HOME

Berlin: Kuratorium veranlasst Baustopp wegen Degussa-Beteiligung

Die Bauarbeiten am Holocaust-Mahnmal in Berlin sind vorläufig gestoppt worden. Grund dafür sei ein Streit im Kuratorium der Mahnmals-Stiftung über die Beteiligung der Firma Degussa.

Die Bauarbeiten am Holocaust-Mahnmal in Berlin sind vorläufig gestoppt worden. Grund dafür ist nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Samstag ein entsprechender Beschluss des Stiftungskuratoriums. Dieses wandte sich dagegen, dass für den Graffiti-Schutz der Stelen ein Mittel der Chemiefirma Degussa verwendet werden sollte. Eine Tochtergesellschaft der Degussa produzierte während der NS-Zeit das Gift Zyklon B, mit dem in den Vernichtungslagern Juden und andere Verfolgte getötet wurden.

Degussa teilte mit, man sei über die Entscheidung des Kuratoriums schriftlich von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse informiert worden. "Degussa wird diesen Brief schriftlich beantworten und zum gegebenen Zeitpunkt eine Stellungnahme abgeben", hieß es in der Mitteilung.

Kontroverse Debatte im Kuratorium

Im Kuratorium hatte es vor dem Beschluss eine heftige Kontroverse gegeben, wie es in der Zeitung hieß. Gegner des Baustopps hätten argumentiert, das Stelenfeld könne nicht ausschließlich von Firmen gebaut werden, die sich im Dritten Reich nicht schuldig gemacht hätten. Die heutige Degussa gehe darüber hinaus sehr verantwortungsvoll mit ihrer Geschichte um.

Lea Rosh, eine der Initiatorinnen der Gedenkstätte nahe dem Brandenburger Tor, rechtfertigte den Baustopp dagegen. In der Tageszeitung "B.Z. am Sonntag" wurde sie mit der Aussage zitiert: "Es ist nicht zu verantworten, dass zum Beispiel ein ungarischer KZ-Überlebender vor dem Stelenfeld steht und erfährt, dass eine Firma an dem Denkmal beteiligt ist, die das Gift für seine Vernichtung geliefert hat." Das Kuratorium habe lange überlegt, wo die Grenze bei deutschen Firmen zu ziehen sei, und sei "zu dem Schluss gekommen, dass die Grenze in der Tat bei der Produktion von Zyklon B liegt."

Themen in diesem Artikel