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18.04.2005: 17 Autoren und drei Fotografen für den Henri Nannen-Preis 2005 nominiert

Insgesamt gingen 820 Einreichungen aus 172 deutschsprachigen Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen für den erstmals ausgeschriebenen Journalistenpreis von Gruner + Jahr und stern ein / Alle nominierten Arbeiten ab sofort im Internet

Hamburg, 18. April 2005 – Zum ersten Mal vergeben der stern und der Verlag Gruner + Jahr in diesem Jahr den Henri Nannen-Preis. Um den nach dem 1996 verstorbenen stern-Gründer Henri Nannen benannten und in fünf Kategorien ausgeschriebenen Preis bewerben sich Journalisten mit insgesamt 820 Einreichungen aus 172 deutschsprachigen Zeitungen, Zeitschriften und Magazi-nen.

Das große Echo auf die erste Ausschreibung des Nannen-Preises und das hohe Niveau der meisten Einsendungen zeigen, dass es richtig war, einen neuen Preis mit unterschiedlichen Kategorien auszuloben und nicht mehr ausschließlich die Reportage als einzig wichtige journalistische Form zu würdigen. Mit dem vom stern vergebenen Egon Erwin Kisch-Preis hatte Henri Nannen 1977 eine journalistische Auszeichnung für die besten deutschsprachigen Reportagen geschaffen, um diese „Königsform“ des Journalismus besonders zu fördern.

Der Kisch-Preis für die beste Reportage, den der stern inzwischen 27-mal vergeben hat, ist nach wie vor Bestandteil und Herzstück des neuen Nannen-Preises. „Aber neben die Reportage“, sagt stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn, „sind in den vergangenen Jahren immer stärker andere journalistische Formen getreten, die sich etwa darum bemühen, den Lesern eine komplexer gewordenen Wirklichkeit zu vermitteln oder prägnante Persönlichkeitsporträts interessanter Akteure zu zeichnen.“

Die eingereichten Texte und Fotostrecken haben ein aufwändiges Auswahl-verfahren durchlaufen. Die Arbeiten wurden von insgesamt 18 erfahrenen Vorjuroren begutachtet, die stets im Zweierteam tätig waren und unter an-derem den Redaktionen von Berliner Zeitung, Brigitte, FAZ, GEO, Monopol, Spiegel, stern, Süddeutscher Zeitung, Tagesspiegel und Welt angehören; zwei Vorjuroren sind freie Autoren. Für die Vorauswahl der Fotos waren Margot Klingsporn von der Agentur Focus und der Fotograf und Hochschullehrer Hans Hansen zuständig. Nach einer ersten Auswahlrunde haben sich alle Vorjuroren im März in Hamburg getroffen und die endgültigen Nominierungen diskutiert und festgelegt.

Die Hauptjury wird am 19. Mai, einen Tag vor der Preisvergabe, in Hamburg entscheiden, wer von den drei Nominierten pro Kategorie den Preis erhält. Der Hauptjury gehören Chefredakteure der bedeutendsten deutschen Zeitschriften und Zeitungen an: Peter-Matthias Gaede (GEO), Werner Kilz (Süddeutsche Zeitung), Roland Köppel (Welt), Giovanni di Lorenzo (Die Zeit), Helmut Markwort (Focus), Andreas Petzold (stern), Frank Schirrmacher (FAZ). Außerdem die Autorin Elke Heidenreich, der Spiegel-Autor Cordt Schnibben sowie die Fotografin und Professorin Ute Mahler und der Fotograf Michel Comte.

Folgende Arbeiten sind für den Henri Nannen-Preis 2005 nominiert:

Kategorie Reportage (Egon Erwin Kisch-Preis)


- Alexander Osang (Der Spiegel) für „Der Machtflüsterer“ – ein Porträt des amerikanischen Politberaters und „Präsidenten-Machers“ George Gorton
- Reto U. Schneider (NZZ-Folio) für „Am Rand der Welt“ – eine Reportage aus Qaanaaq in Grönland, der nördlichsten Stadt der Welt
- Stefan Willeke (Die Zeit) für „Herr Mo holt die Fabrik“ – eine Reportage über den Umzug einer Kokerei von Dortmund nach China

Kategorie Dokumentation („Besonders verständliche Berichterstattung über einen komplexen aktuellen oder historischen Sachverhalt“)


- Jan Lublinski (GEO) für „Die Jagd nach der dunklen Materie“ – ein Bericht über das Rätsel der Substanz, die die Kraft hat, Galaxien zusammenzuhalten
- Uwe Buse, Ullrich Fichtner, Mario Kaiser, Uwe Klussmann, Walter Mayr, Christi-an Neef, (alle: Der Spiegel) für „Putins Ground Zero“ – eine Rekonstruktion des Überfalls islamistischer Terroristen auf eine Schule in Beslan
- Walter Wüllenweber (stern) für „Das wahre Elend“ – eine analysierende Beschreibung der neuen Armut in Deutschland am Beispiel einer Siedlung in Essen

Kategorie „Beste investigative Leistung“


- Sven Röbel, Andreas Wassermann (beide: Der Spiegel) für „Händler des Todes“ – die Aufdeckung der Entstehungsbedingungen von Gunther von Hagens „künstlerischer“ Präsentation von Leichen in seiner Ausstellung „Körperwelten“
- Thomas Hennecke (kicker) und Freddie Röckenhaus (Süddeutsche Zeitung) für ihre gemeinsamen Enthüllungen des Finanzskandals beim Fußballclub Borussia Dortmund
- Uli Rauss, Oliver Schröm (stern) für „Das neue Gesicht des Terrors“ – eine Nachzeichnung von Leben und Untaten des islamistischen Terroristen Zarqawi

In der Kategorie

„herausragendes Beispiel unterhaltender humorvoller Berichterstattung“

sind nicht genügend qualifizierte Beiträge eingereicht worden. Die Vorjuroren haben deswegen auf Nominierungen verzichtet. Der Preis soll dem „Streiflicht“ der Süddeutschen Zeitung zuerkannt werden.

Kategorie „Beste fotografische Autorenleistung“


- Yann Arthus-Bertrand (Frankreich) für seine in GEO veröffentliche Reportage über die 6000 Jahre lange Kulturgeschichte der Pferdezucht
- Brigitte Krämer (Deutschland) für ihren stern-Bericht über verletzte Kin-der aus den Kriegsgebieten der Erde, die im Friedensdorf Oberhausen operiert und rehabilitiert werden
- Yang Yankang (China) für seine in GEO erschienene Reportage über den Aufstieg des Christentums in China Der Henri Nannen-Preis wird auch für besonderes Eintreten für die Unabhängigkeit der Presse und für ein journalistisches Lebenswerk vergeben. Die Namen der Preisträger werden in den nächsten Wochen veröffentlicht.

Die Preisträger des Henri Nannen-Preises werden während der feierlichen Preisverleihung am 20. Mai 2005 im Deutschen Schauspielhaus Hamburg bekannt gegeben. Der Preis besteht aus einer eigens für diese Ehrung geschaffenen Nannen-Skulptur des Berliner Bildhauers Rainer Fetting und einem Preisgeld von je EUR 5.000. Alle ausgewählten Arbeiten finden sich inklusive Angaben zu sämtlichen Nominierten sowie den Vor- und Hauptjuroren auf der neu gestalteten Homepage

www.henri-nannen-preis.de

ab sofort im Internet.