Mechthild Großmann
Sie ist mehr als der Münster-"Tatort"

Als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm spielte sich Mechthild Großmann von 2002 bis 2025 in die Herzen der Münster-"Tatort"-Fans.
Als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm spielte sich Mechthild Großmann von 2002 bis 2025 in die Herzen der Münster-"Tatort"-Fans.
© imago/Panama Pictures / Christoph Hardt

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Mechthild Großmann war Kult im Münster-"Tatort" - trotzdem rät sie vom Beruf der Schauspielerin ab.

Mehr als zwei Jahrzehnte war Mechthild Großmann (77) das Gesicht der Münsteraner Justiz im deutschen Fernsehen. Als rauchende, Rotwein trinkende Oberstaatsanwältin Wilhelmine Klemm an der Seite von Jan Josef Liefers (61) und Axel Prahl (66) wurde sie zur Institution - kultig, unverwechselbar, mit einer Stimme, die man nicht vergisst. Doch wer glaubt, Großmann definiere sich über diese Rolle im Münster-"Tatort", liegt falsch. "Lassen Sie mich eines klarstellen: Ich habe in 56 Jahren als Schauspielerin viel gemacht, und nur eines davon ist der 'Tatort' gewesen", sagt sie im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Großmanns Karriere reicht weit über die Münsteraner Kriminalfälle hinaus. Ihr TV-Debüt gab sie 1979 in Rainer Werner Fassbinders "Berlin Alexanderplatz" als Prostituierte. Es folgten Engagements am Staatstheater Stuttgart, am Schauspielhaus Bochum, am Schauspiel Köln und am Schauspiel Frankfurt. Und immer wieder Wuppertal - über mehr als 30 Jahre hinweg.

Pina Bausch als Wendepunkt

Die für sie persönlich prägendste Zeit ihres Berufslebens war nicht der "Tatort": "Meine Zeit im Tanztheater Pina Bausch in Wuppertal und insgesamt das Theaterspielen" sei für sie entscheidend gewesen, sagt Großmann. Die Arbeit mit der Ausnahmechoreografin habe ihr Horizonte eröffnet, die vielen deutschen Schauspielerinnen ihrer Generation verschlossen blieben. "Wir sind mit dem Goethe-Institut um die ganze Welt gereist und haben überall und Tag und Nacht gearbeitet." Nur wenige Deutsche gehörten damals zur Kompanie. Über die 1940 in Solingen geborene und 2009 in Wuppertal gestorbene Künstlerkollegin sagt Großmann: "Pina Bausch hat mir ein sehr reiches Leben geschenkt."

Trotz allem - oder vielleicht gerade deshalb - hält Großmann wenig von romantischen Vorstellungen über ihren Beruf. "Meine Karriere hat einigermaßen geklappt, aber eigentlich rate ich immer allen von einer Karriere in der Schauspielerei ab." Der Beruf sei "außergewöhnlich anstrengend" und mit einer Partnerschaft oder gar Kindern kaum zu vereinbaren.

"Ich bin nicht sehr reich geworden, obwohl ich immer Arbeit hatte"

Dass Frauen ab Mitte 40 im Schauspielgeschäft oft keine Rollen mehr bekämen, sei ebenfalls Realität - sie selbst sei hier eine Ausnahme. Und trotzdem: "Ich bin nicht sehr reich geworden, obwohl ich immer Arbeit hatte."

Auf das Älterwerden blickt sie gelassen. Zwar merke sie, dass es "nicht mehr ganz so leicht ist, einen ganzen Shakespeare-Text zu lernen". Doch das Alter bringe auch eine gewisse Milde mit sich: "Heute grinse ich manchmal, wo ich früher wütend geworden wäre, weil mein Gegenüber offenbar bestimmte Dinge noch nicht erlebt hat."

Am 22. Mai liest Großmann in Dinklage (Landkreis Vechta) eine Predigt von Kardinal Clemens August Graf von Galen (1878-1946) aus dem Jahr 1941 vor - einem katholischen Bischof, der sich damals öffentlich gegen das NS-Regime und die Ermordung behinderter Menschen stellte. Für Großmann, die in Münster aufgewachsen ist und von Kindheit an eine Verbindung zu von Galen hat, ist das eine "große Ehre".

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