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Geldwäsche und Steuerhinterziehung Ermittler an Bord der Luxusjacht "Dilbar": Durchsuchung bei russischem Milliardär

Jacht "Dilbar" von Alischer Usmanow
Die Luxusjacht "Dilbar" liegt an der Lürssen-Werft in Lemwerder gegenüber des Bremer Stadtteils Vegesack.
© Sina Schuldt / Picture Alliance
Er selbst bezeichnet sich als "zuverlässigen Steuerzahler", Behörden vermuten das Gegenteil. Im Zuge von Ermittlungen gegen den russischen Oligarchen Alisher Usmanow fand kürzlich eine Durchsuchung seiner Jacht statt. Und das ist noch nicht alles.

Die "Dilbar" ist für ihren Eigner Alisher Usmanow ein 155 Meter langer Beweis, dass er es geschafft hat. Die größte Motoryacht der Welt (nach Tonnage) sollte in den prachtvollen Jachthäfen dieser Welt zeigen, was Usmanow aus dem Nichts aufgebaut hat. Doch vieles deutet inzwischen darauf hin, dass der Milliardär sein Vermögen nicht ganz sauber angehäuft hat und verwaltet. Das veranlasst die deutschen Behörden nun zur Jagd nach Beweisen dafür.

Am Dienstagmorgen befassten sich daher nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main 60 Beamte mit der Durchsuchung seiner Jacht. Diese lag fast ein Jahr lang im Hamburger Hafen, ehe sie kürzlich über Nacht von Hamburg nach Bremen gezogen wurde, um eines der wenigen Trockendocks vom "Blohm+Voss" in der Hansestadt zu räumen. 

Auch Villen am Tegernsee durchsucht

Die Durchsuchung des Schiffes ist nur eines von vielen Verfahren, die Usmanow derzeit in Abwesenheit erdulden muss. Der sanktionierte Oligarch besitzt in Deutschland gleich mehrere Anwesen am Tegernsee, die in der vergangenen Woche ebenfalls durchsucht worden waren.

Ziel der Behörden ist es, Beweise für Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz, Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu finden. Das dient wohl auch der Erweiterung von Möglichkeiten, was mit den Vermögenswerten des Milliardärs passieren darf. Denn das deutsche Sanktionsrecht erlaubt es zwar, Besitztümer einzufrieren, darüber hinaus darf damit aber nichts geschehen.

Das ist nicht nur ineffektiv, sondern auch teuer – besonders im Fall der "Dilbar". Denn das Sanktionsrecht sieht auch vor, dass eingefrorene Güter instand gehalten werden müssen und bei ihrer Rückgabe keine wertmindernden Spuren aufweisen dürfen. Bei einer Jacht in den Ausmaßen der "Dilbar" bedeutet das irrsinnige finanzielle Verpflichtungen, die der Staat sich aufhalst.

Ein "gesetzestreuer und sorgfältiger" Steuerzahler 

Wie auch der russische Oligarch Andrei Melnitschenko schickt Usmanow zur Verteidigung seinen Sprecher vor. Der "Spiegel" berichtet, er habe Usmanow als "gesetzestreuen und sorgfältigen" Steuerzahler bezeichnet und die Vorwürfe "entschieden zurückgewiesen". Diese seien "haltlos, falsch und ehrenrührig". Letztlich handelt es sich bei diesen Aussagen um plumpe Wiederholungen. 

Schon Anfang März ließ Usmanow über den Welt-Fecht-Verband FIE verlauten: "Ich bin der Meinung, dass diese Entscheidung (die Sanktionen, sein Rücktritt, Anm. d. Red.) ungerecht ist und die Gründe, die zur Rechtfertigung der Sanktionen angeführt werden, eine Reihe von falschen und verleumderischen Behauptungen sind, die meine Ehre, meine Würde und meinen geschäftlichen Ruf schädigen."

Unterdessen kommen erste Ergebnisse der Durchsuchungen seiner Villen ans Licht. Der "Bayerische Rundfunk" berichtet, dass dort "Millionenwerte aufbewahrt" wurden, die Usmanow nicht angezeigt habe. So fanden die Ermittler mehrere Gemälde, eine umfangreiche Weinsammlung und vier Fabergé-Eier, deren Echtheit man nun prüfen wolle. Zur Erinnerung: Ein solches Ei kostet zweistellige Millionenbeträge.

Auch das dementiert der Sprecher des Oligarchen. Die Eier seien Souvenirs, Schmuckstücke hätten sich nicht in den Häusern befunden. Auch für die Besitzverhältnisse der Häuser gibt es eine Erklärung: Das seien Villen in der Hand einer Familienstiftung, zu deren Begünstigten Alisher Usmanow selbst nicht zähle. Eine ähnliche Geschichte gibt es auch zur "Dilbar", denn auch die Jacht gehört dem Milliardär nicht selbst – sondern zeitweise seiner Schwester, auch über eine Stiftung.

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Eine halbe Milliarde Euro Steuerschulden

Für die Ermittler gibt es indes viel zu tun. Wie der "Spiegel" berichtet, soll Usmanow seit 2014 mehr als 555 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben, von Banken lägen derzeit fast 100 Geldwäscheverdachtsanzeigen vor.

Usmanow gilt als Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen Ukraine-Politik. Der Europäische Gerichtshof schrieb im Juli: "Alischer Usmanow ist ein kremlfreundlicher Oligarch, der besonders enge Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin hat. Er wurde als einer der Lieblingsoligarchen von Wladimir Putin bezeichnet. Er gilt als einer der offiziellen Geschäftsleute Russlands, der für die Verwaltung der Finanzströme zuständig ist, dessen Position jedoch vom Willen des Präsidenten abhängt."

Quellen: FIE, Spiegel, BR

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