Nach der Rettungsaktion
Bekommen wir überhaupt mit, wenn der Wal stirbt?

Freilassung des Buckelwals
Der Buckelwal wurde am Samstagmorgen freigelassen
© News5 / Sebastian Peters / DPA

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Der Buckelwal ist frei – doch viel mehr ist nicht bekannt. Der ursprüngliche Plan der Retter geht nicht auf, womöglich bleibt das Schicksal des Wals für immer unklar.

Wochenlang hat das Schicksal des Buckelwals, der vor der Ostseeküste gestrandet war, die Menschen in Atem gehalten. Die gute Nachricht: Der Wal ist frei. Am Samstagmorgen gelangte er im Skagerrak vor Dänemark von einem Transportkahn aus ins Meer. Die schlechte Nachricht: Damit ist noch lange nicht garantiert, dass das Tier auch überlebt. Sein Schicksal bleibt zunächst weiterhin unklar.

Experte Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace schätzt die Überlebenschancen des Wals als „minimal“ ein. Die mehrfache Strandung würde deutlich dafür sprechen, dass er krank sei. Zudem dürfte er nach der langen Zeit, die er auf Grund lag, extrem geschwächt sein.

Wie aber würden Experten und die Öffentlichkeit davon mitbekommen, sollte der Wal in der offenen Nordsee verenden? Und würde man den Tod des Wals überhaupt bemerken?

GPS-Tracker am Buckelwal funktioniert nur teilweise

Um den Weg des Buckelwals weiterhin verfolgen und seinen Zustand überwachen zu können, hat ihn die private Rettungsinitiative mit einem GPS-Tracker ausgestattet. Dieser sollte die Ortsdaten übermitteln. Bislang geht der Plan jedoch nur bedingt auf. Der Peilsender liefere noch keine Daten, aus denen sich erkennen lasse, wo sich der Wal gerade befinde, sagte Constanze von der Meden, Sprecherin der Rettungsinitiative. Ob und in welche Richtung das Tier schwimmt, bleibt damit ungewiss.

Es sei nicht auszuschließen, dass der an dem Wal angebrachte Peilsender bei der Rettungsaktion beschädigt worden sei, sagte von der Meden. Tierärztin Kirsten Tönnies, die sich bei der Freilassung an Bord des Schiffs „Fortuna B“ befand, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Besatzung. Die Crew sei dabei zu grob vorgegangen, vor allem der erste, letztlich gescheiterte Entladeversuch sei „gegen die Natur“ des Wals verlaufen.

Doch auch wenn die Ortungsversuche vorerst keinen Aufschluss über die Position des Wals geben, bleibt laut der privaten Rettungsinitiative eine gute Nachricht: Generell könnten Daten empfangen werden – und das zeige, dass der Wal zumindest noch am Leben sei. Denn der Tracker sende nur, wenn der Buckelwal zum Atmen auftaucht. Das Gerät funktioniert lediglich über der Wasseroberfläche, nicht unter Wasser, hieß es.

Experten bleiben jedoch skeptisch. „Eine Rettung ist erst dann gegeben, wenn er über Tage oder Wochen ein normales Verhalten zeigt“, sagte der Meeresbiologe Fabian Ritter dem NDR. Zudem gibt es Zweifel an den Aussagen der Retter zu den Senderdaten: Ein GPS-Sensor könne keine Vitaldaten im medizinischen Sinne übermitteln, hieß es vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung. „Echte Vitalparameter würden spezielle Sensorik voraussetzen.“

Greenpeace-Experte Thilo Maack und Meeresbiologe Boris Culik erklärten ebenfalls, ein GPS-Tracker übermittle üblicherweise keine Vitaldaten. Offenbar wurde der Sender vor dem Freisetzen auch nicht getestet – das nennt Ritter eine „Fahrlässigkeit“.

Was passiert, wenn der Wal stirbt?

Die Mitglieder der privaten Rettungsinitiative hoffen weiterhin, dass auch der Empfang der Ortungsdaten funktioniert. Dann könnte man sich ein klareres Bild vom Zustand des Wals verschaffen. Sollte der Tracker gar keine Daten mehr senden, wäre das ein deutliches Zeichen dafür, dass der Meeressäuger nicht überlebt hat. 

Ansonsten könnte sein Tod wohl nur festgestellt werden, wenn der Kadaver angeschwemmt wird – zumindest wenn das Tier in Küstennähe unterwegs war. Sollte der Wal in tieferen Gewässern sterben, würde er wegen des Wasserdrucks wahrscheinlich nicht an die Wasseroberfläche hochtreiben.

Denkbar ist auch, dass der Buckelwal ein weiteres Mal strandet – dann wohl vor Dänemark. Auch dies würde wohl sein Ende bedeuten. Die dänische Regierung hat bereits klargemacht, dass man gestrandete Wale prinzipiell nicht rette.

Quellen: NDR, „Bild“, Nachrichtenagenturen DPA und AFP

epp

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