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#covergate: Dänisches Magazin schockiert mit Magermodel

Auf dem aktuellen Titel zeigt "Cover" eine abgemagerte 16-Jährige, das mehr einer Leiche denn einem Model ähnelt. Dabei hatte sich das dänische Magazin besser in der Magermodel-Debatte positioniert.

Mit diesem Bild tritt das dänische "Cover" erneut die Mager-Model-Debatte los. Empörte Leser werfen dem Magazin vor, Essstörungen zu verherrlichen.

Mit diesem Bild tritt das dänische "Cover" erneut die Mager-Model-Debatte los. Empörte Leser werfen dem Magazin vor, Essstörungen zu verherrlichen.

Das junge Mädchen lehnt an der Wand. Ihre Haare verdecken zum Teil das magere, bleiche Gesicht, das viel zu groß für den schmalen Körper wirkt. Unter dem Strickkleid zeichnet sich jeder Knochen ab. Ausgemärgelte Hände halten einen kleinen Ball - so sieht das aktuelle Titelblatt des dänischen Magazins "Cover" aus. Das Mädchen ist erst 16 jahre alt und heißt Lululeika Ravn Liep. Ihr Bild löste im Netz einen Sturm der Entrüstung aus. Unter dem Hashtag #covergate drücken unzählige Menschen ihren Zorn über das Titelbild aus. "Sie sieht nicht nur wie ein Skelett aus, die Pose und der Gesichtsausdruck lässt sie wirken, als ob ihr der Tod kurz bevorsteht", so ein Kritiker. Eine andere Twitter-Nutzerin schrieb "Abgemagert, schwach, abwesend, kindlich zart, ein Schal als Hundeleine, Kindersocken, ein Ball in den Händen. Eine Frau?".

Auch der dänische Minister für Steuern, Benny Engelbrecht, schloss sich via den Kritikern an. "Ich dachte wirklich, dass die Modeindustrie inzwischen verstanden hat, dass Magersucht ein ernst zu nehmendes Problem darstellt", schrieb er.

Zuerst gepostet wurde das Foto auf Reddit: "Leiche oder Model?" lautete die Zeile zu dem Bild. Innerhalb weniger Tage kommentierten dort mehr als 1600 Menschen das Foto. "Die Holocaust-Modeschau dieser Saison", schreibt ein Nutzer.

Angesichts des Shitstorms ruderte die Magazin-Gründerin Marlene Malling inzwischen zurück und entschuldigte sich auf Facebook für den Abdruck des Bildes von Lululeika. "Ich habe meine Verantwortung als Verlegerin, Frau und Mutter nicht wahrgenommen und es tut mir wirklich leid. Wir haben über die Jahre tausende Titelbilder veröffentlicht, doch das Bild eines 'viel zu dünnen' (...) sollte nicht gedruckt werden", so Malling.

Den Vorwurf, Essstörungen zu verharmlosen, wies Malling entschieden zurück. Das "Cover"-Magazin bemühe sich, ein vielseitiges Schönheitsideal zu präsentieren. Erst vor zwei Monaten sei das Übergrößenmodel Ashley Graham auf dem Titelblatt gewesen.

Entschuldigung kommt nicht an

Auch die Agentur "Scoop" beeilte sich, das Aussehen ihres 16-jährigen Models zu erklären. "Sie macht gerade eine schwere Zeit durch, nachdem sie zwei Familienmitglieder verloren hat. Wir bitten daher alle, sie nicht krank zu nennen. Denn das ist sie keinesfalls", ließ die Modelagentur verlauten.

Doch die Netzgemeinde schenkt den Entschuldigungen kaum Glauben. Das wird weiter kritisiert, einerseits für den Abdruck des Fotos und andererseits für das Löschen negativer Kommentare auf der Facebook-Seite von "Cover".

ivi

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