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Drei Tote bei Eigentümerversammlung: Dossenheim steht nach Amoklauf unter Schock

Polizei, Scharfschützen, Hubschrauber: Einen solchen Einsatz hat der Ort bei Heidelberg noch nicht erlebt. Ein Mann hatte in einer Gaststätte zwei Menschen und sich selbst getötet. Aber warum?

Um 18.51 Uhr findet am Dienstag ein idyllischer Sommertag im nordbadischen Dossenheim (Rhein-Neckar-Kreis) bei Heidelberg ein abruptes Ende. Denn mehrere Anrufer melden beim Polizeinotruf, dass es in der Vereinsgaststätte der TSG Germania 1899 eine Schießerei gegeben habe. Wenige Minuten später beginnt ein Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften, den die kleine Gemeinde noch nicht erlebt hat.

"Überall war Polizei, Scharfschützen lagen auf Hallendächern und ein Hubschrauber kreiste über dem Sportgelände", berichtet der 24-jährige Auszubildende Björn Merkle, der wenige Meter vom Tatort entfernt wohnt und das Geschehen mit seinem Handy dokumentierte. Der Einheimische chattete gerade mit Freunden, als er auf der Straße panisch schreiende Menschen sah. Offenbar ist zu diesem Zeitpunkt völlig unklar, ob der Täter noch lebt und mit seiner Waffe frei umherläuft. Auch deshalb sperrt die Polizei das Gelände weiträumig ab. Schaulustige werden auf Abstand gehalten.

"Der Täter stürmte nach den Schüssen die Treppe herunter"

Schon kurz nach der Schießerei ist TSG-Vereinspräsident Willi Ortlipp am Tatort. "Bei einer Versammlung einer Hausverwaltungsgesellschaft hat ein etwa 70-jähriger Mann um sich geschossen", sagt Ortlipp, der vom Wirt der Gaststätte über das Geschehen informiert wurde. Offenbar sei der Mann bei dem Treffen von acht bis zehn Wohnungseigentümern in einem Nebenzimmer im Obergeschoss des Raumes verwiesen worden. Wenige Minuten später sei er mit einer Waffe zurückgekommen und habe geschossen, berichtet Ortlipp.

"Der Täter stürmte nach den Schüssen aus dem Nebenzimmer die Treppe herunter. Dort begegnete er einem Kellner, dem er sagte 'Dir mache ich nichts'. Im Foyer richtete er sich selbst", schildert Ortlipp das weitere Geschehen. Wenige Minuten später ist klar: In der Gaststätte liegen drei Tote. Außerdem gibt es fünf Verletzte, eine schwer verletzte Person muss wenig später in ein Spezial-Krankenhaus geflogen werden. Von den Schüssen aufgeschreckte Vereinsmitglieder leisten sofort Erste Hilfe und eilen mit Handtüchern herbei. "In den Armen einer Frau ist eines der Opfer verstorben", sagt Ortlipp.

Besonders schlimm ist für ihn, dass durch einen Querschläger eine unbeteiligte Frau einen Streifschuss am Kopf abbekam. "Sie saß mit ihrem Mann und zwei Kindern auf der Clubhaus-Terrasse beim Essen", berichtet der 62-Jährige. "Ich fühle mich ganz mies und schlecht", fügt Ortlipp hinzu. Insgesamt seien etwa 50 Menschen zum Tatzeitpunkt auf dem Vereinsgelände gewesen, unter ihnen etwa zehn Kinder.

"Das ist alles sehr schockierend"

Bestürzt ist auch ein Immobilienmakler, der noch bei einsetzender Dunkelheit an einer Polizeiabsperrung steht. "Meine Schwiegermutter ist regelmäßig in der Gaststätte. Ich habe sie gleich angerufen. Zum Glück war sie zu Hause. Das ist alles sehr schockierend", sagt der Mann. Eine Bürokauffrau ist ebenfalls betroffen. "In der Gaststätte bin ich öfters. Ich hoffe, dass niemand dabei ist, den ich kenne".

Weniger auskunftsfreudig ist dagegen die Polizei. Ihr Sprecher Dieter Klumpp bestätigt nur, dass es sich bei den Toten um drei Männer handle. Darunter sei auch der mutmaßliche Täter. Bestätigt wird lediglich, dass bei einem Streit einer Eigentümerversammlung der spätere Täter des Raumes verwiesen wurde, mit einer Pistole zurückkam und das Feuer eröffnete.

mad/Christian Jung/DPA / DPA