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Befreiung aus Toilettenrohr: Chinesische Polizei findet Mutter des geretteten Babys

Ein Säugling ist in einer dramatischen Rettungsaktion aus einem Toilettenrohr in China befreit worden. Jetzt hat die Polizei die Mutter gefunden. Der wenige Tage alte Junge ist mittlerweile wohlauf.

Ein zwei Tage alter Säugling ist in China in einer dramatischen Rettungsaktion aus einem Toilettenrohr befreit worden. Der neugeborene Junge sei wohlauf und im Krankenhaus, berichteten Staatsmedien. Das 2,3 Kilogramm schwere Baby war anscheinend die Toilette heruntergespült worden. Die Mutter wurde nach Angaben der Polizei vom Dienstag gefunden: "Sie weint und bedauert es zutiefst."

Die Zeitung "Dushi Kuaibao" hatte zuvor noch einen Polizisten zitiert, der vom Verdacht der "absichtlichen Tötung" sprach. "Glücklicherweise ist das Kind nicht ums Leben gekommen." Trotzdem werde wegen "Mordversuchs" ermittelt. Nach dem Auftauchen der Mutter teilte die Polizei lediglich mit, der Fall werde weiter untersucht.

Einsatzkräfte entdeckten das Baby

Nachbarn hatten am Samstag leise Kinderschreie aus dem frei zugänglichen Stehklo im vierten Stock eines Wohnhauses gehört und Hilfe gerufen. Einsatzkräfte entdeckten das Baby kopfüber in dem zehn Zentimeter dicken Toilettenrohr. Feuerwehrmänner mussten im Stockwerk darunter einen Teil des in den Fußboden gehenden Abflussrohres, in dem das Kind steckte, absägen.

Vergeblich wurde versucht, das Baby herauszuziehen, so dass das Rohr schließlich zusammen mit dem Kind ins Pujiang Hospital gebracht werden musste. Gemeinsam mit Ärzten öffneten die Retter das Plastikrohr vorsichtig, wie in Aufnahmen des Staatsfernsehens zu sehen war.

"Ein Junge! Es ist ein Junge."

Mit Sägen und Zangen wurden zwanzig Minuten lang kleine Einzelteile herausgebrochen, bis zunächst der Kopf des Babys befreit war. "Es lebt", rief jemand. Der Säugling litt unter Sauerstoffmangel und wurde umgehend versorgt. Als das ganze Rohr geöffnet worden war, rief ein Arzt: "Ein Junge! Es ist ein Junge." Die Füße waren schon blau angelaufen.

Der 30 Zentimeter lange Säugling hatte noch Nabelschnur und Reste der Plazenta an sich. Er hatte Kratzer an Kopf und Gliedmaßen. Nach der zweistündigen Rettungsaktion kam der Babyjunge in einen Brutkasten mit der Nummer 59, was ihm in chinesischen Staatsmedien den Namen "Nr. 59" einbrachte. Schwestern gaben ihm Milch mit der Flasche.

Der Fall des Jungen "Nr. 59"

Es wurde vermutet, dass das Neugeborene nicht auf der Toilette zur Welt gekommen ist. Die Vermieterin sagte, dass die meisten Bewohner des Gebäudes in benachbarten Fabriken und Restaurants arbeiteten. Sie hätten sich kaum gekannt. Ihr sei nicht bekanntgewesen, dass eine Bewohnerin vielleicht schwanger gewesen sei, sagte sie der Zeitung "Dushi Kuaibao".

Der Fall des Jungen "Nr. 59" löste Empörung in sozialen Medien Chinas aus. "Wer kann so grausam sein?", fragte ein Internetnutzer. Es gab auch Adoptionsangebote. "Ich hoffe, das Baby kann ein glückliches Heim finden", schrieb ein anderer. Die Motive der Tat wurden zunächst nicht bekannt.

In der Volksrepublik ist es gesellschaftlich wenig akzeptiert, dass unverheiratete Frauen Kinder zur Welt bringen. Seit Ende der 70er Jahre herrscht eine strenge Ein-Kind-Politik. Es gibt immer wieder Berichte, dass Mädchen oder Behinderte nach der Geburt ausgesetzt werden. Wegen der traditionellen Bevorzugung männlicher Nachkommen ist die Aussetzung eines Jungen aber eher selten.

ins/DPA / DPA