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Kilian Kerner: "Wenn Heidi Klum sich bei mir meldet, würde ich nicht nein sagen"

Er war der Shootingstar der Berliner Modeszene, dann kam der Absturz: Designer Kilian Kerner scheiterte vor zwei Jahren mit seinem eigenen Label. "Ich war froh, als es vorbei war", sagt er heute. Die Geschichte eines Neuanfangs.

Kilian Kerner

"Ich habe keine Lust mehr auf Fashion-Getue", sagt Kilian Kerner. Im vergangenen Juli besuchte er die Berliner Modewoche als Gast.

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"Ich finde, Heidi Klum ist eine geile Frau", sagt Kilian Kerner über die "Germanys Next Topmodel"-Jurorin, die derzeit wegen ihrer Affäre mit Tom Kaulitz in den Schlagzeilen steht. "Sie sieht gut aus und hat ihren Namen zu einer Marke ausgebaut, die auf der ganzen Welt bekannt ist. Das ist eine grandiose Leistung", erkennt der Modemacher neidlos an. "Sie ist ein Schuss."

Auch Kerner galt einst als Schuss. 120 Modegeschäfte auf der ganzen Welt führten sein Label. 2012 hatte sich der Umsatz seiner Firma im Vergleich zum Vorjahr verachtzehnfacht. Grund für den Hype war der Börsengang seines Labels. Nachdem Investoren auf den aufstrebenden Designer aufmerksam geworden waren, wollten sie Kilian Kerner zur Weltmarke ausbauen – auf einer Stufe mit Chanel, Gucci oder Prada – und gründeten die Kilian Kerner AG. Doch das Unterfangen scheiterte.

Kilian Kerner erfuhr per Anruf von der Pleite

"Ich erfuhr in einem Anruf davon, dass Schluss ist", sagt Kerner. Und: "Ich war froh, dass es vorbei war." Gründe für das Aus gibt es viele. Der Vorstand wollte möglichst rasch Rendite sehen und trimmte das Label auf Expansion und Wachstum. In die Kollektion schlichen sich Fehler ein. Seine Warnungen wollte niemand hören. Kerner hatte als einziger kreativer Kopf zu funktionieren und nicht nachzufragen. Er war eine "Entwurfsmaschine".

"Es war am Anfang wie ein Rausch. Wir wuchsen und wuchsen", erklärt Kerner heute. Doch dann wurde ihm klar, dass er nur noch ein Börsenwert war. Der kleine kölsche Jung wurde zum Spielball der Modebosse. Bei der Fashion Week 2012 in Berlin zeigte er eine Alltagskollektion für Männer und Frauen. Dabei war ihm längst klar, dass das alles nicht mehr zu schaffen sein würde.

Der Todesstoß war die Expansion in Großbritannien. Das zu diesem Zeitpunkt viel zu kleine Team war überfordert. Die Entwürfe saßen nicht, die Kunden blieben aus.

Als er dann wegen eines Familienunglücks im September 2015 nicht im Berliner Atelier anwesend war, entwickelten die Investoren eine Dolchstoßlegende. Er sei nicht für die Marke da, warf der Vorstand ihm vor. "Ein ungeheuerlicher Vorwurf. Auch meine Mitarbeiter haben nur mit dem Kopf geschüttelt." Zu diesem Zeitpunkt begann Kerner sich emotional von der Firma abzunabeln. Als dann der Geldhahn zugedreht wurde und neue Investoren aus den USA ausblieben, wurde die Kilian Kerner AG auf Eis gelegt.

Kerner startet mit Tenniskollektion neu durch

Doch statt sich zurückzuziehen und auszuruhen, stürzte sich Kerner in neue Arbeit. "Ich habe zwei große Leidenschaft: Tennis und Mode", sagt Kerner. Als ihm das Label Bidi Badu anbot, eine Tenniskollektion zu entwerfen, sagte er sofort zu. "Endlich hatte ich wieder Spaß an der Arbeit, frei von den Zwängen einer eigenen Aktiengesellschaft." Seinen Namen würde er nie wieder für eine AG hergeben. Noch bis August 2020 muss er warten, bis er die Rechte an seinem Namen zurückerhält.

Bis dahin? Viel Mode. Gerade hat Kerner in Kollaboration mit Samsonite eine eigene Taschenkollektion herausgebracht. "Eine mutige Firma, ich hatte viele Freiheiten", sagt Kerner über den Kofferhersteller. Auch das Fernsehen würde Kerner, der eine Ausbildung zum Schauspieler gemacht hat, reizen. "Wenn Heidi Klum mir eine Stelle als Juror bei GNTM anbietet, würde ich nicht nein sagen", sagt er. "Jetzt habe ich ja keine Firma mehr, auf die ich aufpassen muss." Sein ganz großer Traum bleibt es aber, eine Kollektion auf der New Yorker Fashionweek zu zeigen. "Und einmal mit Steffi Graf Tennis zu spielen."

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