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Snowden auf dem Weg nach Ecuador


Der Enthüller von Aktivitäten der US- und britischen Geheimdienste, Edward Snowden, ist auf dem Weg nach Ecuador.

Der Enthüller von Aktivitäten der US- und britischen Geheimdienste, Edward Snowden, ist auf dem Weg nach Ecuador. "Er ist über einen sicheren Weg unterwegs nach Ecuador, um Asyl zu bekommen", teilte die Enthüllungsplattform Wikileaks mit. Der 30-Jährige werde von Diplomaten und Rechtsexperten begleitet. Zuvor hatte der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patiño mitgeteilt, Snowden habe in seinem Land politisches Asyl beantragt. Snowden hatte Hongkong verlassen, wo er nach seinen Enthüllungen über das Spähprogramms des US-Geheimdienstes NSA Ende Mai abgetaucht war. Neue Enthüllungen Snowdens, unter anderem über ein beispielloses britisches Spähprogramm, sorgten am Wochenende zusätzlich für Aufregung.

Eine Maschine der russischen Fluggesellschaft Aeroflot mit dem ehemaligen Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA landete am Nachmittag auf dem Scheremetjewo-Flughafen, wie die Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Aeroflot-Vertreter meldeten. Ein Vertreter der russischen Sicherheitskräfte sagte der Agentur RIA Nowosti, in Russland liege nichts gegen Snowden vor, und es gebe keine Anweisung ihn festzunehmen.

Die Behörden von Hongkong, wo Snowden seit Ende Mai untergetaucht war, hatten nach seiner Abreise erklärt, es habe keine rechtliche Grundlage für eine Verhaftung gegeben. Am Freitag hatte die US-Justiz den 30-Jährigen offiziell der Spionage beschuldigt, einen Haftbefehl ausgestellt und die Auslieferung verlangt.

Das Justizministerium in Washington erklärte am Sonntag, es bemühe sich bei der Strafverfolgung Snowdens um Zusammenarbeit mit den Behörden derjenigen Länder, in denen der 30-jährige US-Bürger möglicherweise Zuflucht finden werde. NSA-Chef Keith Alexander kündigte im US-Fernsehen verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an, um Computerexperten wie Snowden künftig besser überwachen zu können.

Für neue Aufregung sorgte ein Interview der britischen Tageszeitung "Guardian" mit Snowden, in dem er Großbritannien vorwirft, beim Ausspähen von Daten "schlimmer als die USA" zu sein. Demnach bespitzeln die Government Communications Headquarters (GCHQ) in London systematisch Telefon- und Internetnutzer in aller Welt und teilen ihre Erkenntnisse mit den US-Kollegen.

Snowden beschrieb ein schier grenzenloses Überwachungsprogramm mit dem Decknamen "Tempora", das "ohne jede öffentliche Kenntnis oder Debatte" ablaufe. Von ihm vorgelegte Dokumente sollen beweisen, dass GCHQ sich heimlich Zugang zu mehr als 200 Glasfaserkabeln verschafft hat, über die der weltweite Telekommunikationsstrom läuft. Das GCHQ verwies darauf, grundsätzlich keine Kommentare zu Geheimdienstaktivitäten abzugeben, aber stets alle "strengen rechtlichen Vorschriften" zu befolgen.

Ebenfalls unter Berufung auf Snowden berichtete eine Hongkonger Zeitung, die US-Regierung zapfe auch chinesische Mobilfunkanbieter an. Dabei sollen Daten von Millionen SMS gesammelt worden sein. Auch der asiatisch-pazifische Glaskabelnetzbetreiber Pacnet sei "gehackt" worden. Snowden habe Dokumente mit Einzelheiten über gezielte Computer-Attacken über eine Zeit von vier Jahren bereitgestellt.

Die Regierung in Peking zeigte sich "ernsthaft besorgt". Die jüngsten Berichte bewiesen erneut, dass China Opfer von Cyber-Attacken der USA sei, sagte Außenministeriumssprecherin Hua Chunying laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag. Die US-Regierung sei um Stellungnahme gebeten worden. Zuvor hatte Xinhua die USA als "größten Schurken unserer Zeit" in der IT-Spionage gebrandmarkt.

Unterdessen wurde eine Sicherheitspanne in der Facebook-Datenbank bekannt, durch die private Informationen von rund sechs Millionen Nutzern des sozialen Online-Netzwerks ungewollt verbreitet wurden. Freunde der Betroffenen oder deren Bekannte konnten zeitweise E-Mail-Adressen und Telefonnummern einsehen, die eigentlich nicht für sie bestimmt waren, wie Facebook am Freitag erklärte.

AFP AFP

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