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Ursula Andress: "Es lohnt sich, gut auszusehen"

Sie hat Bond-Girl-Geschichte geschrieben, als sie im knappen Bikini mit einem Messer am Höschen aus dem Wasser stieg. Ursula Andress wird 70 und blickt auf ein bewegtes Leben mit vielen Beziehungen und Affären zurück.

Wie eine überirdische Erscheinung steigt Ursula Andress im allerersten James-Bond-Film aus karibischen Fluten. Die blonde Muschelsucherin Honey Ryder mit Schnorchel und Messer im Bikini-Gürtel aus "James Bond 007 jagt Dr. No" hat Maßstäbe für alle weiteren Bond-Girls gesetzt. Dieses Bild aus ihrem 26. Lebensjahr prägt bis heute das Image der Schauspielerin, die am Sonntag 70 Jahre alt wird.

Der Auftritt von Bond-Girl Halle Berry im letzten Agentenfilm mit Pierce Brosnan, "Stirb an einem anderen Tag", ist eine Reverenz an Ursula Andress. 1967 hat die blonde Schweizerin auch in der britischen Agentenparodie "Casino Royale" mit David Niven als "Sir James Bond im Ruhestand" mitgewirkt. Der Titel gebende, 1953 erschienene erste James-Bond-Roman von Ian Fleming, wird gerade als erster Einsatz des neuen 007, Daniel Craig, verfilmt.

Marlon Brando brachte sie zum Film

Aufgewachsen als eines von fünf Kindern eines Deutschen und einer Schweizerin, die eine Gärtnerei in Ostermundingen bei Bern betrieben, zog es Ursula früh in die große Welt. Als Jugendliche brannte sie mit einem Freund nach Italien durch, wurde zurückgeholt und durfte dann in Paris Kurse in Tanz, Zeichnen und Bildhauerei belegen. In Rom wurde sie als Maler- und Fotomodell für den Film engagiert und spielte als Starlet in drei italienischen Filmen, darunter "Casanova - seine Liebe und Abenteuer" (1954).

Marlon Brando brachte sie 1955 in Kontakt mit der Produktionsfirma Paramount. In Hollywood scheiterte ein erstes Filmangebot an ihrem Schweizer Akzent. Den hatte sie auch sechs Jahre später noch, so dass die Briten beim James-Bond-Film eine Ausnahme machten und sie synchronisierten. Zunächst aber machte sie in den USA Schlagzeilen als Begleiterin des aufkommenden Stars James Dean. Ihre Beziehung zerbrach kurz vor dessen Unfalltod am 30. September 1955. "Er machte mir einen Heiratsantrag", sagte sie 50 Jahre später.

Ehering passte nicht

1957 heiratete sie den Schauspieler und Regisseur John Derek. "Die Hochzeit war ganz unromantisch, ein Schock für mich!", erzählte sie vor einem Jahr in der ARD-Talkshow "Beckmann". "Wir waren in Las Vegas in einer kleinen Kapelle: Der Hochzeitswalzer kam vom Kassettenrekorder, unser Taxifahrer musste den Trauzeugen machen, und der Ring passte nicht auf meinen Finger. Und ich konnte nicht mal 'Ja' sagen, weil ich nur geweint habe." 1966, nicht lange nach dem gemeinsamen Western "Hetzjagd in Ketten" (Nightmare In The Sun), folgte die Scheidung. John Derek blieb seinem Frauentyp treu; 1968 heiratete er Linda Evans und 1974 Bo Derek.

Nach dem Erfolg als Bond-Girl wollte man die Andress weiter "undressed" (ausgezogen) sehen. Mit Dean Martin und Frank Sinatra spielte sie in "Vier für Texas", mit Elvis Presley in "Spaß in Acapulco", mit Peter Sellers in "Was gibt's Neues, Pussy?" und anderen Komödien, zur Abwechslung auch mal in anspruchsvollen Produktionen wie im italienischen Science-Fiction-Film "Das zehnte Opfer" mit Marcello Mastroianni. Mehr Schlagzeilen als ihre Rollen machten allerdings ihre Liaisons mit Ryan O'Neal, Warren Beatty, Dean Martin und dessen Sohn Ricci.

Durch Schwimmen bleibt der Busen fest

Mit Jean-Paul Belmondo war sie nach eigenen Angaben sieben Jahre zusammen, und dann gab es noch Fabio Testi. Der 15 Jahre jüngere amerikanische Schauspieler Harry Hamlin, mit dem sie von 1978 bis 1982 zusammen war, wurde Vater ihres 1980 geborenen Sohnes Dimitri Alexandre. 1983 begann ihre Beziehung mit dem Italiener Lorenzo Rispoli. In den 80er Jahren spielte sie verstärkt im Fernsehen, darunter in der deutschen Produktion "Peter der Große" (1985/1986) und die US-Serie "Falcon Crest" (1988). 1998 spielte sie als "Queen of Chain" die weibliche Hauptrolle in "Cremaster 5", dem letzten Teil eines Videozyklus' des New Yorker Künstlers Matthew Barney.

Heute lebt Ursula Andress auf einem italienischen Anwesen. "Ich habe ein riesengroßes Land, zehntausend Quadratmeter, und muss enorm viel arbeiten: Bäume pflanzen, Rasenmähen, Bewässern", sagte sie. Kurz vor ihrem 70. Geburtstag erzählte sie der Schweizer Zeitschrift "Tele", dass sie immer noch sehr stolz sei auf ihren Busen, den sie auch heute noch tief dekolletiert zur Schau trägt. "Da habe ich Glück gehabt. Bei der Geburt erhielt ich einen unerhört großen Brustkasten. Ich bin viel geschwommen, da bleibt die Brust fest", erklärte sie. "Es lohnt sich, gut auszusehen. Damit macht man sich selbst viel Freude."

Inge Treichel/AP / AP