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Beckham-Wechsel: Hollywood dreht durch

Die Glitzermetropole wird nicht mehr das sein, was es einmal war. Eine neue königliche Familie erobert den Parthenon von Tinseltown, der Lametta-Stadt, dem Nabel der Unterhaltungswelt. Denn Spice Boy David Beckham hat einen millionenschweren Vertrag unterschrieben. Die Folgen sind unübersehbar.

Von Helmut Werb, Los Angeles

Der angesehenen Los Angeles Times war es eine Titelseite wert, plus bislang unerhörten drei Seiten im Sportteil. Die örtlichen Motorradhändler kamen mit den Bestellungen der lokalen Paparazzi-Gilde nach neuen Verfolgungs-Mobilen nicht mehr nach. TV-Reporter machten sich auf die Jagd nach Immobilienhändlern, die zeigen könnten, wo das Herz der Traumwelt demnächst schlagen wird (BelAir, Beverly Hills und Malibu werden gehandelt). Radio Talkshows im Goldenen Staat (so das offizielle Motto Kaliforniens) kannten nur ein Thema.

Dutzende Blogger peilten sich auf die neue Supernova der Filmstadt ein, und das schon in der ersten Stunden nach jener Ankündigung, die die Glitz- und Glamourmetropole auf den Kopf gestellt hat: Die Beckhams kommen! Los Angeles Galaxy, jene Fußballmannschaft, die von nun an ein schweres Los zu tragen hat, schaltete eine ganzseitige Anzeige in allen großen Tageszeitungen der von Korruption und Kriegen gebeutelten Bush-Nation: Summer 2007 - BECKHAM comes to America!

Frisör-Innung freut sich schon

Vergiss George! Who cares about Brangelina? Who the fuck is Tom Cruise! Und was - zum Teufel auch - ist nochmal Soccer? Einen wahren Krieg hat die Entscheidung der Beckhams, Mr. & Mrs. Spice, ausgelöst, Madrid den Rücken zu kehren und Einzug zu halten ins Kingdom under the Hill! Die Handys der Star-Agenten in Hollywood glühen. Egos, millionenschwere Egos, stehen auf dem Spiel, denn nur wer hier am meisten verdient, dem gehört die Krone der Stadt.

Hollywoods Studio-Bosse stehen nun vor massenweisen Nervenzusammenbrüchen, während sie nervös das Nach-Tarocken ihrer Filmstars erwarten: Filmverträge müssen neu verhandelt, Gulfstream Jets neu verteilt, Auftrittspläne bei Galapremieren und Oscar-Verleihungen neu gestaffelt werden. Eine Viertelmilliarde (zugegebenerweise recht weiche) US Dollars für fünf Jahre sind nun auf den güldenen Tischen des Hauses H’wood, 137.000 Tagesgage übers gesamte Jahr gerechnet, 365 Tage lang! Noch besser: 17.361 Dollar pro Spielminute (ohne Verlängerung, versteht sich), ob Becks-Baby nun auf der Bank sitzt oder den Ball mal wieder nicht trifft. Mannomann, da kann die gesamte Scientology-Sekte nicht mithalten.

David "Wanna-Bes" und Vickies Kunst-Titten

Die knochendürren Stylistinnen der Lindsays, Nicoles und auch die von Paris H. orientieren sich um und strecken die magersüchtigen Ärmchen aus nach dem neuen Traumpaar, nach Victoria mit der Traumfigur und dem quintessenziellen Metro-Sexual David. Die Frisör-Innung von Los Angeles freut sich auf einen Massenansturm von David „wanna-bes“, die Schönheitschirurgen auf die reihenweisen Implantationen von Vickies Kunst-Titten. Die Celebrity-geilen In-Restaurants bieten dem Managerteam des Königspaars unter der Hand jetzt schon Gratis-Dinners und -Partys an. Oprah Winfrey hat Sondersendungen angekündigt. Keinen würde es wundern, wenn die Landung der Beckhams auf dem Privatflugplatz von Van Nuys live im Fernsehen übertragen werden wird, geponsort von Adidas. Und Malibu, das erwartete neue Heimatdorf der Royal S-Family, will Straßensperren errichten. Rund um die Uhr.

Merchandising geht durch die Decke

Kobe Bryant, bisher sportlicher Alleinherrscher der Filmstadt und mit knappen 20 Millionen pro anno auch nicht gerade ein Sozialhilfeempfänger, holte tief Atem, als ihm die Einkommensstruktur des englischen Kollegen vor laufenden Kameras mitgeteilt wurde. "Na, ich denke mal, er hat es verdient!“, keuchte er leise. "Das ist alles???“, lachte dagegen laut sein Coach Phil Jackson, mit geschätzten 12 Millionen ein vergleichsweise armes Schwein.

Wer soll das bezahlen, fragten sich Talkshow-Hosts und ihre Hörer überall im Land der Bill Gates’ und Donald Trumps. "Wir haben innerhalb einer Stunde zweitausend Jahreskarten verkauft“, strahlte Tim Leiweke, Präsident von AEG, der gigantischen Sports- und Entertainment Company, der das Galaxy-Team gehört. "Wir erwarten einen Riesenansturm auf unser Merchandising, und jeder Tourist, aber wirklich jeder, wird sich ein Heimspiel der Galaxy ansehen wollen.“ Ach ja, stimmt. Fußballspielen soll David Beckham ja auch noch.

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