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Auch Barroso sagt Besuch in der Ukraine ab

Das Verhältnis zwischen Europa und der Regierung in der Ukraine wird immer schlechter.

Das Verhältnis zwischen Europa und der Regierung in der Ukraine wird immer schlechter. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat laut Aussage seiner Sprecherin "keine Absicht", zu Spielen der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) zu fahren. Auch Tschechiens Staatsoberhaupt Vaclav Klaus sagte einen Besuch in der Ukraine ab. Kiew warnte die Regierung in Berlin dagegen vor Methoden "wie im Kalten Krieg". Auch Bundespräsident Joachim Gauck hatte angekündigt, nicht in das Land reisen zu wollen.

Barroso erklärte vor Medienvertretern, nicht in die Ukraine zu fahren. In Prag hieß es, die Hauptsursache für die Absage der Reise von Präsident Klaus sei die Behandlung der inhaftierten und erkrankten Ex-Premierministerin Julia Timoschenko. Präsidentensprecher Radim Ochvat hatte dies der Zeitung "Lidove Noviny" gesagt. Laut "Spiegel" erwägt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ebenfalls einen Boykott.

Gauck hatte seine Reise in der vergangenen Woche im Zusammenhang mit Timoschenkos Inhaftierung abgesagt. Der Bundespräsident wollte ursprünglich wie Klaus am 11. und 12. Mai an einem Treffen mitteleuropäischer Staatsoberhäupter im ukrainischen Jalta teilnehmen. Auch Österreichs Präsident Heinz Fischer sagte seine Teilnahme an der Zusammenkunft bereits ab. Laut "Lidove Noviny" nimmt auch der slowenische Staatschef Danilo Türk nicht daran teil.

Timoschenko, die an Bandscheibenproblemen leidet, verbüßt eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Sie protestiert seit dem 20. April mit einem Hungerstreik gegen ihre Haftbedingungen und wirft den Behörden Misshandlung vor. Die EU kritisiert die Inhaftierung der Ex-Regierungschefin als politisch motiviert. Die Bundesregierung bot wiederholt an, Timoschenko eine Behandlung in Deutschland zu ermöglichen.

Der ukrainische Außenamtssprecher Oleg Woloschin sagte der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine, die ukrainische Regierung hoffe, dass deutsche Politiker nicht beabsichtigten, "Methoden wie im Kalten Krieg wieder aufleben zu lassen und den Sport zu einer Geisel der Politik zu machen". Die Ukraine hoffe vielmehr, dass Medienberichte über einen möglichen EM-Boykott durch die Bundesregierung "falsch" sind.

Nach den Explosionen von Dnjepropetrowsk vom Freitag veröffentlichte der Geheimdienst SBU unterdessen Phantombilder von drei Verdächtigen. Die Männer zwischen 30 und 45 Jahren würden wegen "terroristischer Attentate" gesucht, teilte die SBU-Zweigstelle in Dnjepropetrowsk mit. Zu den möglichen Motiven der Verdächtigen machte der SBU keine Angaben. Ein Unbekannter namens "Eurobomber" hatte am Samstag auf einer örtlichen Nachrichtenseite im Internet erklärt, am Vortag gemeinsam mit einem Komplizen Anschläge in Dnjepropetrowsk verübt zu haben.

Bei den Explosionen in der Heimatstadt von Timoschenko im Osten des Landes waren am Freitag etwa 30 Menschen verletzt worden. 14 Menschen lagen am Sonntag weiter im Krankenhaus, wie die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine unter Berufung auf die örtlichen Behörden meldete.

AFP / AFP

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