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Weltmarke Beckham: Wenn die Familie zum Konzern wird

Ein Fußballer und eine Popsängerin haben es geschafft: David und Victoria Beckham spielen mit in Hollywood und bei den Superreichen. Jetzt sollen auch die Kinder Ruhm und Reichtum mehren.

Von Ulrike von Bülow und Michael Streck

Die Familie Beckham bei der Arbeit: David und Victoria mit ihren Söhnen Brooklyn, Romeo und Cruz. Nur Nesthäkchen Harper ist noch zu klein für Termine.

Die Familie Beckham bei der Arbeit: David und Victoria mit ihren Söhnen Brooklyn, Romeo und Cruz. Nur Nesthäkchen Harper ist noch zu klein für Termine.

Dieser Artikel erschien in der stern-Printausgabe Nr. 49 am 27. November 2014.

Die Dover Street in London ist eine ziemlich gute Adresse. Die Häuser stammen aus dem 18. Jahrhundert, feine georgianische Fassaden und viel Geld dahinter. Es gibt teure Hotels in der Straße und ein paar der vornehmsten Clubs der Stadt, den "Arts Club" beispielsweise, gegründet von Charles Dickens. Die führenden Modemacher residieren hier im Viertel Mayfair, fünf Minuten vom Piccadilly Circus entfernt. Seit zwei Monaten haben Gucci und Chanel und Armani eine neue Nachbarin. Victoria Beckham, geborene Adams, einst Spice Girl. Sie war die Posh.

In ihrem Laden war früher mal ein Geschäft für Anglerbedarf. Gummistiefel, Regenjacken, Köcher, solche Sachen. Nun also Beckham und nun ein geschmackvoller Tempel mit einem famosen Atrium und breiter Treppe aus poliertem Beton. Klare Linien dominieren, elegant ist das. Mehr Galerie als Geschäft. Angenehm musiklos das Ambiente und angenehm überschaubar das Sortiment: Taschen, Etuis, Brillen, Kostüme, Jeans mit modischen Löchern drin. Unten für die Laufkundschaft mit schmalerem Etat Jeans für 350 Euro, oben die Catwalk-Kollektionen, die Trendkundige auch von Elle Macpherson, Julia Roberts, Kate Winslet oder Beyoncé kennen.

Es ist Mode für die Damen mit höherem Budget beziehungsweise für die Damen der Herren mit den dickeren Portemonnaies. Von denen leben viele in London, 72 Milliardäre allein. Oben in der Königsklasse steht vor den Kleidern ein junger Mann, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Er sieht David Beckham erstaunlich ähnlich und fragt freundlich: "Darf ich helfen?"

10.000 Mal mehr wert als der Durchschnitts-Brite

Die einschlägigen Blätter feierten die Eröffnung im September mit großen Geschichten und porträtierten Mrs Beckham unisono als eine "Stil-Ikone". Sie ist inzwischen das, was sie früher als Spice Girl nur vorgab: posh, also fein und vornehm. "Victoria hat Eleganz neu definiert", lobhudelt das Supermodel Naomi Campbell. "Sie ist über die Jahre gewachsen und bringt eine neue Generation von Anhängern mit."

Beckham wurde soeben ausgezeichnet als "UK's Top Entrepreneur" für ihr Modelabel "VB". 30 Millionen Pfund Umsatz zuletzt, knapp 3000 Prozent Steigerung in fünf Jahren, 100 Angestellte. In der Begründung hieß es: "Sie führt ein Business, besitzt großes Designer-Talent und viel Geschäftssinn. Sie hat etwas aus ihrer Berühmtheit gemacht." Und mit ihren Worten: "Früher fühlte ich mich nur berühmt, heute fühle ich mich erfolgreich."

Frau Beckhams Wert wird auf 265 Millionen Euro taxiert. Gatte David bringt es auf gut 200 Millionen Euro, konservativ geschätzt, definitiv aber auf 10.000-mal mehr als der durchschnittliche Bewohner Großbritanniens, wie die "Daily Mail" errechnete.

Man kann es auch so ausdrücken: Den Beckhams geht es den Umständen entsprechend gut. Er fliegt nach seinem Karriereende durch die Welt, um sich selbst zu vermarkten. Sie macht in Mode und fliegt auch viel durch die Welt. Und beide zusammen kümmern sich recht rührend um die vier Kinder.

