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Leichenfledderei um Paul Walker: Sonnenbrille vom Todestag wird versteigert

Sonnenbrille, Wrackteile, Feuerlöscher. Auf einer Webseite werden Dinge versteigert, die am Ort von Paul Walkers tödlichem Unfall gefunden wurden. Geschmacklose Geldmacherei oder Charity?

Von Jens Wiesner

Echte Fans sind nicht zimperlich, wenn es darum geht, ein Stück aus dem Leben ihres Stars zu ergattern. Das Online-Auktionshaus "Bid Ami.com" bedient solche Wünsche gern. Wer einmal in die Handschuhe von Boxlegende Cassius Clay schlüpfen will oder in ein Kleid, das Sarah Jessica Parker beim Dreh zu "Sex and the City" getragen hat, wird hier fündig. Sofern er das nötige Kleingeld mitbringt und sich von dem schlechten Ruf der Seite nicht abschrecken lässt. Schon die Wordpress-Optik der Webseite wirkt unprofessionell. Das Profilbild des offiziellen Twitter-Accounts (eine leicht bekleidete Dame, die ihr üppiges Dekolleté in die Kamera hält) tut ihr übriges hinzu. Dennoch ist das dubiose Auktionshaus derzeit in aller Munde. Weil die Betreiber einen Coup gelandet haben, den viele nur noch geschmacklos nennen.

Knapp vier Monate nach dem Unfalltod des US-Schauspielers Paul Walker wird auf der Seite seit Donnerstag eine angekokelte Sonnenbrille versteigert, die Walker kurz vor seinem Tod beim Besuch einer Wohltätigkeitsveranstaltung getragen haben soll. Als Dreingabe mit im Paket erhältlich: ein Feuerlöscher und Trümmerteile. Ein Mann, der seine Identität nicht preisgeben will, habe die Brille am Unfalltag angeblich in einem Gebüsch gefunden, nachdem die Polizei das Gelände wieder freigegeben hatte. "Ob er mir wirklich die Wahrheit gesagt hat oder nicht, weiß ich nicht", gab ein Vertreter des Auktionshauses gegenüber dem Promiportal "Celebuzz" zu. Der Mann sei ihm aber ehrlich vorgekommen. Bereits im Dezember hatten zwei Menschen versucht, Teile des ausgebrannten Fahrzeugwracks zu stehlen und wurden dabei festgenommen.

"Unglaublich, wie tief Menschen sinken können!"

Moralische Bedenken haben die "Bid Ami.com"-Betreiber offenbar nicht: "Es soll keine morbide Sache sein", erklärte der Vertreter des Auktionshauses auf "Celebuzz" und versprach, zehn Prozent des Erlöse an eine gemeinnützige Organisation zu spenden. Denn: "Aus jeder Tragödie könne man etwas Positives ziehen." Es gehe darum, Paul zu ehren. Viele Menschen im Netz sehen das offenbar anders. Sie verurteilen die Auktion als geschmacklosen Versuch, schnelles Geld mit dem Tod eines Menschen zu machen. "Unglaublich, wie tief Menschen sinken können!" kommentierte etwa ein Leser der britischen "Daily Mail" die Nachricht.

Doch für manche überwiegt offenbar die Faszination des Morbiden: Fünf Gebote sind mittlerweile eingegangen, die Auktion steht bei 1.729 US-Doller. Den "Bid Ami.com"-Betreibern reichte das offenbar noch nicht aus. Am Freitag wurde die Auktion noch einmal verlängert - bis zum 27. März.