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Buch über Helikopter-Eltern: Wenn Eltern die Laufgruppe der Grundschule überwachen

Ob in der Kita, in der Schule oder an der Uni: Helikopter-Eltern sind echte Plagegeister. Bestes Gegenmittel: Humor. Da hilft ein neues Buch, in dem zwei Autorinnen zahlreiche Anekdoten zusammengetragen haben.

Sie sind ein relativ junges Phänomen: -Eltern. Sie treten seit etwa 20 Jahren vermehrt in Erscheinung und gehen Erziehern, Lehrern und anderen Eltern gehörig auf die Nerven. Sie behüten ihre Kinder mehr als notwendig, sie schließen die Lebensplanung für den Nachwuchs schon während der Schwangerschaft ab und fordern dreist bessere Noten für ihr Kind. Sogar an Universitäten tauchen sie in großer Zahl auf. Ob Wohnungsputzen für faule Söhne oder gemeinsames Lernen - die Helis mischen überall mit.

Wer da nicht die Nerven verlieren will, braucht Humor. Und da hilft ein Buch, in dem die Journalistinnen Lena Greiner und Carola Padtberg, die beide für "Spiegel Online" arbeiten, zahlreiche Anekdoten zusammengetragen haben. Sie ließen sich von Hebammen, Erziehern, Lehrern, Ärzte, Trainern und Professoren Erlebnisse mit Helikoptern-Eltern schildern. Herausgekommen ist ein Kompendium der Realsatire, dass für Eltern wie für Nicht-Eltern höchst amüsant ist. 

Helikopter-Eltern

Helikopter-Eltern sind ein Phänomen unserer Zeit und wahnsinnig nervig - da hilft nur Humor


Das Buch ist nicht nur zum Lachen

Das Buch ist aber nicht nur zum Lachen, sondern die beiden Autorinnen betreiben auch Aufklärung. Zu diesem Zweck lassen sie in einem Kapitel betroffene zu Wort kommen, die von ihren Erfahrungen berichten. Es kann durchaus sein, dass man als Kind von Helikoptern-Eltern auf der Couch eines Psychologen landet. Am Ende des Buches gibt es ein Interview mit dem Jugendpsychiater Michael Winterhoff, der versucht, das Phänomen zu erklären: "Unbewusst machen diese Eltern das Glück ihres Kindes zum eigenen Glück. Es geht also gar nicht um Überprotektion." Die fehlende Abgrenzung könne zu Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung führen und es sei ein Phänomen, dass alle sozialen Schichten durchziehe, erklärt der Psychiater.

Trotz der ernsten Aspekte, die dieses Thema birgt, ist die Anekdoten-Sammlung in erster Linie zum Lachen da - und das gelingt ihr gut.

Buchauszüge: 

In der Schwangerschaft 

Nabelschnurblut

Ein Vater schreibt: "Wir haben bei der Geburt das Nabelschnurblut unserer Tochter für 25 Jahre einfrieren lassen. Die 2600 Euro haben wir über eine Ratenzahlung finanziert. Ich würde mir nie verzeihen, wenn sie später mal eine Krankheit bekäme, die man mit diesen Stammzellen heilen kann , und ich hätte die Möglichkeit nicht genutzt."

Gefährliche Katzen

Ein Freund von werdenden Elter berichtet über die Angst vor Toxoplasmose. Die Krankheit wird von Katzen übertragen und kann zu Schäden an ungeborenen Kindern führen. "Ich wurde von Helikopter-Eltern mehrfach darauf hingewiesen, dass die Toxoplasmose sogar im Topf der Yucca-Palme lauere. Ich sollte nicht über Rasen laufen, denn da könnte ja Katzenkot liegen. Sie sahen Todesgefahr in der Salami Todesgefahr im Fisch, Todesgefahr überall."

In der Kita

Genaue Anweisungen

Eine Erzieherin: "Ich bekam von einem Elternteil einen Zettel mit Handlungsanweisungen an das Garderobenfach geklebt: 'Unter 18,5 Grad Puli anziehen, ab 22, 5 Grad Sonnenschutzoberteil an. Außentemperaturen sind im Schatten zu messen." 

In der Grundschule

Kälte bedroht die Grundschüler

Ein Lehrer: "Als mein Sohn eingeschult wurde, sollte die Schule nach und nach saniert werden. Dafür wurden direkt vor dem Haupteingang Container aufgebaut, in denen die Grundschulklassen im Wechsel Unterricht hatten. Etliche Eltern regten sich fürchterlich über die 'unzumutbaren' Zustände auf und forderten die Schulleitung schriftlich auf, einen beheizbaren Tunnel ins Hauptgebäude zu errichten - damit die armen Kleinen sich nicht erkälten, wenn sie auf die Toilette müssen. Es handelte sich um einen Weg von maximal 30 Metern. Natürlich lehnte die Schulleitung den Antrag ab."

Laufgruppe

Eine Lehrerin: "Wegen solcher Helis ist die Laufgruppe zur Schule gescheitert, da diese Eltern den Kindern heimlich gefolgt sind, um uns anderen Eltern dann über WhatsApp alle Vergehen zu schildern - natürlich nur die der anderen Kinder."

Weinende Mütter

Ein Vater über weinende Mütter am Schuleingang: "Die erste hat geweint, weil ihre Tochter Unterricht bei einer Lehrerin hatte, die sie nicht mag, und sie ihr als Mutter nicht beistehen könne - und die andere hat dann beim Anhören dieser Schilderung begonnen mitzuweinen."

In der weiterführenden Schule

Fehmarn ist zu windig

Ein Vater erzählt von einem Elternabend einer neunten Klasse, in der über die Abschlussfahrt gesprochen wurde: "Es sollte auf die Ostseeinsel Fehmarn gehen, doch ein Vater sprach sich rigoros und vehement gegen dieses Ziele aus. Der Grund: Er kenne die Insel gut und wisse, dass es dort im Herbst schon recht stürmisch sein könne. Des Weiteren hätte er über Google Earth herausgefunden, dass die Schlafunterkunft mehr als hundert Meter vom Hauptgebäude entfernt liege, in dem die Mahlzeiten eingenommen werden sollten. Täglich mehrfach bei Wind und Wetter zum Essen zu gehen sei seiner Tochter nicht zuzumuten."

Dreiste Eltern

Eine E-Mail von Eltern: "Könnten Sie uns bitte einmal wöchentlich darüber informieren, wie XY sich am Englischunterricht beteiligt hat? Es reicht per Mail."

An der Universität

Eine Frau erzählt von ihrer Freundin: "Eine Freundin erzählte mir, sie habe einen Studienplatz in Zahnmedizin ergattert. und sie hätten auch schon eine Wohnung. Ich fragte, wer mit 'sie' gemeint sei, und dachte, es handele sich um eine WG. Sie sagte daraufhin, dass ihre Mutter mit ihr in die Studienstadt ziehen werde, um sich um alles zu kümmern. Dann könne sie sich voll und ganz auf ihr Studium konzentrieren."

Lena Greiner, Carola Padtberg: Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag! Von Helikopter-Eltern und Premium-Kids, Ullstein Taschenbuch; 224 Seiten; 9,99 Euro

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