Es gibt nicht viele von ihrem Schlag

Mrs Beckham, das nur am Rande, verpasste die Eröffnung ihres Shops in der Dover Street. War in New York und sprach dort bei den UN über ihre Rolle als Botschafterin im Kampf gegen Aids. Das ist sie neuerdings auch noch.

Die Honneurs übernahm ihr Mann, Fußball-Weltstar im Ruhestand und nach eigener Auskunft inzwischen vornehmlich Taxichauffeur des gemeinsamen Nachwuchses: Brooklyn, 15, überaus talentierter Fußballspieler in der Jugend von Arsenal London mit Aussicht auf Profivertrag. Romeo, 12, gleichfalls Arsenal-Jugend und Model für die urbritische Klamottenmarke Burberry, für deren Weihnachtswerbung er dem Vernehmen nach ein Taschengeld von 45.000 Pfund bekam. Cruz, 9, will mal Schauspieler werden, spielt aber auch in der Arsenal-Jugend. Harper, 4, einzige Tochter, nicht Arsenal und Daddys Liebling.

Romeo Beckham hat es wie Mutter Victoria eher mit der Mode: Er modelt für Burberry.

Romeo Beckham hat es wie Mutter Victoria eher mit der Mode: Er modelt für Burberry.

Die Beckhams also.

Es gibt auf der Welt nicht viele von ihrem Schlag. Angelina Jolie und Brad Pitt, Beyoncé und Jay Z. Alle erfolgreich, alle schön und reich. Aber die Beckhams gibt es in dieser Kombination schon seit 18 Jahren - in ihrer Welt eine Ewigkeit. Viele hielten das Power-Pärchen für eine Modeerscheinung und sagten der Beziehung ein eher überschaubares Haltbarkeitsdatum voraus.

Sie haben sich geirrt.

Zwei globale Marken, fusioniert zum Weltkonzern

Das Paar, established since 1996. Sie aufgewachsen in Goffs Oak, Hertfordshire; er im ärmeren Londoner Osten, Leytonstone, Sohn der Friseurin Sandra Georgina und des fußballfanatischen Installateurs David Edward Alan, genannt Ted. Sie sang für die Spice Girls, die damals berühmteste Girlie-Band des Planeten. Er spielte Fußball für Manchester United, einen der berühmtesten Klubs des Planeten. Man muss der Fairness halber festhalten, dass David besser kickte, als Victoria sang.

Sie trafen sich nach einem Spiel in London, Chelsea gegen Manchester, Ende 1996. Er schoss ein tolles Tor, das sie nicht erkennen konnte aus eitlen Gründen - sie hatte ihre Brille nicht auf. Ein paar Tage später stöckelte Victoria, damals ein Püppchen, mit weit aufgeknöpfter khakifarbener Bluse in den VIP-Raum des berühmten Old-Trafford-Stadions in Manchester, dem "Theatre of Dreams", und traf ihn wieder. Sie tauschten Telefonnummern. Heirat 1999, "Posh" und "Becks", Püppchen und Popper, wurden zum Traumpaar des Boulevards. Sie sind es noch. Heute aber als zwei globale Marken, fusioniert zum Weltkonzern: der Beckham AG.

Vielleicht ist die Zeitlosigkeit ihr Erfolgsgeheimnis. Vielleicht ist ihr Geheimnis, dass sie immer in die Zeit passen, weil sie sich anpassen, Schritt halten und, ja: sich weiterentwickeln mit ihren nun 40 und 39 Jahren. Man muss sie nicht mögen, aber eine Leistung ist das.

Sie können mit ganz Hollywood

Sie waren immer schon Projektionsfläche auch der britischen Gesellschaft und des Zeitgeists. Sie gehören jetzt nach London, in die glamouröseste Stadt Europas. Sie reflektierten auch die protzigen Nuller-Jahre mit ihrem Haus auf dem Land, dem "Beckingham Palace", vor dem Limousinen standen, neben denen der Rolls-Royce der Queen vergleichsweise bescheiden wirkte.

Hauptsache, alle schauen hin: 1999 glänzten die Beckhams noch im Lederlook.

Hauptsache, alle schauen hin: 1999 glänzten die Beckhams noch im Lederlook.

