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Eltern von Germanwings-Opfer: "Der Kopf kann einfach an nichts anderes mehr denken"

Der Germanwings-Pilot Andreas Lubitz riss nicht nur 149 Menschen mit in seinen Tod. Er hat auch das Leben von deren Angehörigen weitgehend zerstört. Brigitte und Wolfgang Voß aus Leipzig erlebten das erste Jahr ohne Sohn Jens wie in Trance.

Brigitte und Wolfgang Voß verloren beim Germanwings-Absturz Sohn Jens

Brigitte und Wolfgang Voß verloren beim Germanwings-Absturz Sohn Jens, der als Verkaufsleiter einer japanischen Firma regelmäßig durch Europa reiste. Sein Ausweis lag teils verbrannt im Wrack des Flugzeugs

Brigitte Voß, 63, und Wolfgang Voß, 62, aus Leipzig

Eltern von Jens Voß, 37

Er räumt die Kaffeekanne in den Kühlschrank. Sie lässt ihre Handtasche offen auf dem Beifahrersitz liegen. Beiden ist dergleichen früher nie passiert. Aber weil ihr Alltag sowieso von einer Art Autopilot gesteuert wird, sind ihnen auch diese kleinen Pannen heute nur noch ein Achselzucken wert: "Es gibt Schlimmeres im Leben." 

Für Brigitte und Wolfgang Voß aus Leipzig ist dieser Satz keine Floskel mehr. Sie haben zumindest das Schlimmste erlebt, was sich Eltern vorstellen können: Ihr Sohn Jens, 37, saß in der Germanwings-Maschine, die der lebensmüde Copilot Andreas L. vor einem Jahr absichtlich in eine Schlucht der französischen Alpen lenkte. Etwas Schlimmeres wird es in ihrem Leben wahrscheinlich nicht mehr geben. Aber nicht mal das ist ein Trost.

"Eigentlich sind es zwei Leben", sagt Brigitte Voß, 63. "Das vor dem 24. März 2015, und das danach."


"Der Kopf kann einfach nichts anderes mehr denken"

Davor schrieb die gelernte Diplomchemikerin begeistert Thriller und Reiseberichte. Es war immer mehr als ein Hobby für sie, und als die Lebensgefährtin von Jens an diesem Vormittag anrief, saß Brigitte Voß auch gerade an ihrem Laptop. Die Nachrichten aus Südfrankreich verdichteten sich schnell. Jens reagierte auf keine SMS. Und alles, was Brigitte Voß seitdem mühsam zu Papier bringt, sind ihre herzzerreißenden Tagebucheinträge über den Verlust ihres Sohnes, die sie auch als Blog im Internet veröffentlicht.

Ihr Mann Wolfgang, 62, ahnte ebenfalls nicht, dass dieser Tag sein letzter in der IT-Abteilung der Leipziger Wasserwerke sein würde - der letzte Arbeitstag seines Lebens überhaupt. Er ist seitdem krankgeschrieben und wechselt wahrscheinlich nächstes Jahr in den Vorruhestand.

"Man steht früh auf und ist schon fix und alle", sagt er. "Der Kopf kann einfach nichts anderes mehr denken. Nichts." 

Der normale Alltag als ständiger Überlebenskampf

Die Gedanken sind immer woanders. Ob sie Freunde treffen oder Nachrichten hören. Ob ihre alte Lieblingsband AC/DC im Juni in Leipzig spielt oder jemand über Arbeitslosigkeit klagt - nach spätestens einer Stunde ist alle mühsam aufgebrachte Konzentration weg. "Dann fragen wir uns: Worüber reden die Leute? Was sind das für Probleme?" 

Anfangs saßen sie oft nur schweigend beieinander. Später sorgte der Ärger um die Überführung des Sarges und die verschiedenen Trauerfeiern ein paar Wochen für etwas Ablenkung. Danach wurde der normale Alltag zum ständigen Überlebenskampf. Sie ist müde, aber kann nicht schlafen. Chronischen Schmerzen setzen ihr zu. Zwischenzeitlich wog sie nur noch 44 Kilogramm.

