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Tragen oder wegwerfen?: Alfredo Pauly fordert: "Tragen Sie alte Pelzmäntel" - der Umwelt zuliebe

Viele Modehäuser verzichten inzwischen auf Pelz. Aber was ist mit den Stücken, die schon im Umlauf sind? Designer Alfredo Pauly hält das Tragen von alten Pelzen für ökologisch sinnvoll. Tierschützer sehen das anders.

Alfredo Pauly trägt auf einem Event Pelz

Alfredo Pauly verkauft seit 30 Jahren Pelz. Er findet es völlig in Ordnung, wenn man Vintage-Pelz trägt, bis er zerfällt.

Getty Images

Ob Gucci, Armani oder - ganz aktuell - Chanel: Immer mehr Modehäuser verzichten auf die Verwendung von Pelz in ihren Kollektionen. Aber was soll mit den Pelz-Mänteln, -Schals und -Mützen passieren, die schon da sind? Darf ich den von Oma vererbten Pelz tragen? Oder muss er eingemottet auf dem Dachboden verschwinden?

"Vom ökologischen Standpunkt her gibt es nichts Besseres als Pelz", sagt Alfredo Pauly dem stern. Der Designer verkauft seit über 30 Jahren Pelze. Alte Pelze wegzuwerfen, hält er für Verschwendung. "So ein Mantel hält 100 bis 150 Jahre. Irgendwann zersetzt er sich selbst, aber solange kann man ihn tragen und braucht ihn nicht zu entsorgen. Überlegen Sie mal, wie viele Mäntel aus Kunststoff oder Nylon sie sich in dieser Zeit kaufen und wegschmeißen."

"Tragen Sie das Erbstück ihrer Oma ruhigen Gewissens", rät Pauly. Second-Hand-Pelze zu kaufen und zu tragen, sei umweltfreundlicher, als sich einen neuen Mantel - aus welchem Stoff auch immer - zu kaufen, behauptet der Pelz-Befürworter, der in seinem Geschäft in Baden-Baden nicht nur alte Pelze, sondern auch neue Stücke anbietet. "Nur von gezüchteten Tieren", wie er betont. 

Tierschutzbund meint: "Alte Pelz machen das Tragen wieder salonfähig"

Ganz anders sieht dies der Deutsche Tierschutzbund e.V. und lehnt auch das Tragen von alten Pelzen ab. "Richtig ist, dass Vintage-Pelze schon vorhanden sind und kein weiteres Tier für ihre Produktion sterben muss. Aber auch hier führt das Tragen natürlich dazu, Pelz weiter salonfähig zu machen", sagt Tierschutzbund-Sprecherin Lea Schmitz. Sie findet: "Jedes Modeunternehmen, das weiterhin Pelzprodukte verkauft, unterstützt eine Industrie, die für den Tod von Millionen von Tieren verantwortlich ist, welche auf brutale Weise gehalten und getötet werden - und das für ein überflüssiges Luxusprodukt."

Sind Kunstfelle eine Alternative zu echtem Pelz?

Seit einiger Zeit verkauft Alfredo Pauly aber auch Kunstpelz – und findet es völlig okay. "Ich kann wunderbar damit leben, dass es diese Art der Mode nun gibt", findet er. Es komme ganz auf den Geschmack des Verbrauchers an. Und einen Kunstpelz zu tragen, fühlt sich sicherlich besser an als echtes Fell, denn man weiß ja, dass es sich nicht um das Fell eines toten Tieres handelt. Aber oft sehen die Jacken so echt aus, dass man immer noch böse Blicke erntet. Das sei aber heutzutage weniger geworden als früher, findet Pauly. Er sei aber auch gegen echtes Fell, wenn es aus Qualzuchten stammt: "Das erkennt man oft daran, dass das Fell zerpflückt aussieht, nicht mehr so glatt und glänzend ist." Davon müsse man dringend Abstand nehmen.

Lea Schmitz hält Kunstfelle für besser als echte, gibt aber zu bedenken: "Gut gemachter Kunstpelz ist heute von echtem Fell für den Laien kaum zu unterscheiden. Für Kunstfell muss zwar kein Tier leiden und sterben, dennoch sorgt auch Kunstfell dafür, ähnlich wie Vintage-Pelz, dass der Eindruck erweckt werden kann, dass es absolut okay ist, Fell zu tragen. Zudem ist es leider so, dass auch echter Pelz häufig als Kunstfell deklariert wird. Der Grund: Felle bestimmter Tierarten sind je nach Herkunft (z. B. das Fell des Marderhundes aus chinesischen Farmen) billiger oder zumindest genauso billig zu bekommen wie Kunstfell." Es könne auch vorkommen, dass einzelne echte Tierhaare in Kunstfell mit eingewoben werden. "Daher rät der Deutsche Tierschutzbund keine Kleidungsstücke und Accessoires zu erwerben, an denen sich Fellbesatz findet. So können Tierfreunde ganz sicher gehen, kein echtes Tierfell zu kaufen", sagt Schmitz.

Was darf man denn nun tragen?

Ein Artikel, der 2012 von einer internationalen Organisation für Pelzindustrie, der "International Fur Trade Federation", in Auftrag gegeben wurde, besagt, dass Kunstpelz den Planeten sogar stärker negativ beeinflusse als echter Pelz, da zur Produktion mehr nicht erneuerbare Energie benötigt werde. Eine umweltorientierte Forschungsagentur mit Sitz in den Niederlanden erklärt dagegen, dass Nerzfell die Umwelt stärker negativ beeinflusse als Kunstfell, vor allem in Bezug auf Emissionen. Andere Experten sagen, dass beide Varianten kritisch gesehen werden müssen. Eine klare Richtlinie gibt es also nicht. Ob man die Vintage-Pelze seiner Vorfahren tragen möchte oder nicht, ist reine Geschmacks- und Gewissenssache. Und am einfachsten ist es wohl, sich in etwas zu hüllen, das bestenfalls überhaupt nicht nach Fell aussieht.

Verwendete Quellen: "Vogue" / "Fur Europe" / "CE Delft"

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