Es waren die üblichen Fehler der Parvenüs: Alles war etwas zu groß, zu pompös, zu teuer und doch trashig. Einmal trugen sie einen hautengen Lederanzug im Partnerlook. Und manchmal staffierte Victoria ihren David so aus, dass er wie der Direktor eines Dorfzirkus daherkam. Geschmack kann man nicht kaufen. Aber offenbar sehr wohl lernen. Sie lebten dort, wo David spielte, in Madrid und Los Angeles und kurzfristig in Mailand und Paris, und eigneten sich eine lässige Weltläufigkeit an.

Sie können mit tout Hollywood, sie können mit den Prinzen William und Harry. Und mit Premier David Cameron ebenso wie damals mit Tony Blair, in den Neunzigern, als ihre Geschichte begann. Als der junge Blair in Downing Street regierte, Labour als sexy und modern galt und sich der Grauschleier der misanthropischen Thatcher-Jahre verzog und dem Hedonismus Platzmachte.

Der Geist hieß Cool Britannia - politisch, kulturell, gesellschaftlich, auch sportlich. Will Self und Nick Hornby schrieben aufregende, stilprägende Bücher. Die Gallagher-Brüder aus Manchester gründeten Oasis, und nebenan führte der knorrige Schotte Alex Ferguson eine junge Mannschaft mit sechs Spielern aus der eigenen Nachwuchs-Akademie von Titel zu Titel. Angeführt eben von diesem blonden Burschen, den die Mitspieler anfangs "Cockney Boy" riefen wegen seines starken Akzents des Londoner Ostens oder auch "treacle", Sirup, weil er so süß war und Schwarm der Groupies.

Als erster Fußballprofi eine eigene Marke

Sir Alex Ferguson schrieb im vergangenen Jahr ein Buch, in dem er seine 27 Jahre bei Man United Revue passieren lässt. Es stehen viele kluge Dinge darin, aber in Sachen Beckham liegt er falsch. "Mit Victoria begannen die Probleme", räsoniert er. Beckham habe sich für wichtiger als der Trainer genommen, seinen Promistatus gepflegt und darüber die Chance verpasst, eine Klublegende zu werden. Die beiden stritten, einmal kickte Ferguson seinem einstigen Liebling einen Fußballschuh vor die Stirn.

Beckham verließ den Klub, ging zu Real Madrid. Er wurde vielleicht keine ManU-Legende. Aber als erster Fußballprofi überhaupt seine eigene Marke, ein "one-man brand", wie der "Daily Telegraph" schrieb. Cool und gut anzuschauen. Gut spielen konnte er auch noch.

Er wurde jener David Beckham, den bei Facebook heute 50 Millionen Leute "liken". Er trägt keine blonden Strähnchen mehr. Seine Arme tätowiert, ein ganzes Kunstmuseum drauf, das neueste gestochen auf den Handrücken: "723" steht da, seine Rückennummern. Die 7 für ManU, die 23 aus der Zeit bei Real Madrid und Los Angeles Galaxy. Heute schreiben die Zeitungen über ihn nicht mehr als Popper oder Popstar, sondern bewundernd als einen Mann, bei dem Tattoos schick und nicht mehr schmuddelig wirken. Als, ja auch: Stil-Vorbild.

Schon 2008 machte David Beckham eine gute Figur in knappen Boxershorts

Schon 2008 machte David Beckham eine gute Figur in knappen Boxershorts

Zuerst bestenfalls Russinnen-Chic

Victorias Karriere verlief parallel. Sie ist das einzige Spice Girl mit einem stabilen Familienleben. Die vier anderen versickerten nach dem Ende der Gruppe irgendwo zwischen Solo-Auftritten und Talentshow-Jury.

Geri Halliwell? Mutter einer achtjährigen Tochter, wechselnde Partner. Mel B? Drei Kinder von drei Männern, einer von ihnen Eddie Murphy. Mel C? Eine fünfjährige Tochter, getrennt von deren Vater, einem Bauunternehmer. Und Emma Bunton? Ja, was macht eigentlich Emma Bunton?

Posh wurde nach ihrer Hochzeit mit David erst die berühmteste Spielerfrau der Welt und inoffizielle Vorsitzende der sogenannten Wags, der "wives and girlfriends". "Es ist noch nicht lange her, da hätte niemand geglaubt, dass aus ihr mal eine ernst zu nehmende Designerin wird", schrieb die britische "Vogue". Damals entwarf sie Jeans für "Rock & Republic", mit Strass darauf und pinkfarbenen Krönchen, bestenfalls Russinnen-Chic.

