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Weibliche Doppelspitze soll Linke aus der Krise führen

Im Machtkampf der Linken soll nun eine weibliche Doppelspitze die Partei aus der Krise führen: Vizeparteichefin Katja Kipping und die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Katharina Schwabedissen kündigten in Hannover ihre gemeinsame Kandidatur für die beiden Vorsitzenden-Posten an.

Im Machtkampf der Linken soll nun eine weibliche Doppelspitze die Partei aus der Krise führen: Vizeparteichefin Katja Kipping und die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Katharina Schwabedissen kündigten in Hannover ihre gemeinsame Kandidatur für die beiden Vorsitzenden-Posten an. Sie erhielten Unterstützung aus der Partei, allerdings blieb auch Fraktionsvize Dietmar Bartsch bei seiner Bewerbung um den Vorsitz.

"Wir wollen eine integrierende Lösung aus Ost und West", sagte Schwabedissen bei der offiziellen Vorstellung der Kandidatur. Auf der Pressekonferenz ließen die beiden Kandidatinnen offen, ob sie auch einzeln für einen der beiden Vorsitzenden-Posten zur Verfügung stünden. "Wir sind ein offenes Angebot und kein fest gepacktes Paket", sagte Kipping. Als Team gehe es ihnen darum, die Mitglieder künftig stärker in Entscheidungsprozesse einzubinden.

Die beiden Kandidatinnen wurden auch von Bundesgeschäftsführerin Caren Lay sowie den Bundestagsabgeordneten Jan van Aken und Thomas Nord unterstützt. "Die Polarisierung droht mittlerweile die Partei zu zerreißen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung mehrerer Linken-Politiker. Nun gehe es darum, "gemeinsam einen neuen Aufbruch der Linken zu wagen".

Am Dienstag hatte der frühere Parteichef Oskar Lafontaine seine Bereitschaft zurückgezogen, erneut für das Spitzenamt zu kandidieren. Er zog damit die Konsequenz aus dem Machtkampf mit Bartsch. Weitere Kandidatin für den Parteivorsitz ist die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann.

Der Thüringer Fraktionschef der Linken, Bodo Ramelow, legte Bartsch mit Blick auf den Vorschlag einer weiblichen Doppelspitze den Verzicht auf seine Kandidatur für den Parteivorsitz nahe. "Ich habe Dietmar Bartsch immer den Rücken frei gehalten", sagte Ramelow der "Berliner Zeitung". "Aber wenn es einen besseren gemeinsamen Weg gibt, dann möchte ich darüber nicht öffentlich zu Gericht sitzen. Alle müssen sich gemeinsam an einen Tisch setzen."

Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi rechnete nicht mit einer raschen Beilegung des Führungsstreits im Vorfeld des Göttinger Parteitags Anfang Juni. "Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass es bis zum und auf dem Parteitag spannend zugeht", erklärte er in Berlin. "Danach muss es allerdings schleunigst wieder hochpolitisch werden." Bereits in der vergangenen Woche habe er kritisiert, dass es bis dahin "nur Diskussionen über Männer an der Spitze unserer Partei gab". Nun hätten mehrere Frauen ihre Ansprüche angemeldet. "Das ist zu begrüßen", betonte Gysi.

Fraktionsvize Ulrich Maurer sagte in der ARD, die Linke müsse jünger und weiblicher werden, wenn sie noch eine Chance haben wolle. Es werde Zeit, "dass die Böcke sich vom Acker machen". Die Linke habe eine "ganze Reihe von jungen Frauen, die sehr begabt und charismatisch sind". Das gelte auch für die stellvertretende Partei- und Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht.

Auch der stellvertretende Linken-Parteichef Heinz Bierbaum sprach sich in der "Saarbrücker Zeitung" für eine "zentrale Rolle" Wagenknechts aus, sollte es zu einer weiblichen Doppelspitze kommen. Wagenknecht, die Lafontaines Lebensgefährtin ist, hat eine Kandidatur für den Parteivorsitz bislang abgelehnt.

AFP / AFP