HOME

Moody's versetzt drei Top-Staaten der Eurozone Dämpfer

Die US-Ratingagentur Moody's hat dem Ansehen Deutschlands als Krisenmanager in der Eurozone einen Kratzer verpasst.

Die US-Ratingagentur Moody's hat dem Ansehen Deutschlands als Krisenmanager in der Eurozone einen Kratzer verpasst. Das Bundesfinanzministerium hob hervor, Deutschland sei aber "weiterhin Stabilitätsanker in der Eurozone". Auch an den europäischen Finanzplätzen blieben Turbulenzen aus, nachdem Moody's den Ausblick für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg von stabil auf negativ gesenkt hatte.

Moody's senkte den Ausblick für die Bonität der drei Euroländer am Montag, ließ ihnen aber ihre Spitzenbewertung AAA. Als Begründung gab die Ratingagentur die "wachsende Unsicherheit" in der Eurozone an und verwies auf die Möglichkeit eines Ausstiegs Griechenlands aus dem Euro sowie dessen voraussichtliche Auswirkungen auf Spanien und Italien, die ebenfalls hoch verschuldet sind. Die Vernetzung der deutschen Banken in diesen Ländern mache diese "anfällig bei einer weiteren Ausweitung der Krise", hieß es.

Die von der US-Ratingagentur genannten Risiken in der Eurozone seien "nicht neu", erklärte das Bundesfinanzministerium. Auch stelle die Einschätzung von Moody's "vor allem kurzfristige Risiken in den Vordergrund, während längerfristige Stabilisierungsaussichten unerwähnt bleiben". An den internationalen Finanzmärkten sei das Vertrauen in Deutschland weiterhin hoch.

Die Bewertung von Moody's sei "eher kurzfristig, vielleicht auch ein bisschen kurzsichtig", sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle der Zeitung "Die Welt". Der FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke wandte sich im Sender n-tv dagegen, die Entscheidung der Ratingagentur überzubewerten.

Trotz der gefährdeten Spitzenbonität für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg hielt Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker am Plan einer Stabilisierung der gesamten Eurozone fest. "Wir bekräftigen erneut unser starkes Bekenntnis, die Stabilität der Eurozone als Ganzes sicherzustellen", teilte Juncker mit. Die drei Staaten verfügten über "einwandfreie Grundlagen".

Angesichts der massiven Schwierigkeiten Griechenlands, die Sparauflagen zu erfüllen, waren in den vergangenen Tage wieder Rufe nach einem Ausstieg des Landes aus der Eurozone laut geworden. Dies werde aber "derzeit nicht diskutiert", sagte dennoch die österreichische Finanzministerin Maria Fekter. Zunächst werde der Bericht der Troika abgewartet.

Die Troika aus Vertretern von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) ist seit Dienstag in Griechenland, um die Umsetzung der Sparauflagen zu prüfen. Ihr Bericht wird für September erwartet und soll Grundlage für eine Entscheidung über die Freigabe von einer Tranche in Höhe von 31,5 Milliarden Euro sein.

Als einziges Land mit der Topbonität AAA gewährt Moody's nun nur noch Finnland einen stabilen Ausblick. Das Finanzministerium teilte in Helsinki mit, es sei "begeistert". Die Ratingagentur habe aber betont, dass sich die finnische Wirtschaft in einer "komplizierten Lage" befinde, da sie die Probleme der Eurozone noch beim Export zu spüren bekommen könnte.

An den europäischen Börsen zeigte die Entscheidung von Moody's unmittelbar keine größere Wirkung. Der Börsenindex DAX gab zwar am Vormittag nach, holte die Verluste später aber wieder auf. Der Euro notierte etwas schwächer, blieb aber zunächst oberhalb eines Kurses von 1,20 US-Dollar.

AFP / AFP