HOME

Fakten zum Absturz: Die neusten Erkenntnisse zur Germanwings-Katastrophe

Der Germanwings-Flug 4U9525 sank im Gleitflug, bevor er in den französischen Alpen zerschellte. 150 Menschen sind gestorben. Wie kam es zu dem Unglück? Was wir bislang wissen.

Einsatzkräfte haben an der Absturzstelle des Germanwings-Airbus am Nachmittag die ersten Leichen geborgen. Zugleich ging die Suche nach dem zweiten Flugschreiber in dem Trümmerfeld weiter.

Einsatzkräfte haben an der Absturzstelle des Germanwings-Airbus am Nachmittag die ersten Leichen geborgen. Zugleich ging die Suche nach dem zweiten Flugschreiber in dem Trümmerfeld weiter.

Für den Airbus-Absturz in den französischen Alpen fehlt nach der Katastrophe mit 150 Toten noch jede schlüssige Erklärung. Es wird viel spekuliert, Theorien werden aufgestellt. Doch es gibt auch Fakten, die eindeutig sind.

Die Erkenntnisse zum Absturz im Überblick:

Auswertung der Black Box

Eine der beiden Blackboxen wurde gefunden. Dabei handelt es sich um den Stimmenrekorder, der die Unterhaltung im Cockpit aufzeichnet. Die zweite Blackbox, der Flugschreiber, ist noch nicht vollständig gefunden worden und kann derzeit nicht analysiert werden. Die Suche danach läuft. Die französische Luftfahrbehörde BEA bestätigte, dass sich auf dem Stimmenrekorder verwertbares Stimmmaterial befindet. Offizielle Erkenntnisse gibt es noch nicht.

Die Nachrichtenagentur AFP und die "New York Times" berichten in der Nacht zu Donnerstag allerdings übereinstimmend, dass einer der beiden Piloten kurz vor dem Absturz aus dem Cockpit ausgesperrt gewesen sein soll. Der Pilot soll später versucht haben, die Tür zum Cockpit von außen einzutreten. Das ginge aus der Analyse des Stimmrekorders hervor.

Bergung der Opfer

Einen Tag nach dem Absturz haben Rettungskräfte die ersten Opfer geborgen. Sterbliche Überreste der getöteten Menschen seien am späten Mittwochnachmittag von der Unglücksstelle weggebracht worden, sagte ein Sprecher der Polizei in Digne. Der Sprecher ließ offen, wie viele Leichen geborgen wurden. Die Suche nach den Getöteten war am Abend mit Einbruch der Dunkelheit eingestellt worden und soll am heutigen Donnerstag weitergehen. Um die Opfer identifizieren zu können, steht für die Angehörigen noch ein weiterer unangenehmer Teil bevor: Sie müssen DNA-Proben abgeben.

Die Unglücksstelle in den französischen Alpen, ein Tal bei Seyne-les-Alpes, ist nur per Hubschrauber oder per Fuß zugänglich. Der Einsatz in dem etwa drei Fußballfelder großen, felsigem Gebiet ist schwierig.

72 Opfer aus Deutschland

Nach Angaben von Germanwings-Chef Thomas Winkelmann waren 72 Bundesbürger an Bord der Unglücksmaschine. Aus Spanien stammten nach Angaben aus Regierungskreisen in Madrid 51 Opfer. Weitere Passagiere kamen wohl aus Australien, Argentinien, Iran, Venezuela, den USA, Großbritannien, Niederlande, Kolumbien, Mexiko, Japan, Dänemark, Belgien und Israel.

Noch sind nicht bei allen Opfern die Nationalitäten geklärt. "Es gibt immer noch einige Fälle, in denen die Staatsangehörigkeit noch nicht bestätigt werden konnte", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Betreuung der Angehörigen

Die Lufthansa will am heutigen Donnerstag Angehörige und Freunde der deutschen und der spanischen Opfer mit Sonderflügen nach Marseille bringen, sagte Lufthansa-Chef Spohr in Barcelona. Einige Angehörige kamen schon in der Region an. Abgeschirmt von der Presse wurden sie psychologisch betreut, im Sportzentrum von Seyne-les-Alpes wurde für sie eigens ein Ort der Stille und der Trauer eingerichtet.

Zudem sind mehrere Krisentelefone eingerichtet:Germanwings: 0800 1133 5577
Auswärtiges Amt: 030 5000 3000
Flughafen Düsseldorf: 0800 776 6350

Der Katastrophen-Flug

Der Airbus A320 der Lufthansa-Tochtergesellschaft Germanwings mit 144 Passagieren und 6 Crewmitgliedern an Bord war von Barcelona nach Düsseldorf unterwegs. Mit 26 Minuten Verspätung startete die Maschine in Barcelona, erreichte um 10.45 Uhr die reguläre Flughöhe. Nur eine Minute später geriet der Airbus bei gutem Wetter über den französischen Alpen in einen minutenlangen Sinkflug. Dem Online-Dienst Flightradar24 zufolge sank die Maschine dabei mit einer Geschwindigkeit von 3000 bis 4000 Fuß - etwa 900 bis 1200 Meter - pro Minute, vergleichbar mit einem Landeanflug.

Ein 3D-Bild der US-Web-Site Flight Aware, das auf der Auswertung vorliegender Daten beruht, zeigt die Absturz-Bahn von Flug 4U 9592.

stb/feh/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters