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Inklusion: Westen mit Gewichten beruhigen Zappelkinder an Hamburger Schulen

Es klingt erst einmal befremdlich: An Hamburger Schulen werden Westen mit zusätzlichen Gewicht eingesetzt, um Zappelkinder zu beruhigen. Der Praxistest zeigt, dass die Methode vielversprechend ist.

Inklusion ADHS Zappelphilipp

Kinder an einer Grundschule (Symbolbild)

Verhaltensauffällige Kinder in einer Klasse an der Regelschule zu unterrichten, kann echter Stress sein. Ein Zappelphilipp, der sich nicht konzentriert und zuhört, sondern stattdessen über Bänke und Tische geht, sprengt schon mal komplett den Unterricht. Oft leiden solche Kinder an einer Wahrnehmungstörung und haben Schwierigkeiten, Reize aus dem Umfeld zu verarbeiten.

Da ist jedes Hilfsmittel willkommen, dass zu einer Verbesserung des Unterrichts beiträgt. An Hamburger Schulen werden deshalb seit einiger Zeit Sandwesten eingesetzt, um Zappelkinder zu beruhigen, wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet. Und der Einsatz scheint ein Erfolg zu sein.

Die Idee für den Westen-Einsatz kam allerdings nicht von der Hamburger Schulbehörde, sondern von der Sonderpädagogin Gerhild de Wall, die im Stadtteil Harburg an einer Grundschule arbeitet. Die Westen "verteilen Gewicht und Druck gleichmäßig und flächendeckend auf die Muskel- und Belastungssensoren. Das steigert die kognitive Leistungsfähigkeit", sagte de Wall dem "Abendblatt". Eine Kollegin sieht es genauso: "Für die ist das wie behutsames Handauflegen, das guttut."

Die Methode kommt aus den USA

De Wall brachte die Idee aus den USA mit, wo sie eine zeitlang unterrichtete. Kaum war sie im vergangenen Jahr zurück in Deutschland, sorgte sie dafür, dass die eine Weste anschaffte. Der Erfolg war so groß, dass weitere Westen bestellt wurden. Sie wiegen zwei bis fünf Kilogramm und werden höchstens für 30 Minuten angelegt. Denn sie Kinder sollen sich nicht komplett an sie gewöhnen.

Mittlerweile kommen sie an 13 Schulen der Hansestadt zum Einsatz. Jörn Westphal, Leiter der Schule Öjendorfer Damm in Jenfeld, sagte dem "Abendblatt: "Wir sollten sie nach einem halben Jahr zurückgeben." Aber davon ist längst nicht mehr die Rede: "Wir verhandeln, damit wir sie dauerhaft einsetzen können." Ähnliche Reaktionen sind von den anderen Schulen zu hören.

Kinder und Eltern sind von den Westen überzeugt

Auch Kinder und Eltern sind offenbar von den Sandwesten überzeugt. "Sie hilft ihm, sich zu konzentrieren. Und er kann besser mitarbeiten, weil er nicht ständig damit beschäftigt ist, seine Arme und Beine unter Kontrolle zu halten", zitiert die Zeitung die Mutter eines Jungen. Das Wichtigste aber ist: Die Kinder sehen die Westen als etwas Spannendes und Cooles an, und nicht als ein Kleidungsstück, das jemanden zum Außenseiter stempelt. 

Wie so oft bei Ideen, die nicht aus der Politik kommen, reagiert die Hamburger Schulbehörde zurückhaltend. Es würden noch wissenschaftliche Ergebnisse fehlen, wird eine Sprecherin zitiert. Dennoch begrüße die Behörde den Einsatz in einzelnen Fällen.