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Flugzeugabsturz im Iran Abschuss oder Unfall? Was Experten vermuten – und wie das Unglück aufgeklärt werden soll

Dieses Video soll den Absturz der "Ukraine International Airlines"-Maschine im Iran zeigen.
Die Boeing 737-800 war am Morgen des 08. Januars 2020 acht Minuten nach dem Start in Teheran abgestürzt.
168 Passagiere und neue Besatzungsmitglieder kommen dabei ums Leben.
Ziel der Maschine war die ukrainische Hauptstadt Kiew.
Experten rätseln derzeit über die Absturzursache.
Doch bis zur Auswertung des Flugschreibers und Voice Recorders bleibt jede These reine Spekulation.
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Flugzeug, Ukraine und Absturz – seit der Katastrophe von MH17 assoziieren die meisten unbewusst auch Abschuss. Doch die Suche nach der Unglückursache erfordert Zeit. Spekulationen helfen da wenig.

Vor mehr als fünf Jahren ereignete sich der Abschuss einer Boeing 777 von Malaysia Airlines über der Ostukraine. Die Bilder von den Wrackresten auf den Feldern in dem umkämpften Krisengebiet gingen um die Welt. Eine aus Russland stammende Flugabwehrrakete hatte am 17. Juli 2014 die Linienmaschine des Fluges mit dem Kürzel MH17 abgeschossen. 298 Menschen fanden den Tod.

Am Mittwoch stürzte eine Boeing der Fluggesellschaft Ukraine International kurz nach dem Start in Teheran ab. Wieder gab es Bilder, die Trümmer weit verbreitet auf einem offenen Feld zeigen. War das Flugzeug schon vor dem Aufprall auf dem Boden explodiert?

Da sich das Unglück in einer ebenfalls spannungsreichen Region und zu einem Zeitpunkt ereignete, als Raketen vom Iran in Richtung Irak flogen, wird als eine mögliche Ursache auch ein Abschuss durch ein Geschoss von einzelnen Personen in Erwägung gezogen.

Die unbewusst gezogene Parallele zu den beiden Flugzeugunglücken lässt viel Raum für Verschwörungstheorien, die im Internet kursieren. Selbst in Medien wie in der "New York Times" melden sich Fachleute zu Wort, die einen Angriff auf die Boeing 737-800 der Ukrainer für möglich halten. Laut Peter Goelz, ehemaliger Direktor des National Transportation Safety Board in den Vereinigten Staaten, sollten die Ermittler diese Möglichkeit "ganz oben auf ihrer Agenda" haben, heißt es in der Zeitung.

Das Seitenruder der im Iran abgestürzten Boeing 737-800 von Ukraine International Airlines
Das Seitenruder der im Iran abgestürzten Boeing 737-800 von Ukraine International Airlines
© Akbar Tavakoli/IRNA / AFP

Für Jeff Guzzetti, Präsident der Firma Guzzetti Aviation Risk Discovery (GuARD), trägt der Flugzeugabsturz "alle Kennzeichen einer vorsätzlichen Handlung", wie er in der "Washington Post" zitiert wird. "Ich weiß nur, dass Flugzeuge nicht so auseinanderbrechen." Damit widersprechen beide Amerikaner der von den iranischen Behörden seit gestern immer wiederholten These, das Flugzeug habe "technische Schwierigkeiten" gehabt.

Selenskyj warnt auf Facebook

Zum jetzigen Zeitpunkt sind alle Vermutungen über die Absturzursache reine Spekulation. Selbst der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte gestern auf Facebook: "Ich bitte alle sehr, von Spekulationen und der Verbreitung ungeprüfter Versionen zur Katastrophe bis zur Veröffentlichung offizieller Informationen Abstand zu nehmen."

Entscheidend für die Ermittlungen der Unfallursache sind die Auswertungen des Flugschreibers und des Voice Recorders im Cockpit. Nach Angaben der iranischen Staatsanwaltschaft wurden die beiden so genannten Blackboxen bereits gefunden.

Das Chicagoer Abkommen von 1944 regelt deren Analyse: Für die Ermittlungen ist derjenige Staat zuständig, in dem sich das Unglück ereignet hat - also der Iran.

Die Länder, in denen der Flugzeughersteller sowie die betroffene Airline ihren Sitz haben, dürfen Vertreter entsenden. Die iranische Luftfahrtbehörde kündigte laut Medienberichten an, dass sie nach gründlichen Untersuchungen die Blackboxen der Ukraine übergeben werde.

Wann es zu einer Übergabe kommt, ist derzeit noch völlig offen. Es ist anzunehmen, dass die Ukrainer später auch mit Unfallermittlern der europäischen Luftfahrtbehörden und mit der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB zusammenarbeiten werden.

Frist von 30 Tagen

Unfalluntersuchungen benötigen viel Zeit, mitunter Jahre. Denn die in den Flugschreibern gesammelten Daten werden unter anderem im Simulator eingelesen, um die letzten Flugminuten genauer nachzuvollziehen.

Nach den internationalen Vereinbarungen muss ein erster Untersuchungsbericht innerhalb von 30 Tagen nach einem Unglück vorliegen. Spätestens dann gibt es gesicherte Erkenntnisse.

"Das Wichtigste ist es erstmal, den Datenschreiber und die Aufzeichnungen von den im Cockpit gesprochenen und gehörten Dingen zu bergen und auszuwerten", sagte am Mittwoch der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg in der "Tagesschau". "Das kann man nicht per Hellsehertum machen. Und Regierungen sollen auch nicht festlegen, was sie gerne als Unfallursache hätten."

Quellen: www.washingtonpost.com und www.nytimes.com

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