Dann entdeckte Marc Jacobs sein Herz für sie und ließ Beckham 2008 für seine Kollektion posieren. Sie wurde sein Topmodel, fotografiert von Jürgen Teller in einer übergroßen weißen Marc-Jacobs-Tüte, aus der nur ihr Kopf herausguckte.

Das war der Wendepunkt. 2011 wurde Victoria Beckham in England zur "Designer Brand" des Jahres gewählt, und seitdem wird sie von Cover zu Cover gereicht. Es sagt die mächtige Modepäpstin Anna Wintour: "Ich bewundere sie, denn das Wichtigste bei guter Mode ist die Auswahl. Und Victoria trifft die beste Auswahl von allen. Sie entscheidet goldrichtig."

Affäre und Scheitern

Es ist nun nicht so, dass das Leben der Beckhams ständig linear und bergan verlief. Es gab Rückschläge, aber eben auf einem Niveau, das Wörtchen wie Tief oder Absturz verbietet: ihre Sanges-Solokarriere? Kein Hit, mit Nonchalance weggelächelt. "Wenn’s nicht klappt", sprach sie, "werde ich noch mal schwanger." Das Resultat war Romeo.

Er hatte eine Affäre mit einer Dame namens Rebecca Loos, die das Bettgeflüster gegen Bares in der "News of the World" aufblies. Max Clifford, ein PR-Heini, der die Story 2004 verhökerte, sitzt inzwischen wegen sexueller Nötigung Minderjähriger im Knast.

Die mit großem Bohei eingeweihte Beckham-Fußball-Akademie an der Themse, zu deren Eröffnung vor sechs Jahren der damalige Premier Gordon Brown antrabte, wird zurzeit von Bulldozern niedergewalzt; auf der Filetfläche entsteht Wohnfläche, London eben. Und auch die Idee eines Profiklubs in Florida kommt irgendwie nicht richtig in die Gänge, obschon Beckham sich mit dem bolivianischen Telekommunikations-Milliardär Marcelo Claure zusammentat, dem aber offenkundig mehr an Profit als an Davids Schwelgerei "von einem Stadion am Meer" gelegen ist. Wird wohl erst mal nichts.

Nichts dem Zufall überlassen

Die Beckhams haben genug zu tun, 100.000 Flugmeilen pro Jahr. Heute Singapur, morgen Shanghai, gern New York und Los Angeles, wo noch eine Villa steht für die Ferien.

Er wirbt für Uhren, Lederjacken, Autos - und natürlich Unterhosen, von H&M. Gerade erst beteiligte er sich an der Whiskey-Firma Haig Club, ließ den Stoff aber erst einmal von Experten begutachten, und erst nachdem die ihr Plazet gaben, "absolut erstklassig", gab auch er sein Okay und drehte einen sehr stilsicheren Werbespot.

Das steht exemplarisch für die Vorgehensweise der Beckham AG. Nichts dem Zufall überlassen, alles kalkulieren und prüfen lassen vom Management. Auf Qualität und natürlich: Imageverträglichkeit. Das Management heißt Simon Fuller. Seine Londoner Firma XIX Entertainment betreut Sportgrößen wie Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton, Wimbledonsieger Andy Murray sowie die Sängerin Annie Lennox. Fuller, ein Herr mit Schlagersänger-Gesicht und Mecki-Frisur, vermarktete schon die Spice Girls. Und: Er stellte Victoria und David einander vor, das verbindet.

Fuller kümmert sich selbstverständlich auch um den Nachwuchs. Die Beckhams sind bei allem Sinn und Gespür fürs Geschäft nämlich vor allem das: eine Familie.

Victoria und David zu Beginn ihrer Beziehung

Victoria und David zu Beginn ihrer Beziehung

Eine ganz normale Familie?

Seit dem Frühjahr bewohnen die sechs ein viergeschossiges Haus in Kensington, eine der besten und teuersten Adressen in London, logisch. Die Häuser, die hier passenderweise Mansions heißen, wie an einer Kette aufgereiht, weiß oder beige, mit gepflegten Vorgärten, glasüberdachter Eingangsfront und dem obligatorischen Hinweis, dass der Besitz mit Alarmanlagen geschützt sei. Bei den Beckhams wird gerade umgebaut. Das fällt auf in dieser Straße, eine hohe Mauer vor dem Eingang und ein Schild - die Lieferanten mögen den Hintereingang nutzen. Drinnen Damien Hirst an der Wand, im Garten ein Fußballtor. Wenn der Vater mit den Söhnen.

