HOME

Prozess: Der Tod der Marie Trintignant

Die Schauspielerin Marie Trintignant starb durch Schläge ihres Lebengefährten. Die Tat löste in Frankreich eine hitzige Debatte um Gewalt in der Partnerschaft aus. Jetzt beginnt der Prozess gegen den Rocksänger Bertrand Cantat.

Es war keine gute Idee, dass der Fanclub des "Mörders" im litauischen Vilnius eine rauschende Party hinlegte und dabei einen romantischen Tod besang: Romeo killt Julia aus rasender Liebe. Dazu Musik der französischen Rockband "Noir Desir" und Filme der Schauspielerin Marie Trintignant. "Wer erdreistet sich, den Tod meiner Tochter zu feiern?", empörte sich Nadine Trintignant im fernen Paris.

Diese Taktlosigkeit der Sympathisanten mag zusätzlich dazu beigetragen haben, dass zwei einst befreundete und nun verfeindete Clans sich immer unerbittlicher gegenüberstehen: die in Frankreich hoch angesehene Schauspielerfamilie Trintignant und die Gruppe um den französischen Rockstar Bertrand Cantat, der von Mutter Nadine nur noch "der Mörder" genannt wird. Im Juli 2003 hatte Cantat seine Freundin Marie Trintignant nächtens in einem Hotel in Vilnius mit ein paar Fausthieben zu Tode gebracht. Der Prozess beginnt am 16. März. Die Anklage lautet auf vorsätzlichen Totschlag. Ganz Frankreich blickt nach Vilnius.

Noch nie hatte der kleine

baltische Staat, ab 1. Mai Mitglied der EU, einen so prominenten Häftling. Cantat sitzt in einer Zelle von acht Quadratmetern. Ein Bett, ein Tisch, zwei Stühle, ein Waschbecken. Er bekommt etwa 30 Briefe pro Tag, meist Ermutigungen, die er alle beantwortet. Wie jeder ausländische Gefangene absolviert er seinen Hofgang allein. Er hält sich fit mit Yoga. Seine Familie darf ihn täglich besuchen. Es kommen: die Eltern, die Schwester, der Bruder, die Ehefrau. Der Gefängnisdirektor lobt ihn als einen Häftling, mit dem er keine Probleme habe. Trotz mehrfacher Anfrage wurde der Gefangene nicht an Frankreich ausgeliefert. Die Justiz in Litauen weiá, dass Paris mit Argusaugen die Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens verfolgen wird. Die Familie Trintignant hat bereits geäußert, sie habe großes Vertrauen in die litauische Justiz. Dies deshalb, weil der Staatsanwalt der Version des Angeklagten, es sei ein Unfall gewesen, nicht folgen mochte. Aber was geschah wirklich in jener verhängnisvollen Nacht des 26. Juli?

Um sich dem Drama von Vilnius anzunähern, muss man eine Beziehung verstehen, die in Frankreich gerne als "amour fou" apostrophiert wird, ein Blitzschlag der Liebe, unausweichlich, ohne Entkommen. So soll es gewesen sein, als Marie Trintignant, 40, verheiratet, vier Kinder von drei Vätern, vor gut einem Jahr auf Bertrand Cantat, 39, verheiratet, zwei Kinder, traf. Umstandslos verließen beide die jeweils trauernden Partner, und ganz Frankreich nahm Anteil am neuen Glück der Sonnenkinder, verwöhnt von Liebe und Erfolg.

Die schöne zarte Marie, Tochter des berühmten Schauspielers Jean-Louis Trintignant und der ebenfalls berühmten Regisseurin Nadine, glühte wie immer vor Verliebtheit. Und Bertrand Cantat, der aufsässige Rocker mit dem Kindergesicht, der immer so schön gegen Faschismus, Rassismus und das Böse sang, war das Riesenbaby, in dessen Armen die zierliche dunkle Schönheit verschwand. Die Eltern Trintignant hielten sich diskret zurück.

