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Zum 25. Todestag von Axel Springer: "Pressezar" und "Medien-Machiavelli"

Vor 25 Jahren starb der Verleger Axel Springer. In der Nachkriegszeit war er der erfolgreichste Vertreter seiner Zunft. Er starb am 22. September 1985 im Alter von 73 Jahren in Berlin.

Wer war Axel Springer? "Pressezar", "Medien- Machiavelli", erfolgreicher Unternehmer oder ein "Hamlet" seiner Zunft oder ein politischer Visionär, ein deutscher Idealist oder sentimentaler Patriot? Manche Biografen sahen in ihm eine Mischung aus einzigartiger verlegerischer Macht und politischem Sendungsbewusstsein ("Macht das Tor auf!"). Aber er war vor allem ein Verleger, der dem Volk "auf's Maul und ins Herz" geschaut hat. Für seinen Kollegen John Jahr war Springer "mit Abstand der erfolgreichste Verleger der Nachkriegszeit", Springer selbst nannte sich manchmal selbstironisch "Mammutverleger".

Die christliche Religion, die Aussöhnung mit den Juden, die deutsche Wiedervereinigung und die rebellierenden Studenten, die 1968 unter der Parole "Enteignet Springer!" zum Sturm auf sein Verlagsgebäude ansetzten, bestimmten einen großen Teil seines Lebens. Zeitlebens als "der letzte Träumer belächelt, der noch an die deutsche Einheit glaubte, hat er postum recht bekommen mit seinen Träumen, die er gegen die Realität setzte", meint Michael Jürgs als einer der Springer-Biografen. "Die Welt wird auch verändert von Träumern", beharrte Springer. Erlebt hat Axel Springer seinen Traum von der deutschen Einheit nicht mehr, er starb vor 25 Jahren am 22. September 1985 im Alter von 73 Jahren in seinem geliebten Berlin.

"Axel Springer ist bis heute eine Persönlichkeit, die fasziniert und polarisiert", sagte der heutige Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner. "Er war nicht nur ein genialer Verleger. Seine journalistischen Ideen und seine Grundsätze prägen das Haus Axel Springer bis heute. Er hatte aber auch den Mut, seine unpopulären politischen und gesellschaftspolitischen Ziele gegen alle Zeitgeist- Widerstände zu verteidigen." Es sei auch schön zu erleben, meint Döpfner, dass Axel Springer mit seiner Hoffnung und seinem Einsatz für ein wiedervereinigtes Deutschland, das er selbst nicht mehr habe erleben dürfen, recht behalten habe. Der Springer-Biograf Hans-Peter Schwarz meint, man übertreibe Springers Bedeutung nicht, wenn man feststelle, dass er so breite Spuren in der Zeitgeschichte der Bundesrepublik hinterlassen habe wie außer ihm nur noch die Bundeskanzler, die Parteiführer und "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein.

Der Verleger aus Hamburg-Altona hatte den Grundstein für sein neues Berliner Verlagshaus 1959 ganz bewusst direkt an der Grenzlinie zwischen Ost- und West-Berlin gelegt. Die Mauer verlief später an dieser Stelle direkt hinter dem neuen Verlagshochhaus. Von seinem Arbeitszimmer im 20. Stock des Hochhauses konnte Springer in den Ostteil der Stadt sehen, auch auf den direkt unter ihm liegenden "Todesstreifen" mit den patrouillierenden Grenzsoldaten und ihren Wachhunden. "Die Zentrale unseres Hauses nach Berlin zu verlegen, war der glücklichste Entschluss meines Lebens" (wenn auch gegen Widerstände im eigenen Haus), sagte Springer 1973.

Zur Grundsteinlegung war 1959 auch der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt (SPD) gekommen. "Der junge Willy Brandt war einer der Gründe, warum ich nach Berlin ging." Dessen Ostpolitik als Bundeskanzler allerdings haben Springers Zeitungen später scharf attackiert, weil sie hinter diesem "Wandel durch Annäherung" zu viel Nachgiebigkeit gegenüber einem Unrechtssystem sahen. "Die DDR ist weder deutsch noch demokratisch noch eine Republik", zitierte Springer Brandt gerne, entsprechend schrieben seine Zeitungen die DDR bis zum Sommer 1989 auch nur in Anführungszeichen. Dabei hatten Springer und Brandt bis zu ihrem Tod das gleiche Ziel: Ein vereintes Deutschland, nur über den Weg gab es unterschiedliche Auffassungen.

Springer war Chef des größten Zeitungsverlages auf dem Kontinent. Er war der Herr über die "Bild"-Zeitung und die "Hörzu". Seine erste Zeitungsgründung war 1948 das "Hamburger Abendblatt" mit dem Motto "Mit der Heimat im Herzen die Welt umfassen". 1953 kam "Die Welt" hinzu, als intellektuelles "Flaggschiff", aber finanzielles Sorgenkind bis zu Springers Tod. Mit dem Ullstein-Verlag übernahm er die traditionsreichen Blätter "Berliner Morgenpost" und "B.Z.".

Was Springer in seinen letzten Jahren am meisten beschäftigte, war die Absicherung seines Unternehmens nach seinem Tod, vor allem nach dem Freitod seines eigentlich als Nachfolger vorgesehenen Sohnes Axel im Januar 1980, der sich als Sven Simon einen Namen als Fotograf gemacht hatte. Den Tod hat Springer nie verwunden. "Ich habe immer für ihn mitgeträumt. Aber er hatte Angst vor dem Riesenverlag." Kurz vor dem Tod des Großverlegers ist sein Verlag an die Börse gegangen. Die Aktienmehrheit hält seine Witwe Friede Springer, die ihrem Mann bis zuletzt auch entscheidenden privaten Halt gegeben hat. Er hatte sie Ende der 70er Jahre in fünfter Ehe geheiratet.

Der am 2. Mai 1912 als Sohn des Verlegers und Druckerei-Besitzers Hinrich Springer geborene Axel Springer hatte sein Metier "von der Pieke auf" gelernt - er war Setzer- und Druckerlehrling und absolvierte auch eine kaufmännische Lehre. Er wollte eigentlich nie Journalist oder Verleger werden. "Ich bin ein Poet und Träumer, im Grunde künstlerischer Mensch." Für den Biografen Hans-Peter Schwarz war Springer "das Paradebeispiel des journalistischen Verlegers", der sich oft nur widerstrebend dem "Regime der Manager" im eigenen Haus unterwarf ("Ich bin hier nur der Zirkusdirektor"). Später räumte er bewusst auch Journalisten eine führende Rolle im Verlag ein.

Die Studentenproteste und vor allem die Schüsse auf Rudi Dutschke in Berlin, die später von militanten Außenseitern als Grund für Brandanschläge gegen Springer-Häuser herhalten mussten, ließen den Verleger nicht unberührt. Seinen Blättern war "Hetze" gegen Teile der rebellischen Jugend vorgeworfen worden. "Ich möchte mich mit den Studenten verständigen. Sie wissen ja nicht, wie ich darunter leide, dass die mich völlig falsch sehen", sagte er einmal im Interview. "Ich verstehe Rudi Dutschke gut... Aber ich habe Angst vor Leuten, die auf der Suche nach einem Idealstaat sind." Heute steht sein Berliner Verlagshaus an der Axel-Springer-, Ecke Rudi-Dutschke- Straße.

Wilfried Mommert, DPA / DPA