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Prinzessin Haya: Flucht vor dem Scheich: Zweitfrau des Emirs von Dubai soll Asyl in Deutschland beantragt haben

Prinzessin Haya, Zweitfrau des Emirs von Dubai, soll aus Angst um ihr Leben mit ihren Kindern nach Deutschland geflüchtet sein. Die 45-Jährige ist nicht die erste Frau, die dem goldenen Käfig zu entkommen versucht. Geschafft hat es bisher keine.

Der Emir von Dubai mit seiner Frau, Prinzessin Haya, und den beiden Kindern 2018 beim Pferderennen in Ascot

Der Emir von Dubai mit seiner Frau, Prinzessin Haya, und den beiden gemeinsamen Kindern Zayed und Al Jalila 2018 beim Pferderennen in Ascot

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Es klingt wie das Drehbuch eines James-Bond-Films, ist aber eine wahre Geschichte: Prinzessin Haya bint al Hussein, Zweitfrau des Emirs von Dubai, soll aus Angst um ihr Leben mit ihren beiden Kindern, Tochter Al Jalila und Sohn Zayed, aus den Vereinigten Arabischen Emiraten geflüchtet sein und sich derzeit in Deutschland aufhalten. Britische Medien berichten, die 45-Jährige habe für ihre Flucht Hilfe von einem deutschen Diplomaten erhalten und wolle Asyl in der Bundesrepublik beantragen. Zudem soll die Prinzessin die Scheidung eingereicht und für sich 35 Millionen Euro aus dem Familienvermögen beiseite geschafft haben, um ein neues Leben aufzubauen. Eine Bestätigung gibt es dafür bisher nicht.

Seit rund einem Monat wurde die Prinzessin, eine Tochter des 1999 verstorbenen jordanischen Königs Hussein I., nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Die passionierte Springreiterin besuchte sonst regelmäßig mit ihrem Mann das Pferderennen im britischen Ascot. Doch in diesem Jahr kam der Scheich allein. Er traf Queen Elizabeth II. und Prinz William, die ihm einen Pokal überreichten.

Queen Elizabeth II. und Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum

Queen Elizabeth II. und Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum (r.) am 22. Juni beim Pferdrennen in Ascot

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Der letzte Beitrag auf dem Instagram-Account der Prinzessin stammt von Anfang Februar. Damals postete sie ein Schwarzweiß-Foto, das sie und ihren Vater zeigt. Dazu veröffentlichte sie ein Gedicht der US-Schriftstellerin Maya Angelou, die sich in den USA für die Rechte der Schwarzen stark machte. 1970 erschien ihre Autobiografie unter dem Titel "Ich weiß, dass der gefangene Vogel singt". Fühlte sich so auch Prinzessin Haya? Gefangen wie ein Vogel im goldenen Käfig?

Prinzessin Haya ist die sechste Frau des Scheichs

Am 10. April 2004, im Alter von 29 Jahren, heiratete sie Mohammed bin Raschid Al Maktoum. Der 69-Jährige ist Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate und Herrscher des Emirats Dubai. Er hat insgesamt 30 Kinder mit sechs Frauen. Vor ihrer Ehe studierte Prinzessin Haya Politikwissenschaften, Philosophie und Wirtschaft in Oxford und nahm im Jahr 2000 als professionelle Springreiterin bei den Olympischen Spielen in Sydney teil. Auch während ihrer Ehe engagierte sie sich für verschiedene Organisationen des Pferdesports.

Prinzessin Haya bei der Unterzeichnung ihrer Eheurkunde im April 2004

Prinzessin Haya bei der Unterzeichnung ihrer Eheurkunde im April 2004

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Ende vergangenen Jahres geriet die 45-Jährige in die Kritik, weil sie sich für einen PR-Stunt ihres Mannes einspannen ließ. Prinzessin Haya lud Mary Robinson, ehemalige irische Präsidentin und UN-Kommissarin für Menschenrechte, in den Palast nach Dubai ein. Dort entstanden Fotos mit Prinzessin Latifa, die beweisen sollen, dass es der Tochter des Scheichs gut geht. Doch die 33-Jährige wirkte auf den Bildern seltsam abwesend.

Im März 2018 geriet Latifa, eine der zahlreichen Töchter von Mohammed bin Raschid Al Maktoum, in die Schlagzeilen, weil auf Youtube ein von ihr aufgezeichnetes Video veröffentlicht wurde, in dem sie schwere Anschuldigungen gegen ihren Vater erhebt. Sie berichtet von Bevormundung, Isolation und Folter, sie sei eingesperrt, kontrolliert und gequält worden. "Er ist der schlimmste Kriminelle, den man sich vorstellen kann. Er ist der böseste Mensch, den ich je in meinem Leben getroffen habe", sagte die Prinzessin.

Das Schicksal von Prinzessin Latifa und ihre Fluchtversuche

Im Alter von 16 Jahren versuchte sie aus Dubai zu fliehen, wurde jedoch an der Grenze zum Oman aufgegriffen und dreieinhalb Jahre in einem Gefängnis gefoltert. Anfang 2018 wagte sie erneut einen spektakulären Fluchtversuch. Mit Hilfe einer Freundin, der Finnin Tiina Jauhiainen, gelangte die Prinzessin im Auto bis zum Indischen Ozean. Per Jetski ging es hinaus aufs offene Meer. Dort stiegen die Frauen in ein Schlauchboot, das sie in internationale Gewässer brachte. Dort wartete auf einer Jacht der Franzose Hervé Jaubert. Der ehemalige Marinesoldat und Geheimagent war in Latifas Fluchtpläne eingeweiht und segelte mit den Frauen bis an die indische Küste. Doch dort wurde das Schiff von der Küstenwache abgefangen und bewaffnete Männer stürmten an Deck. Latifas Flucht war gescheitert - zum zweiten Mal.

Die Prinzessin wurde zurück nach Dubai gebracht. Niemand weiß, wie es der 33-Jährigen in den vergangenen Monaten ergangen ist. Auch ihre ältere Schwester Shamsa, die im Sommer 2000 während eines Familienurlaubs in Großbritannien zu fliehen versuchte und kurz darauf wieder zurück nach Dubai verschleppt wurde, ist komplett aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Prinzessin Haya weiß, dass ihr und ihren Kindern ein ähnliches Schicksal droht, sollte ihr in Deutschland kein Asyl gewährt werden. Auch wenn sich der Staat und Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum gern als Frauenversteher und liberale Modernisierer präsentieren - die Fluchtversuche der drei Prinzessinnen beweisen das Gegenteil. Der Fall ist längst nicht nur ein Familienkonflikt - er könnte sich zu einer diplomatischen Krise entwickeln.

Quelle: "The Guardian", "Youtube", "Daily Mail", "The Sun", "NZZ", Instagram Haya Bint Al Hussein"Spiegel", "BBC"