Für die Franzosen ist die Schauspielerin Marie Trintignant eine Frau mit Vergangenheit, die ihre Gegenwart im Griff hat: berufstätig, selbstbewusst, emanzipiert, erfolgreich in mehr als 40 Filmen, ein voll akzeptiertes amouröses Privatleben. Einerseits eine anmutig-verwilderte Pariser Boheme, die in ihren Rollen und auch ein bisschen in ihrem Leben am liebsten am Rande des Abgrunds taumelt. Andererseits eine verantwortungsbewusste Frau, die es geschafft hat, sämtliche Kindsväter zum Wohl und zum Schutz der Kinder im Familienclan zu verankern. Glaubt man den Schilderungen von Mutter Nadine, so war der Trintignant-Clan die perfekte Patchworkfamilie. Trotz Trennungen, Tränen, Scheidungen - am Ende hatten sich immer alle wieder lieb und machten gemeinsame Ferien und gemeinsame Filme.

Bis eben "der Mörder" kam. Nadine Trintignant lässt nicht ab von dem Wort, auch nicht in ihrem Buch, und dies so beharrlich, dass Knaur, ihr deutscher Verlag, vorsorglich feststellt: "Bis zum Beweis der Täterschaft...gilt für Bertrand Cantat die Unschuldsvermutung." Das Werk, ein Brief an die tote Tochter, wurde in Frankreich schnell zum Bestseller, mit mehr als 200 000 verkauften Exemplaren. In Paris versuchte der Anwalt von Bertrand Cantat, das Buch zu verbieten: Es sei eine Vorverurteilung. Der Antrag blieb allerdings erfolglos.

Im Rückblick glaubt Nadine Trintignant viele Zeichen zu erkennen, Signale, die die Tochter gab, und die ihre gestresste Mutter übersehen hat. Am 14. Juli, fast drei Wochen vor ihrem Tod, schickt Marie ihrer Mutter ein trauriges kleines Gedicht von Baudelaire aufs Handy: "Sei artig, o mein Schmerz, und halt dich stille. Die geschlagene Fifille". Fifille meint kleines Mädchen. Nadine missversteht den Satz und verflucht später ihre Unfähigkeit, sich vorzustellen: Könnte meine schöne Tochter auch eine dieser geschlagenen Frauen gewesen sein, von denen man in der Zeitung liest, und die alle immer aus der Unterschicht kommen?

Inzwischen weiß Nadine Trintignant, dass statistisch gesehen jeden Monat in Frankeich fünf Frauen zu Tode geprügelt werden. Warum hatte Marie bei einer Szene zu "Colette" (sie spielte in Vilnius die Titelrolle in einem TV-Film über die berühmte französische Schriftstellerin) das hübsche Blüschen mit Ausschnitt nicht tragen wollen, sondern bestand auf einem hässlichen Teil mit langem Arm? Weil sie Blutergüsse verbergen musste? Einmal fragt die diskrete Mutter doch: "Bist du glücklich mit ihm?" "Ja, Maman", sagt die Tochter finster.

Die offizielle Darstellung der Todesnacht geht so: Am Abend des 26. Juli verabschieden sich Marie und Bertrand vom Filmteam und gehen ins Hotel Domina Plaza in Vilnius. Gegen Mitternacht dröhnt Lärm aus Zimmer Nr. 35. Die Hotelleitung bittet um Ruhe. Dann ist Ruhe, Marie liegt bereits im Koma...

Cantat telefoniert endlos:

mit Freunden, mit Maries Ex-Mann Samuel, mit Maries Bruder Vincent. Allen greint er vor, dass der Trintignant-Clan ihn nicht haben wolle. Hilfe für die blutüberströmte Frau holt er nicht. Bruder Vincent kommt gegen Morgen, beschimpft Cantat, statt sofort nach einem Arzt zu rufen. Das geschieht erst eine Stunde später. Wertvolle Zeit vertröpfelt mit nutzlosen Gesprächen zwischen dem vermutlich angetrunkenen Cantat und Bruder Vincent. Cantat gab später zu, seiner Freundin mindestens vier schwere Ohrfeigen versetzt zu haben. An der Hand trug er große Metallringe. Er gesteht die Schläge, nicht aber die Schuld am Tod. Sie sei gefallen, es sei ein Unfall gewesen. Die Autopsie spricht dagegen. Der Bericht bestätigt mehrfache Gewaltanwendung. Der Täter habe den Kopf der Frau "in einen Punchingball verwandelt", sagt der Trintignant-Anwalt Georges Kiejman. "Als sei ein Motorrad mit 200 Stundenkilometern gegen eine Mauer gerast", so der Neurochirurg Stephane Delajoux.

