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CT-Untersuchung Diepholzer Dachboden-Mumie enthält Skelett


Als ein Junge auf einem Dachboden in Niedersachsen eine Mumie entdeckte, dachten viele, das müsse eine Fälschung sein. Eine Untersuchung zeigt nun: In den Bandagen könnte eine Leiche stecken.

Wie die ägyptisch anmutende Mumie nach Diepholz kam, schien bisher klar: Lutz Wolfgang Kettler erinnert sich, dass sein Vater die Kisten während einer Reise nach Nordafrika in den 50er Jahren erworben hatte und per Schiff nach Deutschland bringen ließ. "Es ist ganz unstrittig, dass es Repliken sind, das steht außer Frage", sagte Kettler kurz nach dem Dachbodenfund seines zehnjährigen Sohnes Anfang August.

Doch daran dürfte Kettler inzwischen so seine Zweifel haben. Eine Untersuchung der Mumie am vergangener Donnerstag ergab, so berichtet die in Syke erscheinende "Kreiszeitung", dass die vermeintlich gefälschte Mumie tatsächlich Knochen und einen Schädel enthält.

Pfeilspitze in einer Augenhöhle

Doch das Bild der Knochen erschien auf den Bildern des Computertomographen (CT) verschwommen. "Sie müssen mit etwas getränkt sein, das Metall enthält", sagte der Radiologe des Diepholzer Krankenhauses, Dieter E. Wistuba, der "Kreiszeitung". Denkbar ist allerdings auch, dass die Knochen in Metallfolie eingewickelt sind. Schon zuvor hatte die Untersuchung durch einen Berliner Archäologen laut "Spiegel Online" ergeben, dass das Verbandmaterial der Mumie aus maschineller Produktion stammt - und somit aus dem 20. Jahrhundert. Auch Sarg und Beigaben sind wohl Repliken.

Der Schädel zeichnete sich laut "Kreiszeitung" klar auf den Bildern des CT ab: er trägt eine Art Stirnband, in seiner linken Augenhöhle steckt eine Pfeilspitze. Der Kiefer ist heruntergeklappt. Die Halswirbelsäule des Skelettes fehlt. Die Knochen sind eng zusammengedrückt. Fixiert ist die Mumie auf ein Brett, auf dessen Rückseite Hieroglyphen zu erkennen sind.

Eine Frage des Todeszeitpunktes

Kettler will laut "Kreiszeitung" künftig pietätvoller mit der Mumie umgehen. Doch so ganz überzeugt ist er noch nicht, dass es sich nicht doch um eine Puppe handelt: "Es könnte ja auch sein, dass jemand irgendwelches Material so präpariert hat, dass es im Röntgenbild als Knochen erscheint", sagte er der Zeitung.

Bisher ist das Skelett für die Polizei noch kein Fall: Die Polizei habe noch keine Ermittlungen aufgenommen, sagte Polizeisprecher Frank Bavendiek. "Wir warten ab, bis wir wissen, wie alt die Knochen sind. Wenn sie mehrere hundert Jahre alt sind, bleibt es eine Mumie und es wird nicht ermittelt." Sollte sich herausstellen, dass die Knochen aus jüngerer Zeit sind und möglicherweise ein Mord dahinter steckt, sehe sie Sache anders aus: "Mord verjährt nicht." Die Staatsanwaltschaft sei informiert.

Die Staatsanwaltschaft werde grundsätzlich erst dann aktiv, wenn die Polizei wegen eines Leichenfundes ermittelt, sagte Verdener Oberstaatsanwalt Jann Scheerer der "Kreiszeitung". "Würde aber festgestellt werden, dass der Todeszeitpunkt zum Beispiel 3000 Jahre zurückliegt, würde der Fall gleich wieder geschlossen werden." Das Alter der Knochen soll nun eine forensische Untersuchung klären.

Thomas Krause mit DPA

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