar noch darunter: 2005 gab es gerade einmal 15.108 Zuschauer pro Spiel. Und daran wird der Zukauf eines einzelnen Super-Spielers vermutlich nicht viel ändern.

Der Grund: Die USA wollen Sieger sehen. Goldmedaillengewinner, Tourniersieger und Weltmeister schaffen es auf die Titelseiten und können sich in Fernsehstudios die Klinke in die Hand geben. Doch die männlichen Fußball-Teams haben bisher in den Augen der Amerikaner nur versagt. Bei der WM 2006 ist die Nationalmannschaft in der Vorrunde gescheitert. Sie haben noch kein WM-Finale erreicht, keine Goldmedaille gewonnen und keine Spieler mit charismatischer Starqualität hervorgebracht. Auch deshalb taucht die MLS - Major League Soccer - nur unter "ferner liefen" auf.

Victoria, der Libero

Doch einer allein wird das Niveau der US-Teams nicht spürbar anheben können. Noch dazu, wo Beckham als Engländer nicht mal für die Nationalmannschaft der USA antreten darf. Und im Fernsehen werden sich die Fußball affinen Lateinamerikaner weiter ihre Stars wie Ronaldo und Ronaldinho ansehen. Statt des Bleichgesichts Beckhams. Dass er trotzdem in den Nachrichtensendern und auf den Titelseiten der Gazetten auftaucht, wird Beckham in Zukunft mehr denn je seiner Frau verdanken. Die plant bereits das Leben ihrer Familie in den USA. Ihr neuer Freundeskreis aus Stars wie Katie Holmes und Jennifer Lopez und ihre geplante Karriere als Designerin wird den Medien auch zukünftig eine Schlagzeile wert sein.

Mit Jennifer Lopez laufen bereits Gespräche über eine gemeinsame Lingerie-Linie, mit Milla Jovovich besucht sie bereits Modenschauen, und für die angesagte Boutique Kitson ist die 32-Jährige als Designerin im Gespräch. Erfahrung als Modeschöpferin konnte Victoria bereits durch ihre Jeans-Kollektion für Rock& Republic sammeln, die sich zum echten Kassenschlager entwickelt hat. Natürlich nicht zuletzt deshalb,weil prominente Freundinnen wie Katie Holmes sich bereitwillig in Denim-Chic haben ablichten lassen.

Der "First-Wives"-Club Hollywoods

Und weil Victoria weiß, wie nützlich ihr ihre Freundinnen noch sein können, spinnt sie ihr Netzwerk eifrig weiter. Bei Tom Cruise und Katie Holmes geht sie ein und aus. Mit Jennifer Lopez und deren Ehemann Marc Anthony wurde sie ebenfalls bereits beim gemeinsamen Steak-Essen im Restaurant "Cut" von Starkoch Wolfgang Puck gesehen und hat damit beste Kontakte zu Hollywoods Filmbranche geknüpft. Angebote für Filmrollen dürften da nicht lange ausbleiben.

Nur Freunde in der Politik fehlen ihr noch. Doch auch da kann Victoria auf ihre neuen Freunde aus Hollywood zählen. Sich die Telefonnummer von Ex-Schauspieler und Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger zu besorgen, dürfte jedenfalls kein Problem sein. Und wer weiß, wenn David Beckham doch noch Amerikaner wird, um in der Nationalmannschaft spielen zu dürfen, tritt er vielleicht auch noch politisch in Schwarzeneggers Fußstapfen. Um dann als Gouverneur von Kalifornien ein milliardenschweres Fußball-Projekt zu starten.