HOME

Germanwings-Absturz: Das brüchige Familienglück des Andreas L.

Wer war Andreas L.? Was bewegte ihn? Neue Details aus dem Privatleben des Copiloten könnten Hinweise auf ein mögliches Motiv geben.

Blumen und Kerzen am Stammsitz von Germanwings am Flughafen Köln-Bonn

Blumen und Kerzen am Stammsitz von Germanwings am Flughafen Köln-Bonn

Die ganze Welt rätselt über das Motiv des Todespiloten Andreas L., der 149 Menschen getötet hat, als er mit voller Absicht seine Maschine gegen einen Bergkamm prallen ließ. Das ist zumindest der Sachstand, wie ihn Ermittler und französischer Staatsanwalt der Öffentlichkeit mitgeteilt haben. In den letzten Tagen kamen immer mehr Mosaiksteinchen der Persönlichkeit des Täters ans Licht. Die "Bild am Sonntag" und der "Spiegel" haben in ihren aktuellen Ausgaben neue Details aus dem Privatleben des Copiloten zu Tage gefördert, die Hinweise auf ein mögliches Motiv geben.

Die Jugendliebe war ahnungslos

Nach Informationen der "Bild am Sonntag" soll die Freundin des Copiloten schwanger sein und ein Baby erwarten. Sabine L. (der Namen wurde zum Schutz der Frau geändert) unterrichte an einer Gesamtschule in NRW und soll ihren Schülern von der Schwangerschaft erzählt haben. Die Lehrerin lebte mit Andreas L. zusammen in einer Eigentumswohnung. Berichtet wurde bereits, dass er vor Kurzem zwei Autos bestellt habe. Vermutlich für sich und seine Freundin. Beide wollten heiraten, meldet der "Spiegel". Sabine L. habe erst auf der Fahrt zum Ort des Unglücks erfahren, dass ihr Freund nicht ein unschuldiges Opfer gewesen sei, sondern aller Voraussicht nach die Maschine zum Absturz gebracht habe.

Kennengelernt hatte sich das Paar schon in der Schulzeit. Beide jobbten bei Burger King. Andreas L. wollte sich das Geld für seine geliebten Flugstunden verdienen. Schon als kleiner Junge sei es sein Ziel gewesen, ein Pilot zu werden. Die Beziehung der beiden war kein Geheimnis, ehemaligen Mitarbeitern zufolge waren sie als Paar bekannt. "Sie haben irgendwann kein Geheimnis daraus gemacht, dass sie zusammen sind," sagte ein Mitarbeiter dem Blatt.

Medikamente in der Wohnung

Im Jahr 2007 lässt sich L. von der Lufthansa in Bremen zum Piloten ausbilden. Zwei Jahre später unterbricht er die Ausbildung. Seine Mitschüler berichten, dass psychische Probleme die Ursache gewesen seien. Später nimmt er die Ausbildung wieder auf, alle notwendigen Test besteht er.

Doch in seiner Wohnung entdeckten die Ermittler jetzt große Mengen an Schlaftabletten und Psychopharmaka, wie sie auch Depressive verwenden. Die Fahnder, die in der Wohnung des 27-Jährigen dessen Krankschreibungen sicherstellten, fanden allerdings weder einen Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben.

Das Ende als Pilot drohte

Die Lufthansa weiß nach eigenen Angaben nichts von einer angeblichen psychischen oder anderen Erkrankung ihres Piloten. "Wir haben da keine eigenen Erkenntnisse", sagte ein Firmensprecher am Sonntag auf die Frage, ob das Unternehmen als Muttergesellschaft von Germanwings von angeblichen schweren Depressionen des 27-jährigen Co-Piloten der Unglücksmaschine wusste. Weder sei das Unternehmen von Psychiatern oder Psychologen informiert worden, die einer Schweigepflicht unterlägen, noch von dem Mann selbst.

Aber nicht nur Stress oder psychische Probleme sollen Andreas L. zugesetzt haben. Seit September 2013 war er als Pilot angestellt, doch medizinische Probleme sollen seinen Lebenstraum bedroht haben. Die Bild am Sonntag berichtet, dass er wegen einer Netzhautablösung in Behandlung gewesen sei. Seine Sehfähigkeit war demnach bedroht. Beim nächsten Routine-Check seiner Flugtauglichkeit wäre die Krankheit entdeckt worden und Andreas L. hätte das Cockpit verlassen müssen - vermutlich für immer.

Weitere Berichte zum Germanwings-Absturz ...

... lesen Sie im aktualisierten stern, der am Kiosk erhätlich ist.

Gernot Kramper