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Urlaubstipps: Gebirge, Geschichte, italienische Kultur - ein Wochenende in Bozen

Die größte Stadt Südtirols hat noch mehr zu bieten als einige der schönsten Gipfel der Alpen. Zum Beispiel die Verschmelzung von deutscher und italienischer Lebensart - und eine 5000 Jahre alte Leiche.

Bozen in Italien: Urlaub machen im Herzen der Südalpen

Umrahmt von Bergen hat Bozen sein mittelalterliches Flair bewahrt.

Wer nach Bozen reist, erlebt mehr als nur eine Stadt – er lernt zwei Lebensweisen kennen. Als Südtiroler wohnen wir ja in einer Grenzregion. Italienische Leichtigkeit trifft auf deutsche Ordentlichkeit. Das traditionell Ländliche flirtet mit dem locker Mediterranen. Man spricht deutsch, überall, aber ist gleichzeitig umgeben von italienischem Temperament. Das Leben spielt sich im Freien ab – selbst bei Kälte. Tagsüber stehen die Menschen mit einem Kaffee auf der Straße, gegen Abend mit einem guten Glas Wein.

Bozen in Italien: Urlaub machen im Herzen der Südalpen

Sophia (39) leitet das Familienunternehmen, und Stephan (52) ist Direktor eines Forschungszentrums (Eurac Research). Kinder: Nikolai (1), Philipa (4) und Rosalia (5). Die beiden sind seit sieben Jahren ein Paar und haben sich in München über Bekannte kennengelernt.

Wir sitzen am liebsten im Café des historischen Hotels Città direkt auf dem zen­tralen Waltherplatz – sozusagen der Logenplatz, um das Stadtleben zu beobachten. ­Dabei fällt schnell eine Eigenart der Bozner auf: Ab elf Uhr bestellt man keinen Cappuccino mehr, sondern nur noch Espresso. Wer danach noch eine Tasse mit Milchschaum in der Hand hält, ist mit Sicherheit Tourist.

"Im Sommer ist Bozen die heißeste Stadt Italiens"

Unsere alte Handelsstadt hat einen sehr einladenden Stadtkern – zum einen wegen des traditionellen Obstmarkts, wo italienische Leckereien angeboten werden, aber vor allem wegen der jahrhundertealten Bozner Lauben. Um Handel und Gewerbe anzutreiben, vergab der Bischof von Trient einst genau jenes Gebiet, auf dem heute die Laubengasse verläuft. Die Bauanweisungen waren ganz präzise: Nur 3,60 Meter durften die Häuser breit sein. Dafür reichen viele der Keller drei Stockwerke weit unter die Erde. Die Häuser bestanden aus mehreren Bereichen, wobei die Gewölbe nach vorn zur Straße hin als Verkaufsräume dienten – bis heute. Bloß dass sich längst moderne Geschäfte einquartiert haben. So lohnt es sich, einen Blick in die Boutique Victorienne zu riskieren. Die Boznerinnen sind sehr gut gekleidet, und dort findet man den feinsten Chic an Handtaschen oder Hüten.

Am unwiderstehlichsten ist die Verschmelzung mediterraner und alpiner Lebensart allerdings beim Essen. Wir drücken uns in der Mittagspause niemals nur ein Brötchen rein, sondern wir genießen. Immer. Klassiker der Südtiroler Küche sind Knödel und Apfelstrudel, doch die meisten Küchenchefs haben sie entstaubt und verwenden schon seit Jahren regionale, biologisch angebaute Lebensmittel. Wir gehen mit unseren Gästen ins Weiße Rössl. Das Traditionsgasthaus ist das älteste noch bestehende der Stadt. Es liegt in der historischen Bindergasse – übrigens direkt neben dem sehenswerten Naturmuseum, das auch Workshops für Kinder bietet. Im Weißen Rössl genießen wir die traditionelle Südtiroler Hausmannskost.

Danach lässt man sich am besten treiben, etwa bei einem Spaziergang auf der Promenade am Fluss entlang, wo man herrliche Parkanlagen findet. Etwas ambitionierter, aber noch romantischer, ist eine Wanderung durch die artenreiche Naturlandschaft auf der Oswaldpromenade, bei der es durch die Weinberge bis zum Schloss Runkelstein geht. Das klingt nicht nur nach einem Gemäuer wie aus dem Märchenbuch, sondern die mittelalterliche Burg sieht auch tatsächlich so aus. Auf dieser Tour ist man rund eine Stunde unterwegs – Achtung, kleinere Kinder können bei dem Aufstieg schon mal müde Beine bekommen.

Ganz anders sieht das auf den Skipisten aus. Die Kinder hier lernen das Skifahren sehr jung und sehr schnell – und bis dahin vergnügen sie sich unermüdlich mit Schlittenfahren oder Schneeballschlachten. Unser jüngster Sohn Nikolai ist erst ein Jahr alt und kann noch nicht richtig laufen, aber vermutlich wird er zuerst auf Skiern stehen. Man muss nur 20 Minuten in die Berge fahren, und schon befindet man sich in einer anderen Klima- und Landschaftszone mit schneegekrönten Gipfeln. Das Rittner Horn, unser Hausberg, ist stolze 2260 Meter hoch. Und wer kein Auto hat, kann auch eine der drei Seilbahnen nehmen: nach Kohlern, Jenesien und Ritten. Die Seilbahnen sind eine schnelle und bequeme Alternative zu den oft kurvenreichen Auffahrten.

Im Archäologiemuseum wird der steinzeitliche Gletschermann Ötzi quicklebendig

Im Archäologiemuseum wird der steinzeitliche Gletschermann Ötzi quicklebendig

Eine Attraktion ist jedoch ein sicherer Selbstgänger: der mehr als 5000 Jahre alte Gletschermann Ötzi, der jetzt schön gekühlt im Südtiroler Archäologiemuseum liegt (wo Kinder übrigens auch Pfeile herstellen, Perlen aus Glas basteln oder Wolle spinnen können). Der mumifizierte Körper des ­steinzeitlichen Jägers wurde 1991 in einem Gletscher der Ötztaler Alpen gefunden. Eine Sensation war das! Und trotz seines fortgeschrittenen Alters sieht Ötzi nicht mal besonders schauerlich aus – unsere Kinder fürchten seinen Anblick nicht, sondern finden ihn und seine Lebensgeschichte einfach spannend.
Schade nur für den bekanntesten Mann der Stadt, dass er Bozen nie kennengelernt hat.

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Info Bozen

ca. 100.000 Einwohner

Hinkommen: Innsbruck und Verona sind die nächstgelegenen Flughäfen (z.B. von Hamburg aus ab ca. 200€). Oder von München 300 Kilometer mit dem Zug (ab ca. 60 Euro für Frühbucher)

Nicht verpassen: Den Obstmarkt (tägl. außer So.). Schon Goethe war, als er 1785 auf seiner Reise nach hier haltmachte, von dessen Farbenpracht begeistert.

Unterkommen: Hotel Città - Traditionshaus am Hauptplatz mit Wellnessoase und tollem Café, DZ ab ca. 150€ oder Hotel Scala Stiegl - Moderner Komfort hinter Jugendstilfassade, DZ ab ca 130 Euro

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