Busunglück Die Suche nach der Unfallursache


Die Freude auf ein Wochenende in Paris hat für 46 junge Leute aus Deutschland ein tragisches Ende genommen. Über die Ursache des Unglücks gibt noch keine gesicherten Erkenntnisse.

Die Freude auf ein Wochenende in Paris hat für 46 junge Leute aus Deutschland ein tragisches Ende genommen: Ihr Reisebus prallte am Samstagmorgen unweit der belgisch-französischen Grenze gegen eine Fahrbahnbegrenzung aus Beton und ging in Flammen auf. Elf Menschen, unter ihnen der Fahrer des Reisebusses, kamen ums Leben; 36 weitere Fahrgäste sowie der Ersatzfahrer wurden verletzt. Über die Ursache des Unglücks gab es bis Sonntag keine gesicherten Erkenntnisse.

Stolpe geht von menschlichem Versagen aus

Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe äußerte am Unglücksort die Vermutung, die Ursache des Unfalls sei menschliches Versagen gewesen. Einen neuen Gesetzesvorstoß zu den Lenkzeiten von Busfahrern lehnte er jedoch ab: "Ich glaube, dass mit Regelungswut und weiteren Paragrafen, die wir ja schon geschaffen haben, das Problem alleine nicht zu lösen ist." Stolpe bezog sich auf eine am Freitag vom Bundestag auf den Weg gebrachte Verordnung. Eine Neuregelung der Lenkzeiten ist darin allerdings nicht vorgesehen. Auch der belgische Innenminister Patrick Dewael und Kronprinz Philip eilten zur Unglücksstelle.

Verkettung unglücklicher Umstände

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) sprach am Sonntag von einer Verkettung unglücklicher Umstände. "Es könnte sein, dass der heftige Aufprall, der die beiden fast vollen Tanks aufriss, auch Teile der Zentralelektrik unter dem Boden des Fahrgastraums zusammendrückte", erklärte AvD-Sprecher Johannes Hübner. Der dabei entstehende Kurzschluss mit Funkenschlag könnte in Verbindung mit den großen Benzinmengen zur schlagartigen Brandentwicklung beigetragen haben.

Der Bus war am Freitagnachmittag in München gestartet und hatte in Stuttgart, Frankfurt am Main und Köln weitere Fahrgäste aufgenommen. Das Unglück ereignete sich gegen 05.00 Uhr auf der Autobahn E19 Brüssel-Paris. Offenbar waren auch in Deutschland lebende Ausländer unter den Todesopfern, die teilweise bis zur Unkenntlichkeit verbrannten. Auch ein Amerikaner kam ums Leben, wie der Bürgermeister von Hensies, Eric Thiebaut, mitteilte. Unter den Verletzten sind vier Personen aus Russland, die noch am Samstag aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten. Die Nachrichtenagentur Belga berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, der zweite Fahrer habe von außen die hintere Tür geöffnet, um den Überlebenden das Aussteigen zu ermöglichen.

Kein technischer Defekt

Der Hamburger Reiseveranstalter Rainbow Tours zeigte sich bestürzt über das Unglück und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Es handle sich um den ersten Unfall dieses Ausmaßes in der 20-jährigen Geschichte des Unternehmens, teilte Geschäftsführer Mathias Kampmann mit. Ein technischer Defekt des Busses scheine nicht vorgelegen zu haben.

Nach Angaben des Busunternehmens Polster war das Unglücksfahrzeug, ein Cityliner der Marke Neoplan, erst eineinhalb Jahre alt. Er sei mit zwei bewährten Fahrern besetzt gewesen, betonte der Eigentümer des Unternehmens aus Gößweinstein, Rainer Polster. Für die Überlebenden sollte so schnell wie möglich ein Rücktransport organisiert werden.

dpa DPA

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