Davor Limousinen, viel Schwarz und gern mit getönten Scheiben. Alles sehr gediegen und sehr britisch. Manchmal geht David in den nahe gelegenen Pub, manchmal passen die Nachbarn auf die Goldfische auf, wenn die Familie verreist, etwa zur Fashion Week nach New York, wo sie in der ersten Reihe sitzen und Mamas Mode anschauen.

Sie sind, so sagte ein Freund der Familie dem stern, "eine einigermaßen normale Familie, jedenfalls für Leute, die in einer solchen Blase leben". Normal ist, dass die Omas zum Kinderhüten kommen und Victorias Schwester ihre Kids mitbringt, Cousinen und Cousins, und sie grundsätzlich so viel Zeit wie eben möglich miteinander verbringen. Normal ist, dass David die Kinder zum Training fährt und dass die gesamte Familie, wenn nicht auf Achse, sonntags bei den Spielen der Söhne zuschaut.

Gelegentlich verordnen David und Victoria den Kindern auch einen Realitätscheck. Brooklyn arbeitete sommers für 3,40 Euro die Stunde bei einer Café-Kette, und seine Kollegen twitterten danach, der kleine Beckham sei echt in Ordnung. Das Los aller Beckham-Kinder ist aber, dass sie Beckham-Kinder sind und ergo prominent. "Wir sind strenge Eltern", sagt David Beckham. "Wir wollen, dass sie Manieren haben, wir wollen, dass sie Grenzen kennenlernen."

Sie sind gut erzogen, wie es David war, der "den Platzwart genauso freundlich behandelte wie den Präsidenten". Sagt Zinédine Zidane, sein einstiger Mitspieler bei Real Madrid. David Beckham kommt, nicht vergessen, aus bescheidenen Verhältnissen. Das steckt in seiner DNA. Den Akzent des Ostens, den seiner Jugend hat er nie verloren. Manchmal sehnt er sich nach dieser Zeit, möchte er weg aus dieser Blase, irgendwohin, wo keine Fotografen sind und keine Termine drängen und ihn am besten niemand kennt und er nur David sein kann und nicht Beckham. Das Problem ist, dass es nur wenige Orte gibt, an denen das möglich ist.

Nur im Amazonas-Gebiet noch unbekannt

Im Urwald geht das noch. Im Frühjahr flog er mit drei seiner engsten Freunde nach Brasilien, fuhr mit dem Motorrad tief in den Dschungel. Amazonas-Gebiet. Die Entdeckung der Einsamkeit wurde brav dokumentiert, aus dem 14-tägigen Selbsterfahrungstrip entstand die BBC-Dokumentation „Into the Unknown“ – „Ins Ungewisse".

Die Nation durfte daran teilhaben, wie Beckham das Ungewisse entdeckt. Unter Freunden, seinen besten und ältesten, erzählt er sehr offen und nachdenklich, dass er eben nicht viele Freunde hat und nur wenigen Menschen vertraut und er und auch seine Frau ständig mit dem Gefühl leben, die Menschen suchten nur ihre Nähe, weil sie die Beckhams sind. Er erzählt mit fast feuchten Augen vom Vater, der ihm erst nach dem 100. Länderspiel für England sagte: "Well done, son." Er wirkt wie ein großer Junge da draußen im Urwald, letztes Abenteuer.

Man sieht ihn wunderbar ungewaschen und ungekämmt und sich mit dem Motorrad auf schlammiger Urwaldpiste auf die Schnauze legen. Man sieht ihn nach langer Fahrt mit den Kumpels in einer Wellblechhütte sitzend, ein Dosenbier in der Hand, und ebendort: völlig unerkannt. "Seid ihr Künstler?", fragt ein Einheimischer vom Nebentisch, und in diesem Moment ist Beckham, bekannt wie Coca-Cola, am Ziel. Irgendwo im Regenwald. Er sagt dann: "Amazing."

Und lächelt tief zufrieden in die Kamera.

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