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Whitney Houston und Bobby Brown: Die Schöne und das Biest

Mit ihrer Ehe beginnt der Absturz: Die Heirat mit Bobby Brown wurde für Whitney Houston zur Tragödie ihres Lebens. Die Geschichte einer Selbstzerstörung.

Von Jens Maier

Es ist das Schicksalsjahr für Whitney Houston: War sie bislang schon ein gefeierter Star, wird sie 1992 zur Legende. Zusätzlich zum Erfolg als Sängerin katapultiert ein Film sie an die Spitze des Ruhms. In "Bodyguard" verkörpert Houston die zerbrechliche und verängstigte Sängerin Rachel Marron, die Todesdrohungen erhält und der von ihrem Bodyguard Frank Farmer, gespielt von Kevin Costner, schließlich das Leben gerettet wird. Auch wenn Kritiker den Liebesfilm danach als Schmonzette verspotten, feiert er an den Kinokassen große Erfolge. Die Schlussszene, in der sich beide zum Soundtrack von "I will always love you" auf dem Rollfeld küssen, bringt Millionen Kinozuschauer zum Weinen. Was ihre Fans damals noch nicht ahnen: Danach beginnt für Houston der Absturz, die Tragödie ihres Lebens.

"The Bodyguard Years" wird sie die Zeit nach ihrer ersten Filmrolle später nennen. Schritt für Schritt begibt sich Houston auf die dunkle Seite des Ruhms. Denn während Millionen von verkauften Alben und weitere Filmrollen ihre Erfolgswelle weiter wachsen lassen, droht ihr privat längst der Untergang. Denn 1992 war auch das Jahr, in dem die damals 28-Jährige eine der folgenreichsten Entscheidungen ihres Lebens trifft: Sie heiratet den R'n'B-Sänger Bobby Brown. "Die Schöne und das Biest", wie Zeitungen später titeln werden. Sie sollten leider Recht behalten. Die Ehe mit Brown führt Houston in die körperliche, seelische und künstlerische Selbstzerstörung.

Bobby Brown ist der Bad Boy an Houstons Seite

Bobby Brown ist damals ein erfolgreicher Sänger. Seine Karriere hat er Anfang der 80er Jahre mit der Boyband "New Edition" begonnen, mit dem Song "Don’t Be Cruel" gelingt ihm 1986 auch als Solokünstler der Durchbruch. Die Single "My Prerogative" schafft es auf Platz eins der US-Charts, für "Every Little Step" erhält er sogar einen Grammy. Doch privat pflegt Brown weiter sein Image als Bad Boy. Aufgewachsen in Roxbury, einem Vorort von Boston, in dem in den 80er Jahren Gangs und Drogendealer das Sagen haben, kommt Brown schon früh in Kontakt mit Crack. Als er Houston heiratet, ist er längst davon abhängig - ein Junkie mit dem Hang zur Gewalt.

In der nach außen zunächst glücklichen scheinenden Ehe geht Houston durch die Hölle. In einem Interview mit US-Talkerin Oprah Winfrey gesteht die Popdiva 2009 erstmals öffentlich, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat. Über Jahre hinweg durchlebte Houston zusammen mit Brown einen exzessiven Trip aus Drogen und Alkohol. Monatelang habe sie im Schlafanzug in ihrer Wohnung gekokst. Brown, eifersüchtig auf ihren Erfolg, habe sie im Vollrausch geschlagen. "Sie hat versucht, sich ihm anzupassen, wollte ihn sich größer fühlen lassen als sie. Das war sehr selbstlos. Sie hat ihn einfach abgöttisch geliebt", sagt Winfrey hinterher über ihre Interviewpartnerin. Eine Hörigkeit, aus der sie sich erst nach 14 Jahren lösen kann.

14 Jahre geht Houston durch die Ehehölle

Halt gibt ihr damals nur ihre Tochter Bobbi Kristina. Ein Jahr nach der Ehe mit Brown auf die Welt gekommen, muss die kleine Bobbi schon früh die Streitigkeiten ihrer Eltern mit ansehen. Als ihre Mutter 2004 nicht einmal mehr in der Lage ist, auf sich selbst aufzupassen, kommt Bobbi Kristina in die Obhut ihrer Patentante Natalie Cole - und Whitney mehrmals in die Entzugsklinik. Wie schlimm es zu diesem Zeitpunkt bereits um sie steht, bekommen die Fernsehzuschauer in der Reality-Show "Being Bobby Brown" zu sehen. Houston erscheint als fluchende und verwirrte Proletin. Aus der einst schönen Sängerin ist eine Drogenabhängige geworden.

"Nur durch mein Kind habe ich es geschafft, die dunkelste Phase meines Lebens zu überstehen", sagt Houston, als sie es 2006 endlich schafft, sich von Bobby Brown zu lösen. Sie beantragt vor Gericht die Trennung, setzt ein Jahr später die Scheidung durch und will ein neues Leben beginnen. Erfolgreich kämpft sie vor Gericht um das Sorgerecht für Bobbi Kristina. Die beiden sind fortan unzertrennlich. Als Houston 2009 bei "Wetten, dass ..?" zu Gast ist, sitzt ihre Tochter in der ersten Reihe. Die Mutter will gut machen, was sie in all den Jahren versäumt hat, geht freiwillig auf Entzug, will an ihre Karriere anknüpfen.

Von Brown kommt sie los, von den Drogen nicht

2009 hätte der Beginn eines Comebacks sein sollen. Diverse Entziehungskuren, ein neues Album, die erste Welttour seit zehn Jahren. Doch die Rückkehr auf die Bühne endet für Houston mit einem Desaster. Bei ihrem Konzert in Berlin wird die einst gefeierte Diva ausgebuht. Im Scheinwerferlicht steht nur noch eine Karikatur der Legende Whitney Houston. Gezeichnet von Drogen und Alkohol, ist ihre Stimme brüchig. Die einst als "The Voice" gefeierte Houston, die mit ihrer Stimmgewalt über drei Oktaven vielleicht eine der besten Sängerinnen des Soul und Pop aller Zeiten war, ist am Ende.

Im Mai 2011 beginnt sie erneut einen Entzug. Ohne Erfolg. Ihren letzten Auftritt hatte Houston am vergangenen Donnerstag im Club "Tru" in Hollywood. Wieder wirkt sie verwirrt, hat glasige Augen und zerzaustes Haar. Es ist der letzte Akt in der Tragödie ihres Zerfalls. Keine 48 Stunden später wird sie tot in ihrem Hotelzimmer in Beverly Hills aufgefunden. Bobby Brown ist sie zwar los geworden, den Dämon Drogen aber nie.