Ermittlungen Friedman moderiert zunächst nicht weiter im TV


Der unter Drogenverdacht stehende Vize- Präsident des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, lässt seine Fernsehmoderationen vorerst ruhen. Außerdem hat er eine Haarprobe zur Untersuchung auf Drogenkonsum abgegeben.

Die Berliner Staatsanwaltschaft erwartet spätestens Mitte nächster Woche Aufschluss darüber, ob der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, illegale Drogen konsumiert hat.

Haarprobe wird auf Drogen untersucht

Justizsprecher Björn Retzlaff sagte, die Ergebnisse der Untersuchung dreier bei Friedman sicher gestellten "szenetypischen Tütchen" lägen möglicherweise schon am kommenden Montag vor. Mit den Resultaten einer Haaarprobe, die dem 47-jährigen Rechtsanwalt und Fernsehmoderator am Mittwoch genommen worden war, sei nach etwa einer Woche zu rechnen. Retzlaff hatte zunächst von einer mehrtägigen, möglicherweise sogar wochenlangen Dauer gesprochen. Friedmans Anwalt wollte sich sich nicht zu dem Tatvorwurf äußern. Der Zentralratspräsident Paul Spiegel erklärte, Friedman genieße nach wie vor sein Vertrauen.

Drei bei Friedman sicher gestellte "szenetypische Tütchen" seien "im Prinzip leer" gewesen, sagte Retzlaff. Die Rückstände eines weißen Pulvers müssten chemisch noch näher untersucht werden. Der Anfangsverdacht gegen Friedman wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz habe sich aus einem anderen Ermittlungsverfahren der Berliner Staatsanwaltschaft ergeben, in dem Friedman kein Beschuldigter sei. Einzelheiten zu diesem Verfahren nannte Retzlaff nicht.

Die Polizei hatte am Mittwoch auf Anordnung der Berliner Justiz die Anwaltskanzlei und Privaträume Friedmans in Frankfurt durchsucht. Neben den Tütchen, drei so genannten Verbrauchseinheiten, seien keine weiteren Funde gemacht worden, sagte Retzlaff. Bei der Durchsuchung sei auf Anordnung des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten auch eine Haarprobe genommen worden. Friedman habe das Haar freiwillig herausgegeben.

Zunächst äußert sich Friedman nicht

Friedman war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Sein Anwalt Eckart Hild sagte, er habe noch keine Akteneinsicht gehabt und könne daher nicht überprüfen, was Friedman vorgeworfen werde.

"Es gilt die Unschuldsvermutung"

Spiegel stellte sich hinter seinen Stellvertreter. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte Spiegel, die gegen Friedman erhobenen Vorwürfe stünden in keinem Zusammenhang mit dessen Arbeit als Zentralrats-Vize. "Das ist eine reine Privatangelegenheit. Die Ermittlungen stehen in keiner Verbindung mit den Funktionen im Zentralrat." Er habe weiterhin "das allergrößte Vertrauen in die hervorragende Arbeit meines Freundes und Stellvertreters", sagte Spiegel weiter. "Ich stehe zu 100 Prozent hinter ihm." Spiegel warnte zudem vor einer Vorverurteilung Friedmans. Es gelte für ihn wie für jeden Beschuldigten zunächst die Unschuldsvermutung. Vor weiteren Aussagen über dessen Rolle im Zentralrat müssten zunächst die Ergebnisse der Ermittlungen abgewartet werden.

Das 47-jährige CDU-Mitglied Friedman ist in Frankfurt als Rechtsanwalt und Fernsehmoderator tätig. Seit 1990 ist er Mitglied im Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland. Im Jahr 2000 wurde er zu einem der stellvertretenden Präsidenten gewählt.

Moderatorentätigkeit zunächst unterbrochen

Friedman habe den Intendanten des Hessischen Rundfunks (hr), Helmut Reitze, gebeten, ihn bis zur Klärung der Vorwürfe von seinen Aufgaben als Moderator zu entbinden, teilte der Sender mit. Über seinen Anwalt ließ Friedman laut hr erklären: "Zur Sache kann ich mich erst nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft äußern, sobald die Ermittlungen abgeschlossen sein werden."

Reitze habe dem Wunsch Friedmans zugestimmt, erklärte der Sender. Der hr respektiere Friedmans Entschluss. Die noch vor der Sommerpause geplanten drei Ausgaben von "Vorsicht! Friedman" im hr-Fernsehen sowie eine Folge in der ARD entfielen. "Damit ist aber noch keine Vorentscheidung über die Zukunft der beiden Sendereihen gefallen", betonte Reitze.

DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker