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Streik der Lokführer zwingt Bahnverkehr vielerorts zum Stillstand

Streik-Anzeige in Berlin
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© © 2021 AFP
Der Streik der Lokführerinnen und Lokführer hat am Mittwoch vielerorts den Bahnverkehr zum Stillstand gezwungen.

Der Streik der Lokführerinnen und Lokführer hat am Mittwoch vielerorts den Bahnverkehr zum Stillstand gezwungen. Der Arbeitskampf der Gewerkschaft GDL führe landesweit zu "starken Beeinträchtigungen" mit Streikschwerpunkten in Ostdeutschland und einigen Metropolregionen, erklärte die Bahn. Das Unternehmen reagierte mit Ersatzfahrplänen und Bussen und verstärkte das Personal auf den Bahnhöfen. GDL-Chef Claus Weselsky verteidigte die kurzfristige Ankündigung der Streiks, an der es viel Kritik gegeben hatte.

Die Bahn könne "nicht garantieren, dass alle Reisenden wie gewünscht an ihr Ziel kommen", warnte das Unternehmen und riet Fahrgästen wenn möglich zu einer Verschiebung ihrer geplanten Reise. Die am Dienstag von der GDL angekündigten Streiks hatten am Mittwochmorgen 02.00 Uhr begonnen und sollen bis Freitagmorgen 02.00 Uhr dauern. Bestreikt wurde seit Dienstagabend auch der Güterverkehr.

Die Bahn erstellte Ersatzfahrpläne. Es sei "trotz der kurzfristigen Ankündigung" gelungen, diese "stabil umzusetzen", sagte eine Sprecherin. Demnach wurde im Fernverkehr rund ein Viertel der Zugkapazitäten angeboten, im Regionalverkehr gab es je nach Region "starke" Schwankungen. Die Bahn setzte zudem rund 150 Busse ein, um weitere Bahnverbindungen aufrechtzuerhalten, und schickte hunderte zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Bahnhöfe, um Reisende zu informieren.

Bahnsprecher Achim Stauß bezeichnete es als "unverantwortlich", dass die GDL die Streiks so kurzfristig angekündigt habe. Dadurch würden die verbliebenen Züge nun auch voller als sonst, was die Sache unter Pandemie-Gesichtspunkten "nicht leichter" mache. Im Güterverkehr wurde laut Bahn ebenfalls rund ein Viertel der Züge eingesetzt - Priorität hatten hier versorgungsrelevante Lieferungen, etwa in Kraftwerke oder an Seehäfen.

Die GDL will durch den Streik ein neues Angebot des Konzerns im Tarifstreit erzwingen. Das zuletzt von der Bahn vorgelegte Angebot bezeichnete sie als "nicht verhandelbar". Anders als die konkurrierende EVG akzeptiert die GDL etwa keine Nullrunde in diesem Jahr und fordert eine Corona-Prämie.

GDL-Chef Weselsky wies Kritik an der Kurzfristigkeit des Streikaufrufs zurück. "Wir haben früh genug angekündigt", sagte er im ZDF. Zudem gebe es "keinen günstigen Zeitpunkt" für einen Streik. Die Gewerkschaft sei sich der erhöhten Reisefrequenz aufgrund der Ferienzeit jedoch bewusst und werde den Streik zunächst am Freitag beenden. Wie es weitergehe, werde "nächste Woche" entschieden, sagte der Gewerkschafter.

Der "Rheinischen Post" sagte Weselsky, die Arbeitgeberseite habe jetzt "Gelegenheit, sich zu bewegen und ein neues Angebot vorzulegen". Sollte nichts passieren, "werden wir nachlegen", jedoch nicht überhastet.

Im Hintergrund geht es auch um einen Machtkampf der GDL mit der größeren EVG. Beide verhandeln im Tarifstreit teils für dieselben Berufsgruppen und das Tarifeinheitsgesetz schreibt seit Jahresbeginn vor, dass in einem Betrieb der Tarifvertrag mit der Gewerkschaft gilt, die dort die meisten Mitglieder hat. Die Bahn hat rund 300 Einzelbetriebe.

EVG-Chef Klaus-Dieter Hommel warf der GDL vor, ihr gehe es vor allem um ihre zukünftige Existenz und um "Mitgliederwerbung", wie er der "Welt" sagte. Ein Angebot zur gemeinsamen Verhandlung mit dem Arbeitgeber habe die GDL abgelehnt.

"Dieser Streik ist nicht zuletzt ein Ergebnis des unsäglichen Tarifeinheitsgesetzes von Union und SPD, das die Konkurrenz der beiden Bahngewerkschaften ohne Not verschärft hat und ein Nebeneinander verschiedener Tarifverträge erschwert", sagte dazu Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter dem "Handelsblatt". Auch die AfD erklärte, der Streik sei "die zwangsläufige Folge eines völlig verfehlten Tarifeinheitsgesetzes".

Der Fahrgastverband Pro Bahn sprach sich für eine Zusammenarbeit der Bahn-Gewerkschaften aus. Diese sollten sich "zusammentun und gemeinschaftlich verhandeln", sagte ihr Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann dem Sender Phoenix. "Wettbewerb unter Gewerkschaften funktioniert nicht wirklich, das geht letztendlich zu Lasten des Systems Schiene."

AFP

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