Er war Ziggy Stardust, Aladdin Sane, Halloween Jack, der Thin White Duke, der Soul Man und noch so viel mehr. David Bowie (1947-2016) schuf zahlreiche Figuren, die auf der Bühne lebendig wurden. Für jede musikalische Phase und jeden Lebensabschnitt gab es die passende Figur. Und doch blieb sein Name der bekannteste. Wer ihn heute hört, denkt nicht nur an eigensinnige Outfits, sondern auch an die clevere und humorvolle Persönlichkeit dahinter. Doch auch die Größten leben nicht ewig. Am 10. Januar jährt sich der Todestag von David Bowie zum zehnten Mal.
Er liebte Jazz und Rock'n'Roll
David Bowie wurde am 8. Januar 1947 als David Robert Jones geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er mit seinen Eltern in London. Zeitweise lebte auch sein Halbbruder Terry bei ihnen, der seinen Musikgeschmack mitprägte. Bowie entdeckte Jazz und Rock'n'Roll für sich, lernte Saxophon und Gitarre. Besonders Little Richard (1932-2020), der Pionier des Rock'n'Roll, hatte es ihm angetan - auch wegen seines androgynen Kleidungsstils. "Mit acht Jahren wollte ich Little Richard sein, oder wenigstens sein Saxophonist", erzählte Bowie in einem Interview.
Bevor er den Solopfad einschlug, spielte und sang er in verschiedenen Bands. 1964 veröffentlichte er als Davie Jones seine Debütsingle "Liza Jane" mit den King Bees, doch ohne Erfolg. Weitere Versuche, mit anderen Bands bekannt zu werden, scheiterten. 1967 veröffentlichte David Bowie sein Debütalbum, nachdem er sich nach dem US-amerikanischen Pionier James Bowie benannt hatte. Das selbstbetitelte Werk stieg jedoch nicht in die Charts ein.
Zwischen Schauspielerei und Musik
Sollte es mit der Musikkarriere also einfach nicht sein? Bowie begann, als Schauspieler zu arbeiten. Seinen ersten Auftritt hatte er Ende der 1960er-Jahre im Kurzfilm "The Image". 1975 übernahm er die Hauptrolle in "Der Mann, der vom Himmel fiel". Später spielte er in Martin Scorseses "Die letzte Versuchung Christi" Pontius Pilatus, dazu kamen Kurzauftritte in Filmen wie "Twin Peaks - Der Film".
Doch auch die Mühen in Sachen Musik zahlten sich aus. Schon einige Jahre zuvor konnte Bowie mit dem Song "Space Oddity" einen ersten musikalischen Erfolg verbuchen. Das hatte der Sänger nicht nur dem Lied zu verdanken. Bei Konzerten sorgte er mit Kleidern und anderen ungewöhnlichen, schrillen Looks für Aufsehen. Daraus entstand 1972 die Bühnenpersona Ziggy Stardust, die er für sein Durchbruchswerk "The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars" zum Leben erweckte. Nur ein Jahr später endete die Ära der Alien-Rockstar-Persona mit dem Abschluss der Tour.
Umzug nach Berlin
Bowie wollte sich nicht hinter den Figuren verstecken. Er verstand sich selbst als Projektionsfläche seiner Kunst. "Ich war die Lüge leid, dass Rockmusiker auf der Bühne genau so sind wie privat, was in den meisten Fällen überhaupt nicht stimmt", erklärte er in einem Interview. "Also dachte ich mir, wir gehen noch einen Schritt weiter und trennen die Persönlichkeiten komplett voneinander."
Auf Ziggy Stardust folgte der nicht weniger exzentrische Aladdin Sane, dem Namen nach "a lad insane" ("ein verrückter Typ") und häufig als amerikanischer Ziggy bezeichnet. Für die "Diamond Dogs"-Ära wurde Bowie zu Halloween Jack. Inspiriert von seinem Album "Station to Station" und "Der Mann, der vom Himmel fiel" schuf er Mitte der 70er den Thin White Duke. Bowie lebte damals in Los Angeles und hatte sich in der Drogenszene verloren. Motiviert, der Sucht zu entkommen, zog er mit Iggy Pop (78) in eine Wohnung in West-Berlin und widmete sich ganz der Musik.
"Wir spürten Unruhe und Spannung in der Luft und dachten: Gott, wenn wir an diesem Ort nicht schreiben können, können wir nirgendwo schreiben!", schilderte Bowie das Leben in Berlin. Hier entstanden die Alben "Low" und "Heroes". "Lodger", das oft zur Berlin-Trilogie gezählt wird, nahm er mit Brian Eno (77) in der Schweiz und in New York City auf. Mit Eno realisierte er auch die beiden anderen Alben.
Liebesglück und Imagewandel
Sein neues, festes Zuhause fand David Bowie Anfang der 90er in New York City. Der Sänger hatte nach einer gescheiterten Ehe endlich seine große Liebe gefunden: das Model Iman Abdulmajid (70). Nur zwei Jahre nach dem Kennenlernen gaben sie sich 1992 das Jawort. Im August 2000 kam die gemeinsame Tochter Alexandria "Lexi" Jones zur Welt. Aus erster Ehe hatte Bowie bereits Sohn Duncan Jones, Iman bekam mit ihrem ersten Ehemann eine Tochter.
Auch musikalisch änderte sich für Bowie einiges. Schon in den 1980er-Jahren ließ er seine avantgardistischen Experimente hinter sich. Mit dem Album "Let's Dance" wandelte er sich zum Popstar. Im gleichen Jahrzehnt entstand der legendäre Song "Under Pressure" mit Queen. Mit Mick Jagger (82) nahm er eine Coverversion von "Dancing in the Street" auf.
Der plötzliche Tod
Nach mehreren Alben abseits des Mainstreams und zehn Jahre nach dem letzten Werk kehrte Bowie 2013 mit "The Next Day" zurück. Noch erfolgreicher war sein 2016er-Werk "Blackstar". Bowie erreichte erstmals die Spitzenposition in den US-Charts und führte auch in Großbritannien, Deutschland, Österreich und der Schweiz die Charts an. Was die Öffentlichkeit zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: David Bowie litt an Krebs. Erst mit seinem Tod zwei Tage nach der Veröffentlichung des Albums wurde die Erkrankung bekannt.
Die Trauer in der Musikwelt war groß. Bei zwei Tribute-Konzerten in New York City ehrten Stars wie Cyndi Lauper, R.E.M.-Sänger Michael Stipe und Debbie Harry David Bowie und sein Lebenswerk. Für Ehefrau Iman ist er immer noch präsent. Sie wolle nie wieder heiraten, verriet sie im Interview mit dem "People"-Magazin. Sie betonte: "Ich fühle mich immer noch verheiratet. Vor ein paar Jahren bezeichnete jemand David als meinen verstorbenen Ehemann, und ich sagte: 'Nein, er ist nicht mein verstorbener Ehemann. Er ist mein Ehemann.'"