Die Armee hatte am Mittwoch, drei Tage nach der Parlaments- und Präsidentschaftswahl, die Macht in Guinea-Bissau übernommen und Staatschef Embaló festgesetzt. Am Donnerstag wurde der General Horta N'Tam für ein Jahr zum Übergangspräsidenten ernannt. N'Tam war ein enger Verbündeter des abgesetzten Präsidenten. Die Opposition und Beobachter haben daher die Vermutung geäußert, dass Embaló den Putsch selbst inszenierte, weil er eine Wahlniederlage befürchtete.
Guinea-Bissau leidet unter chronischer politischer Instabilität. Seit der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Portugal im Jahr 1974 gab es in dem Land schon mehrere Staatsstreiche und zahlreiche Putschversuche. Auf die Präsidentschaftswahl 2019 folgte eine viermonatige Krise, in der sich die beiden Favoriten gegenseitig den Sieg streitig machten.
2023 löste Embaló das von der Opposition dominierte Parlament auf, seither regierte er per Dekret. Die größte Oppositionspartei PAIGC, die das Land 1974 in die Unabhängigkeit geführt hatte, war von der Wahl am Sonntag ausgeschlossen worden. Die Partei stufte dies als "Manipulation" ein. Am Samstag drangen nach ihren Angaben "schwer bewaffnete Milizionäre" in die Parteizentrale in der Hauptstadt Bissau ein.
Guinea-Bissau gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, fast 40 Prozent der Bevölkerung lebt in extremer Armut. Das Land wird von Drogenhändlern zudem als Drehkreuz für den Schmuggel von Lateinamerika nach Europa genutzt. Junta-Chef N'Tam forderte die Übergangsregierung am Samstag auf, "Korruption und Drogenhandel zu bekämpfen".