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Hoher Quecksilbergehalt Fischsterben in der Oder: Erste Hinweise auf hochgiftigen Stoff

Rätselhaftes Fischsterben an der Oder
Sehen Sie im Video: "Wahrscheinlich giftige Substanzen in die Oder geworfen" – massives Fischsterben gibt Rätsel auf.




STORY: Traurige Bilder von der Oder im polnischen Breslau. Dort beobachten Anwohner und Behörden schon seit längerem ein massives Fischsterben. Der polnische Fischerverband teilte am Donnerstag mit, dass mehr als drei Tonnen toter Fische aus der Oder gezogen wurden. Die polnischen Umweltschutzbehörden erklärten, sie hätten die Staatsanwaltschaft über eine mögliche Verunreinigung des zweitlängsten Flusses des Landes informiert. Robert Suwada vom Anglerverband in Breslau vermutet: "Höchstwahrscheinlich hat jemand giftige Substanzen in die Oder geworfen. Und das Gift hat sich dann über einige Kilometer entlang der Oder ausgebreitet. Und mit der Ausbreitung des Giftes sind immer mehr Fische verendet." Das Fischsterben entlang des Flusses ist auch in Frankfurt an der Oder und in umliegenden Orten zu beobachten. Tausende tote Fische wurden dort entdeckt. Bislang gebe es keine belastbaren Informationen über die Ursachen und über mögliche Konzentrationen möglicher Schadstoffe im Wasser, teilten die Behörden mit. Das Landeskriminalamt Brandenburg hat die Ermittlungen aufgenommen. Der deutsche Süßwasserexperte Christian Wolter vom Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei zeigte sich von der steigenden Zahl toter Fische nicht überrascht. Dies könne aber viele Ursachen haben, sagt er: "Die Fische sind gestresst. Und was da jetzt genau dazu kommt, ob ein Giftstoff, tote Fische, organische Substanz oder eben Bauarbeiten, Baggerarbeiten, die Trübstoffe einfahren, da kann jeder Tropfen dann das Fass zum Überlaufen bringen." Die Stadtverwaltung von Frankfurt/Oder, aber auch die polnischen Behörden warnten davor, mit Oderwasser in Kontakt zu kommen und vor dem Verzehr von Fisch aus dem Fluss.
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Ein massives Fischsterben in der Oder beschäftigt die Behörden. Nachdem zuletzt ein extrem hoher Quecksilbergehalt im Wasser festgestellt werden konnte, gibt es nun Hinweise, dass Abwasser der Industrie die Ursache sein könnte.

Bei der Untersuchung des Fischsterbens in der Oder haben sich nach Angaben des brandenburgischen Umweltministeriums erste Hinweise auf einen hoch giftigen Stoff ergeben. Die polnische Umweltschutzbehörde berichtete am Donnerstag, Auslöser sei wahrscheinlich eine Verschmutzung durch die Industrie. Das ganze Ausmaß des massiven Fischsterbens entlang des Flusses war noch ungeklärt.

Fischsterben in der Oder: Behörden suchen noch immer nach Ursache

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) kritisierte fehlende Informationen der polnischen Behörden und bat um Aufklärung. "Man muss festhalten, dass die Meldeketten zwischen der polnischen und der deutschen Seite in diesem Fall nicht funktioniert haben", sagte er.

Zu dem Fischsterben ermittelt nun auch das Landeskriminalamt (LKA). Behörden werteten Proben aus. Weitere Ergebnisse soll es laut Ministerium in Potsdam am Freitag geben. Offizielle Warnungen, Kontakt mit dem Wasser aus der Oder zu meiden, blieben bestehen.

Das brandenburgische Umweltministerium teilte am späten Donnerstagnachmittag dann mit, es zeichne sich ab, dass ein noch unbekannter, hoch toxischer Stoff die Oder durchlaufe. Erste Analyse-Ergebnisse zeigten übereinstimmend, dass vor einigen Tagen eine starke Welle organischer Substanzen durch Frankfurt an der Oder gegangen sei und sich seitdem flussabwärts fortsetze, aktuell bis Schwedt. Die Auswirkungen auf das Ökosystem ließen auf synthetische chemische Stoffe, sehr wahrscheinlich auch mit toxischer Wirkung für Wirbeltiere schließen.