Früh schalten sie jeden Tag die Webcam an, um das Wetter am Absturzort zu kennen. Liegt noch Schnee oder scheint die Sonne? Und schon kreisen die Gedanken: Hat Jens die Berge auf sich zukommen sehen oder vielleicht doch geschlafen? Hatte er Todesangst oder war alles schnell vorbei? Und immer wieder die scheinbar absurde Frage nach der eigenen Schuld?

Sie geht zur Psychologin, er macht es mit sich aus

Brigitte Voß war schon zu DDR-Zeiten Japan-Fan. Sie lernte die Sprache an der Volkshochschule und bei Besuchen nach 1990 etliche Freunde dort kennen. Auch sie kamen zu Besuch nach Leipzig, und - angesteckt von Land und Leuten - studierte ihr Sohn schließlich Japanologie. Weil er die Sprache so gut konnte, bekam er den Job als Verkaufsleiter bei einer japanischen Firma. Für sie war er ständig europaweit unterwegs. Nur deshalb saß er auch in diesem Flugzeug …

"Hör auf", sagt Wolfgang dann, "Schuld hat nur einer und alle, die von seiner Krankheit hätten wissen müssen oder - wie wir inzwischen ja auch wissen - sogar wussten." 

Brigitte Voß nennt ihn nur "den Massenmörder", ertappt sich "manchmal bei schrecklichen Gewaltphantasien" gegenüber dem Co-Piloten und besucht regelmäßig eine Psychologin. Sie ist müde, aber kann nicht schlafen. Ihr Mann macht es eher mit sich selbst aus: "In mir ist nur vollkommene Leere. Da kann niemand Fremdes helfen." 

Stoisch wickelt er den Papierkram ab, "schrecklich nüchterne Dinge. So ist etwa die Eigentumswohnung, die Jens in Düsseldorf mit seiner Lebensgefährtin bewohnte, noch nicht abbezahlt. Weil er mit 37 nicht an ein Testament dachte, sind seine Eltern nun Alleinerben. Aber weder sie noch die junge Frau können eigentlich den Anteil für seine Raten aufbringen.

"Wir überleben, aber es fühlt sich alles falsch an"

Drei Gräber wollen regelmäßig besucht werden. Neben dem in Leipzig auch das Gemeinschaftsgrab in Le Vernet, wo alle menschlichen Überreste liegen, die angeblich nicht identifizierbar waren. Und natürlich die Absturzstelle selbst. "Da zieht es uns immer wieder hin."

Im Sommer suchten die Eltern Zerstreuung auf ihrem alten Dauercampingplatz. Hier war die Familie glücklich. Ihre Söhne tobten und "spielten wie die Irren Tischtennis". Im Herbst waren sie zur einer speziellen Kur für Gewaltopfer an der Ostsee. "Es tat gut, aber alles hat immer mit Jens zu tun." Selbst wenn sein jüngerer Bruder mit der dreijährigen Enkel-Tochter zu Besuch ist, können Brigitte und Wolfgang Voß nicht mehr unbeschwert Großeltern sein. "Die Kleine gibt uns viel Kraft. Sie plappert einfach drauf los", sagt der Opa. "Wie Jens, als er klein war", sagt die Oma.

Sie leben am Stadtrand von Leipzig. "Wir überleben", sagen sie, "aber es fühlt sich alles falsch an." Im Minutentakt starten und landen hier abends hinter einem Feld die Frachtmaschinen des DHL-Luftdrehkreuzes. Sogar beim Fernsehen schweifen die Gedanken ab. Es gibt im wörtlichen Sinn Filmrisse. Wolfgang muss Brigitte hinterher oft die Lücken erklären. "Jens hatte eigentlich Flugangst", sagt seine Mutter unvermittelt.

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.