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Kuratorium: Holocaust-Mahnmal wird mit Degussa weiter gebaut

Die Firma Degussa darf sich trotz ihrer Rolle im Nationalsozialismus weiter am Bau des Holocaust-Mahnmals beteiligen. Das teilte der Vorsitzende der Stiftung, Wolfgang Thierse, nach einer Sondersitzung des Kuratoriums mit.

Die Chemiefirma Degussa bleibt trotz ihrer Rolle im Nationalsozialismus am Bau des Holocaust-Mahnmals in Berlin beteiligt. Das entschied das Kuratorium der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas ohne formale Abstimmung. Auf dem Mahnmalgelände soll aber an die Beteiligung des Unternehmens am Holocaust erinnert werden, wie Bundestagspräsident Wolfgang Thierse als Vorsitzender des Kuratoriums sagte.

Mit der Entscheidung wird Degussa weiter das Anti-Graffiti-Mittel für die 2700 Betonstelen und Betonverflüssiger liefern. Ein bundesdeutsches Unternehmen wie Degussa dürfe nicht aus einem Projekt der Bundesrepublik ausgeschlossen werden, sagte Thierse. Ein Ausschluss von Degussa hätte zu erheblichen Mehrkosten geführt.

Ein Tochterunternehmen von Degussa hatte das Giftgas Zyklon B geliefert, mit dem Millionen Juden in den deutschen Vernichtungslagern ermordet wurden.

Lea Rosh erleichtert

Die Initiatorin des Holocaust-Mahnmals, Lea Rosh, zeigte sich nach der Entscheidung erleichtert und besorgt zugleich. Es sei wichtig, dass das Mahnmal gebaut werde, sagte sie und fügte hinzu: "Für mich ist die Vorstellung fürchterlich, dass jüdische Menschen und Nachkommen von Holocaust-Opfern nicht zu diesem Denkmal kommen. Ich hoffe, dass sich das verwächst." Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Alexander Brenner, der ebenso wie Rosh gegen den Weiterbau mit Degussa war, sagte: "Es wäre absurd, wenn man von der Beteiligung der Degussa den Bau abhängig gemacht hätte."