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Die stellvertretende Leiterin der polnischen Umweltschutzbehörde, Magda Gosk, sagte: "Alles deutet darauf hin, dass die Verschmutzung der Oder, die zum Sterben zahlreicher Fische geführt hat, industriellen Ursprungs sein könnte." Die Behörde versuche, mit Drohnenüberflügen potenzielle Verschmutzungsquellen aufzuspüren und festzustellen, wie der Zustand des Flusses sei. Man untersuche, um welche Substanz es sich handele und "vor allem, wer diese Substanz wo in die Oder eingeleitet hat", sagte Gosk weiter.

Einen Gesamtüberblick über die Zahl der verendeten Fische in Polen und Deutschland gibt es laut brandenburgischen Behörden bisher nicht. Der Chef der polnischen Wasserbehörde, Przemyslaw Daca, sagte am Donnerstag, Mitarbeiter seiner Behörde, Angler und freiwillige Helfer hätten insgesamt zehn Tonnen verendeter Fische geborgen. "Das zeigt, dass wir es mit einer gigantischen und entsetzlichen Umweltkatastrophe zu tun haben."

Fischsterben beunruhigt Menschen an der Grenze zu Polen

Das Fischsterben in der Oder, die derzeit Niedrigwasser führt, beunruhigt seit Tagen die Menschen in Brandenburg an der Grenze zu Polen. Fischermeister Henry Schneider aus dem Kreis Oder-Spree sagte: "Sowas haben wir noch nicht erlebt. Tote Fische sind überall zu sehen. Es sind viele." Die Geschäftsführerin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Antje von Brook, kritisierte: "Diese ökologische Katastrophe hätte kein solches Ausmaß, wenn deutsche und polnische Behörden intensiver zusammengearbeitet hätten." Eine umfassende politische Aufarbeitung sei nötig.

Das brandenburgische Landesamt für Umwelt teilte mit, dass es keine offizielle Meldung von polnischer Seite erhalten habe. Aber auch in Polen selbst gibt es Vorhaltungen, die Bevölkerung sei nicht gewarnt worden, dass sie etwa keine Fische aus der Oder essen und nicht im Fluss baden soll. Bereits Ende Juli waren in Polen tote Fische gefunden und Wasserproben entnommen worden.

Derweil soll die Entsorgung der Kadaver an den Ufern der Oder vorbereitet werden. Das kündigte der Kreis Märkisch-Oderland am Donnerstag an. Vögel und Schlangen, die Aas fressen, werden angelockt, wie ein Sprecher sagte. Die Bevölkerung solle aber nicht selber Kadaver aufsammeln, die Entsorgung solle koordiniert ablaufen.

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In Polen zeigte der Fernsehsender TVN24 am Donnerstag Bilder von Freiwilligen, die massenweise tote Fische aus dem Fluss holten. Einer der Helfer beklagte, nach der Berührung mit dem Wasser habe er an den Händen rötliche Hautreizungen bekommen. Die Helfer sollen bei ihrer Arbeit Unterstützung von der polnischen Armee bekommen.

In Brandenburg riefen neben der Stadt Frankfurt (Oder) und dem Kreis Märkisch-Oderland auch die Kreise Oder-Spree, Uckermark und Barnim dazu auf, direkten Kontakt mit dem Wasser der Oder und damit verbundenen Gewässern zu vermeiden. Mit dem Fischsterben ist auch der Badespaß an der Oder tabu. Die Flussbadestelle in Schwedt etwa wurde vorsorglich gesperrt. Die Warnungen für die Bevölkerung vor Kontakt mit dem Wasser kamen auch über offizielle Warn-Apps.

pgo / Von Monika Wendel und Doris Heimann DPA

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