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Von China nach Taiwan Berichte: Mann befährt in Gummiboot unentdeckt einen der am strengsten überwachten Seewege der Welt

Fregatten der taiwanesischen Marine
Die Taiwanstraße wird von der chinesischen und taiwanesischen Marine streng überwacht (Symbolbild)
© Taiwan Military News Agency / Hand / Picture Alliance
Die Taiwanstraße gilt als eine der am strengsten überwachten Seewege der Welt. Dennoch soll einem Chinesen die Überfahrt ungesehen gelungen sein – in einem kleinen Motorboot. Nun untersuchen Behörden, wie das überhaupt möglich sein konnte.

Die Meerenge zwischen dem chinesischen Festland und dem Inselstaat Taiwan gilt als eine der am strengsten bewachten Seestraßen der Welt. Einem mitte-30-jährigen Chinesen soll dennoch die Überfahrt mit einem kleinen Gummiboot gelungen sein. Der örtlichen Polizei habe er erklärt, dass er die beschwerliche Reise für "Freiheit und Demokratie" gewagt habe.

Mann drohen bis drei Jahre Haft

Die 160 Kilometer von der chinesischen Hafenstadt Quanzhou nach Taiwan habe der Mann eigenen Angaben zufolge in einem kleinen Dinghi zurückgelegt. Mehr als zehn Stunden habe die Überfahrt gedauert. Das 2,6 mal 1,5 Meter große Schlauchboot habe er im Internet gekauft und mit einem Außenbordmotor ausgestattet. Abgesehen von knapp 90 Litern Treibstoff habe er nichts auf seine Reise mitgenommen. Die Geschichte sei erst ans Licht gekommen, nachdem der Mann am späten Freitagabend im Hafen der taiwanesischen Millionenstadt Taichung herumgeirrt sei. Laut "Taiwan News" trug er, als Polizeibeamte ihn ansprachen, nur eine leichte Jacke, ein Paar Shorts – und keine Schuhe.

Die illegale Einreise könnte nun ernste Konsequenzen haben: Ihm sollen bis zu drei Jahre Haft und eine Geldstrafe von umgerechnet knapp 2.700 Euro drohen. Zurzeit sei er inhaftiert und befinde sich in zweiwöchiger Corona-Quarantäne.

Boot wahrscheinlich zu klein für Radar

Noch sei unklar, wie der Chinese ungeachtet der zahlreichen Patrouillen die Meerenge unbemerkt durchqueren konnte. Laut "Washington Post" erkennt das Radar der taiwanesischen Küstenwache Bewegungen zwölf nautische Meilen vor der Küste. "Es gibt keine blinden Flecken, aber wir schließen die Möglichkeit nicht aus, dass [er] von den Frachtschiffen und anderen größeren Schiffen versteckt wurde," sagte ein Küstenwachen-Direktor der Zeitung am Montag.

Verteidigungsminister Chiu Kuo-cheng vermutete laut dem britischen "Guardian", dass das Boot zu klein gewesen sei, als dass Militärradare es hätten ausmachen können. Einem Abgeordneten der Regierungspartei zufolge seien die Bedingungen für eine solche Überfahrt im Herbst und im Frühjahr günstiger. Kleinere Schiffe unter drei Metern würden bei der Überwachung als "allgemeiner Lärm herausgefiltert". Ein hochrangiger Marineoffizier zweifelte laut "BBC" am Wahrheitsgehalt der Geschichte – so habe der Mann eigentlich nicht ausreichend Treibstoff für die Strecke mitgeführt.

China und Taiwan: eine angespannte Lage

Überfahrtversuche von Flüchtlingen durch die Taiwanstraße kommen äußert selten vor. Neben zahlreichen Patrouillenschiffen macht auch unberechenbares Wetter die Fahrt höchst riskant. Laut "BBC" wurden im August 2020 zwölf Demonstranten aus Hongkong auf ihrer Flucht per Schnellboot auf offener See festgenommen. Zwischen 2008 und 2020, so die "Washington Post" wurden mehr als 400 Chinesen festgenommen, die illegal in Taiwan eingereist waren.

Die Meerenge wird sowohl von der chinesischen als auch von der taiwanesischen Marine streng kontrolliert. Die Taiwanstraße hat in den letzten Jahren zunehmend an strategischer Bedeutung gewonnen. China, das den souveränen Nachbarstaat als seine Provinz betrachtet, hat in den vergangenen Monaten wiederholt militärische Luft- und Seeübungen in dessen unmittelbarer Umgebung durchgeführt. Laut "Guardian" hat Taiwan seine Rüstungsausgaben und Waffeneinkäufe in den USA erhöht und um internationale Unterstützung gebeten.

Quellen: "Washington Post"; "BBC"; "The Guardian"; "ABC News"; "Taiwan News"
yks

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