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GENTECHNIK: Schröder wirbt für maßvolle Forschung

In der Grundsatzdebatte des Bundestags hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder dafür ausgesprochen, Gentests und Forschung an Embryos im Reagenzglas in engen Grenzen zu erlauben.

In der Grundsatzdebatte des Bundestags hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder dafür ausgesprochen, Gentests und Forschung an Embryos im Reagenzglas in engen Grenzen zu erlauben. Gleichzeitig wandte sich der SPD-Chef am Donnerstag gegen eine schnelle Änderung des Embryonenschutzgesetzes. Zustimmung erhielt Schröder von der FDP, Widerspruch vom grünen Koalitionspartner. In allen Fraktionen fanden sich aber sowohl Kritiker als auch Befürworter verstärkter Forschung am menschlichen Erbgut.

In der mehr als fünfstündigen Debatte über die Chancen und Risiken der Gentechnik betonten Redner aller Fraktionen, dass es auch für die Wissenschaft moralische Grenzen gebe. Schröder betonte aber, gerade die Genforschung habe auch das Potenzial zur Heilung oder Linderung schwerster Krankheiten. Die Ethik des Heilens verdiene ebensolchen Respekt wie die Achtung vor der Schöpfung.

»Begrenzte Forschung zulassen«

Für das Ziel der Heilung spiele auch die Forschung an embryonalen Stammzellen eine Rolle. Eine Herstellung von Embryonen nur zu Forschungszwecken solle verboten bleiben, sagte der Kanzler. Ihm gehe es um Eizellen, die beim Verfahren der Reagenzglaszeugung übrig blieben. »Ist es nicht doch vertretbar, angesichts der Alternative, dass sie weggeworfen werden,

begrenzte Forschung zuzulassen?»

Bei der Untersuchung von Embryonen vor der Einpflanzung in die Gebärmutter, der so genannten Präimplantationsdiagnostik (PID), werde nur das getan, was bereits während der Schwangerschaft erlaubt sei, nämlich die Untersuchung des Embryos auf Erbschäden. Deshalb dürfe auch dieses Verfahren nicht ausgeschlossen werden. Schröder plädierte für eine ausführliche öffentliche Diskussion.

Fischer warnt vor Kinder-Selektion

Die frühere Gesundheitsministerin Andrea Fischer argumentierte für die Grünen-Fraktion entgegengesetzt und plädierte für Selbstbeschränkung. Bei der Forschung an embryonalen Stammzellen diene der Mensch erstmals für einen Zweck außerhalb seiner selbst, Embryonen würden verbraucht. Bei der PID bestehe die Gefahr, dass Föten mit Behinderungen aussortiert würden. »Dann wird es immer gängigere Praxis, Kinder mit Behinderungen zu vermeiden«, warnte Fischer. Stattdessen solle das Leben mit behinderten Kindern erleichtert werden.

Unionsfraktionschef Friedrich Merz und CDU-Sozialexpertin Maria Böhmer sprachen sich ebenfalls gegen PID und für den Schutz

menschlichen Lebens vom Zeitpunkt der Verschmelzung von Ei und Samen aus. CDU-Chefin Angela Merkel legte sich bei PID nicht fest, plädierte aber für einen Importstopp für embryonale Stammzellen, bis der Bundestag die Forschung gesetzlich regelt. Ihr Fraktionskollege Peter Hintze forderte hingegen verstärkte Stammzellenforschung mit dem Ziel, Krankheiten heilen zu helfen.

FDP legt sich fest

Während PDS-Fraktionschef Roland Claus einräumte, dass seine Partei die Argumente noch wäge, legte sich die FDP auf begrenzte embryonale Stammzellenforschung und PID fest. Der ehemalige Justizminister Edzard Schmidt-Jortzig sagte, der Hinweis auf die Menschenwürde im Grundgesetz sei in dieser Debatte irreführend. Lebensschutz und Menschenwürde seien auseinander zu halten.

Gegen die Kritik von Unionsfraktionschef Merz verteidigte Schröder seine Berufung eines Nationalen Ethikrats. Dieser sei kein Ersatzparlament, sondern »eine Möglichkeit, die Diskussion in der Gesellschaft breiter zu machen«.