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Flutgefahr: Leichte Entspannung der Hochwasserlage

In den meisten Hochwassergebieten in Deutschland hat sich am Samstagmorgen eine leichte Entspannung abgezeichnet. Im baden-württembergischen Wertheim am Main blieb die Lage nach Angaben der Behörden allerdings kritisch.

Das Rheinhochwasser bei Köln sei weniger stark gestiegen als zunächst befürchtet, teilte das für den Rhein zuständige Hochwassermeldezentrum in Mainz mit. Es werde derzeit nicht mit einer Überflutung der Altstadt gerechnet. An der Mosel, einem der wichtigsten Nebenflüsse des Rheins, entspannte sich die Hochwasserlage weiter. Auch in den Hochwassergebieten Thüringens wurden an Werra, Saale und Unstrut gleich bleibende oder leicht fallende Wasserstände gemeldet. In Nordbayern wurden mit Ausnahme des Mains sinkende Pegel auf den Hochwasser führenden Flüssen registriert.

In Köln waren in der Nacht nach Behördenangaben über 600 städtische Helfer, hundert Feuerwehrleute und hundert Bundeswehrsoldaten damit beschäftigt, Barrieren aufzubauen und Sandsäcke zu füllen und zu verteilen. Wie die Hochwasserschutzzentrale mitteilte, wurde gegen 08.30 Uhr ein Pegelstand von 9,49 Meter gemessen. Das Rheinwasser steige stündlich um zwei bis drei Zentimeter. In der Nacht auf Sonntag werde mit einem Höchststand bis zu 9,99 Meter gerechnet. Der für die Altstadt kritische Wasserstand liegt bei zehn Metern.

Das Hochwasser war nicht so stark gestiegen, wie zunächst befürchtet. Am Freitagnachmittag waren die Hochwasserexperten noch davon ausgegangen, dass der Rhein am Samstag einen Pegel von bis zu 10,30 Meter erreichen und damit einen Großteil der Altstadt überfluten werde. Zuletzt war Köln Anfang 1995 von einem so genannten „Jahrhundert-Hochwasser„ überschwemmt worden. Damals war ein Millionenschaden entstanden.

An der Mosel zeichnete sich unterdessen eine Entspannung der Lage ab. Das Hochwassermeldezentrum in Trier teilte mit, die Pegelstände fielen. Die Prognose weise auch für die kommenden Tage diese Tendenz aus. Die Scheitelwelle des Moselhochwassers wurde für Samstagmorgen bei Koblenz erwartet.

Evakuierung in Thüringen

In Thüringen ordnete der Krisenstab wegen der Gefahr eines Dammbruchs die Evakuierung der Ortschaft Leubingen an. 1000 Bewohner wurden dort in Sicherheit gebracht. Ein Damm drohe wegen Unterspülung zu brechen, teilte das Lagezentrum mit. In Donndorf hätten dagegen rund 100 Helfer einen Damm sichern können, der von den Wassermassen der Unstrut bedroht war. Die Helfer legten in der Nacht eine Ruhepause ein, nachdem sie stundenlang Sandsäcke aufgeschichtet hatten. Für Thüringen sei nach dem Nachlassen der starken Regenfälle in den nächsten Tagen mit einer weiteren Entspannung der Hochwasserlage zu rechnen, falls es nicht zu einer Wetteränderung komme, hieß es weiter.

Im Süden Sachsen-Anhalts mussten wegen Hochwassers mehr als 30 Straßen voll gesperrt werden, wie das Lagenzentrum in Magdeburg mitteilte. Besonders stark betroffen dort der Kreis Merseburg. Aber auch in Sachsen-Anhalt könne von einer leichten Entspannung gesprochen werden, teilte die Behörde mit.

Gefahr in Wertheim

Für Wertheim am Main war nach Angaben der Hochwasser-Vorhersagezentrale in Karlsruhe dagegen noch keine Entspannung in Sicht. Dort waren Teile der Altstadt überflutet. Die in der Altstadt aufgestellten Stege für die Bewohner seien zum Teil nicht mehr begehbar, hieß es im Krisenzentrum. Mittlerweile würden Schlauchboote eingesetzt. Für Sonntag werde ein Pegelstand von 6,50 Metern erwartet. Dies liege gut zehn Zentimeter über dem Wert des letzten großen Hochwassers 1995.

In Nordbayern entspannte sich die Lage über Nacht leicht. Im oberfränkischen Coburg, wo das ganze Bahnhofsviertel überflutet worden war, falle der Wasserstand, sagte ein Sprecher der örtlichen Polizei. Im Kurort Bad Kissingen an der fränkischen Saale, in dem ganze Stadtbereiche unter Wasser standen, sanken die Pegelstände ebenfalls. „Das Schlimmste ist überstanden„, hieß es in der Einsatzzentrale.

Insgesamt hofften die Behörden auf nachlassende Niederschläge und kühlere Temperaturen und damit eine weitere Entspannung in den kommenden Tagen.