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Was macht eigentlich...: Janet Leigh

Die amerikanische Schauspielerin nahm 1960 in Alfred Hitchcocks legendärem Thriller "Psycho" die schockierendste Dusche der Filmgeschichte

Zur Person:

Die 75-Jährige lebt mit ihrem dritten Mann, dem Börsenmakler Robert Brandt, in Los Angeles und Sun Valley, Idaho. Leigh, bürgerlich Jeanette Helen Morrison, hat aus ihrer Ehe mit Tony Curtis zwei Töchter, die Schauspielerinnen Jamie Lee und Kelly Curtis. Ihre Karriere begann 1947 mit der Komödie "The Romance of Rosy Ridge"; weiteren Rollen u.a. in "Prinz Eisenherz" und "Im Zeichen des Bösen" folgte 1960 in "Psycho" ihr Auftritt als diebische Sekretärin Marion Crane, der schon nach 45 Minuten blutig unter der Dusche endete und sie weltberühmt machte. In den Achtzigern begann sie zu schreiben; seither sind ihre Autobiografie "There Really Was a Hollywood" (1984) und die Romane "House of Destiny" (1995) und "The Dream Factory" (2002) erschienen

Sie mussten unseren Interviewtermin verschieben, weil Ihr Mann einen Schlaganfall hatte. Geht es ihm besser?

Ja, er ist wieder auf der Höhe, danke. Roberts Familie ist übrigens deutschstämmig. Auch ich habe deutsche Vorfahren, die Familie der Mutter meines Vaters stammt aus dem Rheinland und heißt Reeb. Ich war schon immer eine große Deutschland-Liebhaberin. Nach dem Krieg habe ich amerikanische Truppen in Wiesbaden und Frankfurt besucht. Als wir 1958 in München den Film "Die Wikinger" drehten, habe ich mich in das bayerische Umland verliebt.

Reisen Sie auch heute noch gern?

Ja, ich bin nach wie vor aktiv, und ich versuche, mich auch geistig fit zu halten, vor allem mit Schreiben. Im letzten Jahr habe ich mein neues Buch veröffentlicht, "The Dream Factory". Ich finde die Arbeit als Autorin viel spannender als die Schauspielerei, weil man dabei nicht nur eine Figur kreiert wie auf der Bühne oder vor der Kamera, sondern alle Beteiligten. Deshalb stehe ich nur noch selten vor der Kamera.

Wie haben Sie Ihre Leidenschaft für die Schreiberei entdeckt?

Die Arbeit an meiner 1984 erschienenen Biografie "There Really Was a Hollywood" war der erste Gehversuch. Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich einen Schritt weitergegangen bin und mich an meinen ersten Roman getraut habe.

Die Duschszene aus "Psycho" ist legendär. Hätten Sie jemals gedacht, dass Ihnen dieser Kurzauftritt Weltruhm und eine Oscar-Nominierung einbringt?

Niemand von der Crew hätte gedacht, dass dieser Low-Budget-Film so ein Erfolg werden würde. Selbst Anthony Perkins zweifelte, ob der Streifen überhaupt ankommen würde. Wir haben dennoch beide zugesagt, obwohl wir zuvor kein Drehbuch zu sehen bekommen hatten, weil wir gern mal mit Hitchcock arbeiten wollten.

Ist es wahr, dass Sie nicht mehr duschen, seitdem Sie Ihre eigene Szene im Film gesehen hatten?

Das stimmt, seitdem bade ich nur noch. Ich weiß auch von anderen Frauen, die seit dieser Szene keine Dusche mehr betreten haben. Da sehen Sie mal, welche Magie der Regisseur mit seinen Visionen hatte.

Hitchcock galt als launischer Bastard, der seine Hauptdarstellerinnen tyrannisiert haben soll. Wie haben Sie ihn erlebt?

Ich hatte absolut keine Probleme mit ihm. Diese ganzen Geschichten muss man sicher etwas differenzierter sehen. Tippi Hedren gehört ja zu jenen, die sich bei "Die Vögel" beschwert haben. Ich habe mal zu ihr gesagt: Tippi, das war dein erster Film, es ist doch normal, dass ein Regisseur dich da etwas härter rannimmt. Ich hatte schon mehr als 30 Filme gemacht, als wir "Psycho" drehten. Hitchcock hat mich deshalb natürlich etwas respektvoller behandelt, weil er wusste, dass ich seine Vorstellungen umsetzen konnte.

Jamie Lee und Kelly, Ihre gemeinsamen Töchter mit Tony Curtis, arbeiten auch im Filmgeschäft. Sind Sie glücklich darüber?

Ich hatte keinen Einfluss darauf. Bei Kindern, deren Eltern in diesem Milieu arbeiten, ist es oft keine große Überraschung, wenn sie ebenfalls diesen Berufsweg einschlagen. Meine Töchter sind auf Filmsets groß geworden, ihnen war diese Welt von Kindestagen an vertraut. Ich habe jedenfalls kein Problem damit.

Haben Sie noch Kontakt zu Tony Curtis?

Ich habe ihn seit Jahren nicht mehr gesehen. Wir sind seit 40 Jahren geschieden und haben längst keine Gemeinsamkeiten mehr. Unsere beiden Töchter sind das Einzige, was uns noch verbindet.

Interview: Andreas Renner