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Erdbeben im Iran: Der Retter bergen nur Leichen

Nach dem schweren Erdbeben im Südosten Irans sinkt die Hoffnung, in den Trümmern noch Überlebende zu finden.

Nach dem schweren Erdbeben im Südosten Irans sinkt die Hoffnung, in den Trümmern noch Überlebende zu finden. Der Gouverneur der Provinz Kerman korrigierte unterdessen in der Nacht zum Sonntag die Opferzahlen nach unten. "Wir gehen davon aus, dass das Beben in Bam zwischen 5.000 bis 10.000 Menschenleben gefordert hat", sagte Mohammad-Ali Karimi. Der iranische Präsident Mohammed Chatami will die Krisenregion in den nächsten Tagen besuchen. Er bezeichnete das Beben als "nationale Tragödie".

Opferzahl nach unten korrigiert

Am Samstag hatte das Innenministerium von 20.000 Toten und 30.000 Verletzten gesprochen. Je nach Stand der Bergungsarbeiten will das Ministerium möglicherweise am Sonntag oder Montag Opferzahlen veröffentlichen. Bei dem Erdbeben der Stärke 6,3 auf der Richterskala war am Freitagmorgen die Stadt Bam an der Seidenstraße, die rund 100.000 Einwohner hatte, fast völlig zerstört worden.

Bislang nur Leichen geborgen

In einem Wettlauf mit der Zeit suchten Helfer und Angehörige teilweise mit bloßen Händen nach Verschütteten. Bei eisiger Kälte in 1.000 Metern Höhe schwanden die Chancen jedoch zusehends. Noch geben die Retter aber nicht auf, wie der Sprecher des Technischen Hilfswerks (THW), Nicolas Hefner, betonte. Bislang hätten die Helfer nur Leichen bergen können, obwohl es in den Trümmern 36 "Lebendortungen" gab. "Es geht auch darum, den Menschen Hoffnung zu geben und Beistand zu leisten", sagte Hefner. In der Regel können bis zu 72 Stunden nach einem Erdbeben noch Überlebende geborgen werden - also theoretisch bis Montagmorgen.

Kaum Hoffnung für Verschüttete

Obwohl die Koordination zwischen den Rettungskräften sich am Samstag im Vergleich zum Vortag erheblich verbessert habe, werde den Verschütteten kaum noch zu helfen sein, berichtete das staatliche Fernsehen IRIB. Der Sender kritisierte für Beobachter überraschend deutlich das Krisenmanagement der Behörden. Die Menschen in Bam waren bis Samstag mit der Betreuung höchst unzufrieden.

Internationale Hilfe angelaufen

Die internationale Hilfe läuft. Aus Deutschland waren mehr als 50 Erdbeben-Spezialisten mit 15 Rettungshunden im Einsatz; auch Helfer unter anderem aus Österreich, Großbritannien, China, Tschechien und Polen beteiligten sich. Benötigt werden vor allem Zelte, Decken, Stromgeneratoren und Heizgeräte. Am Sonntagmorgen startete eine Maschine mit 33 Tonnen Hilfsgütern an Bord von Frankfurt-Hahn nach Iran. Auf dem kleinen Flugplatz von Bam trafen zahlreiche Flugzeuge mit Hilfsgütern aus vielen Ländern ein. Über 10.000 Verletzte wurden mit 500 Inlandsflügen zur ärztlichen Versorgung nach Teheran, Shiraz, Mashad and Bandar Abbas gebracht.

Soforthilfe aufgestockt

Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften brachte auf Bitten Irans 20.000 Zelte, 200.000 Decken, 30 Stromgeneratoren und 20.000 Kerosin-Heizgeräte auf den Weg ins Erdbebengebiet. Nach einer ersten Begutachtung der Schäden geht die Föderation davon aus, dass längerfristige Hilfe notwendig sein wird. Die Gesamtkosten seien noch nicht abzuschätzen, hieß es in Genf. Die deutschen Hilfseinsätze werden vom Auswärtigen Amt koordiniert, das zunächst 500.000 Euro bereitstellte. Die Europäische Union stockte ihre Soforthilfe noch am Samstag von 800.000 auf 2,3 Millionen Euro auf.

Präsident Chatami hatte, anders als bei früheren Beben, rasch internationalen Beistand akzeptiert und außerdem die Visa- Bestimmungen erleichtert. Er deutete sogar an, dass er die von den USA angebotene Hilfe akzeptieren könnte. Nicht annehmen werde Iran jedoch Unterstützung aus Israel, betonte Chatami.

dpa / DPA