Was macht eigentlich ... ... Andrea Fischer?


Unter Gerhard Schröder arbeitete die Grünen-Politikerin zwei Jahre lang als Ministerin für Gesundheit und große Emotionen. 2001 beendete sie nach dem BSE-Chaos ihre Karriere.

Frau Fischer, wie geht's Ihnen?

Wunderbar, vielen Dank. Ich bin gerade mit meinem Leben total zufrieden - alles bestens.

Das freut uns. Früher hätten Sie uns geantwortet: Das geht Sie nix an.

Tut es ja auch nicht. Als Politiker ist man gut beraten, sich privat sehr bedeckt zu halten. Wir sind schließlich nicht als Showstars gewählt. Bei mir im Speziellen gab es außerdem immer die Erwartung, dass ich als Frohnatur nur so sprudeln und alles preisgeben müsste.

Nur ab und zu ein kleiner Zornesausbruch oder ein Heulkrampf…

Dazu sage ich jetzt mal nichts. Ich bin schließlich viel älter und weiser geworden.

Richtig. Was macht die Ministerrente?

Die wartet darauf, dass ich wirklich alt werde. Seien Sie nicht so uncharmant!

Okay. Thema Gesundheitsreform der Großen Koalition…

Kein Kommentar! Das ist wie im Fußball: Ich bin vom Platz gestellt worden und gebe jetzt nicht ständig meinen Senf vom Spielfeldrand ab. Das unterscheidet mich von Franz Beckenbauer oder Norbert Blüm.

Es juckt Sie nicht, sich einzumischen?

Überhaupt nicht. Ich hatte meine 15 Minuten Ruhm. Und ich glaube auch nicht, dass ich wirklich fehle.

Sie haben ja auch zweimal ordentlich vor den Latz bekommen.

Eben. Und das war doch eine deutliche Botschaft. Es ist das selbstverständliche Recht einer Partei, sich gegen einen Politiker zu entscheiden. Ich habe die Botschaft verstanden und bin gegangen. Ich habe keine Hühnchen mehr zu rupfen - ich habe aber auch nicht Männchen gemacht, um vielleicht doch noch gemocht zu werden.

Ihr neuer Job als Pharma-Lobbyistin wäre da wohl auch eher kontraproduktiv, oder?

Ich bin Partnerin einer großen Kommunikationsagentur und leite dort den Bereich Health Care. Wir haben insgesamt rund 500 Mitarbeiter, sind Marktführer in Europa, viele Dax-Unternehmen sind bei uns unter Vertrag. Glauben Sie mir: Die Pharmaindustrie allein ist es nicht…

Das werden die Wollstrumpfstricker an der grünen Basis anders sehen.

Das Problem in meinem Fall ist die öffentliche Wahrnehmung, was man als Grüne tun darf und was nicht. Ökobrot backen ist okay, in der Wirtschaft tätig zu sein nicht.

Und wieder in die katholische Kirche einzutreten?

Ich entwickele da überhaupt keinen missionarischen Eifer. Aber irgendwann habe ich den Wunsch verspürt, wieder zur Gemeinschaft der Christen dazuzugehören.

Als geschiedene, emanzipierte Grüne sind Sie da dann…

…ein exemplarisches Beispiel für die wundersamen Wege des Herrn. Und auch wenn ich natürlich nicht an jeder Stelle mit der aktuellen Praxis der Kirche einverstanden bin, so empfinde ich es doch als gut, dass die katholische Kirche nicht Moden hinterherläuft und sich mit Veränderungen Zeit lässt.

Sie haben ein Buch über Ihre Wiederentdeckung der Religion geschrieben.

Ja. Weil mir aufgefallen ist, wie viel Meinung zum Thema Glauben existiert - und wie wenig Wissen. Und wie viele Klischees.

Gutes Stichwort! Stehen Sie immer noch auf Krankenhausserien?

Und wie! Im Moment gehört "Grey's Anatomy" zu meinen absoluten Favoriten. Auch wenn mein Interesse da selbstverständlich vorrangig gesundheitspolitischer Natur ist.

Interview: Christoph Wirtz print

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