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Flugverbote wegen Aschewolke aufgehoben: Dem Vulkan geht die Puste aus

Zehntausende Passagiere mussten wegen der Aschewolke zeitweise am Boden bleiben, doch seit dem Mittag fliegen die Maschinen wieder. Grund: Die Konzentration in der Wolke war geringer als angenommen.

Der Luftverkehr in Deutschland ist mit einem blauen Auge davon gekommen: Zwar mussten viele Passagiere Behinderungen hinnehmen, aber schon um die Mittagszeit konnten die Flugverbote aufgehoben werden. Die Flughäfen in Bremen und Hamburg sowie später Berlin wurden zeitweilig für startende und landende Düsenmaschinen gesperrt. Zehntausende Menschen mussten ihre Reisepläne ändern. Mittags entspannte sich mit der Wiedereröffnung der Airports der beiden Hansestädte und der geplanten Wiederaufnahme des Flugbetriebs in der Hauptstadt die Lage. Um 12 Uhr nahm Hamburg den Betrieb wieder auf, um 14 Uhr folgte Berlin.

Zur Entspannung trug bei, dass der isländische Vulkan Grimsvötn keinen Aschenachschub mehr lieferte. Das zeichnete sich schon früh ab: Der Grimsvötn spie seit dem Morgen nur noch Dampf und keine Asche mehr in den Himmel. Der letzte Ausstoß sei um 4.10 Uhr gemessen worden, um 5 Uhr sei dem Vulkan keine Asche mehr entwichen, sagte der Meteorologe Hrafn Gudmundsson. Doch nicht nur das: Hinzu kommt, dass die Vulkanasche in der Wolke aus Island nach aktuellen Messungen weniger konzentriert ist als nach dem Ausbruch vom vergangenen Jahr. Das teilte der Physiker Cornelius Schiller vom Forschungszentrum Jülich am Mittwoch mit. "Man kann im Vergleich zu den Bildern, die wir im letzten Jahr gemacht haben, ablesen, dass die Konzentrationen nicht so hoch sind", sagte Schiller nach Messungen mit dem Lasersystem LIDAR in Schleswig-Holstein.

Auch die europäische Luftfahrtbehörde Eurocontrol und britische Stellen bestätigten die Angaben aus Island. In Großbritannien und Irland wurde deshalb die Warnung vor der Wolke zurückgenommen. Allerdings wollte der britische Verkehrsminister Philip Hammond für die zweite Wochenhälfte die Rückkehr der Aschewolke nicht ausschließen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sollte sich die Zone mit mäßiger und hoher Aschebelastung am Nachmittag in den Nordosten verlagern und in der Nacht zur Ostsee sowie nach Polen wandern.

Bundesverkehrsminister Ramsauer forderte einheitliche Regeln

Wegen der Aschewolke waren am Dienstag und Mittwoch europaweit mehr als 1000 Flüge ausgefallen. Das waren erheblich weniger als vor einem Jahr. Damals saßen wegen der Aschewolke eines anderen isländischen Vulkans europaweit Millionen Flugreisende fest, die Luftfahrtgesellschaften erlitten Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer forderte als Konsequenz aus dem Vulkanausbruch europaweit einheitliche Regeln für Flugverbote. "Wir müssen auf europäischer Ebene endlich zu einheitlichen Handhabungen kommen", sagte Ramsauer nach der Kabinettssitzung in Berlin. Sicherheit müsse stets Vorrang haben. "Es geht zum Beispiel nicht, dass wir in Deutschland sagen, bei zwei Milligramm pro Kubikmeter Luft ist Schluss... und in Frankreich etwa wird zwischen zwei und vier Milligramm munter weitergeflogen mit Begründungen, die der deutschen Sicherheitskultur nicht entsprechen", erklärte der CSU-Politiker. Er wolle sich deshalb nicht nur auf europäischer, sondern auch auf internationaler Ebene für einheitliche Standards einsetzen.

Die EU-Kommission erklärte, dank der verbesserten Sicherheitsregeln könne die Unterbrechung des Flugverkehrs in den notwendigen Grenzen gehalten werden. Die Lage sei dieses Mal weitaus weniger dramatisch als im April vergangenen Jahres, sagte die Sprecherin von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas.

kra/DPA/Reuters / DPA / Reuters