Dennoch will Cantats Verteidigung mit der Unfallstrategie in den Prozess gehen. Mehr noch: Die Tote, hysterisch, eifersüchtig und von fragwürdigem Lebenswandel, habe den Angeklagten provoziert und damit die Ohrfeigen herausgefordert.

Nach dem Tod von Marie Trintignant am 1. August 2003 brechen in Frankreich kollektive Trauer und ein Kulturstreit aus: Kann ein Linker wie Bertrand Cantat, Frankreichs stolze Stimme der Moral, immer auf der Seite der Unterdrückten, ein ebenso brutaler Schläger sein wie ein Rechter? Die Sympathisanten von Cantat wünschen sich ein romantisches Liebesdrama, ein Verbrechen aus Leidenschaft, das tragischerweise mit dem Tod des schönen, dunklen Sonnenkindes endete. Die paar Ohrfeigen müsse man als Kollateralschaden der Liebe in Kauf nehmen.

Die französische Frauenzeitschrift "Elle" hält streng dagegen: "Von welcher Leidenschaft ist die Rede? Marie Trintignant fand nicht als Opfer von Liebe und Leidenschaft den Tod. Das ist eine unerträgliche Verdrehung der Wirklichkeit, als würde das Verbrechen damit seinen erhabenen Ausdruck finden. Schlimmer, als würde die Leidenschaft das Verbrechen adeln. Das Drama von Vilnius ist kein dummer Unfall. Es ist der Trieb zu töten. Von einem Mann, in den Klauen der eigenen Dämonen, der seine Qualen nicht anders als durch Gewalttätigkeit zu lösen weiß." Mutter Nadine Trintignant fügt hinzu: "Dieser Typ von Männern sucht nicht die unterwürfige Frau, sondern die freie, unabhängige, um sie besser vernichten zu können."

Cantats Anwalt Olivier Metzner erwartet einen "emotionalen Prozess". Mag sein, dass das Gericht in Vilnius genau dem nicht folgen will. Es gibt in Litauen keinen Rabatt für Straftaten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Das könne, so Viktoras Justickis, Professor an der Rechtsuniversität in Vilnius, sogar straferschwerend hinzukommen. Die Verteidigungsstrategie - hysterische Schlampe mit fragwürdigem Lebenswandel - dürfte die Richter nicht sehr beeindrucken. Nach Paragraf 129 - einfacher oder qualifizierter Mord, soll heißen, Mord mit besonderer Grausamkeit - hätte Cantat maximal 20 Jahre Gefängnis zu erwarten. Urteilt das Gericht nach Paragraf 130 - Totschlag im Zustand großer Erregung, aber mit Absicht -, wären es maximal sechs Jahre. Ein Auslieferungsabkommen mit Frankreich gibt es nicht. Vermutet wird allerdings, dass Cantat die Strafe in Frankreich absitzen darf.

Mit seinen Faustschlägen hat Bertrand Cantat Ruinen hinterlassen: eine Tote, vier Halbwaisen, zwei zerstörte Familien. Eine Mutter, die sich lebenslänglich mit Schuldgefühlen quälen wird. Einen Bruder, der niemals die Frage loswerden wird, warum er nicht sofort den Arzt geholt hat. Und so ist Cantat auf unheilvolle Weise gelungen, was er zu Lebzeiten seiner toten Freundin nie erreicht hat: der Mittelpunkt der Familie Trintignant zu werden.

Gerda-Marie Schönfeld
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(