HOME

ZDF-Moderatorin: Dunja Hayali kritisiert "Hunger Games" der Essener Tafel - sieht das Problem aber woanders

Die Essener Tafel nimmt aktuell nur noch Deutsche mit Pass in ihre Kartei mit bedürftigen Menschen auf. ZDF-Moderatorin Dunja Hayali hat nun auf Facebook Dampf abgelassen - und den Staat in die Verantwortung genommen.

Die Essener Tafel nimmt bis auf Weiteres nur noch Deutsche neu in ihre Kartei mit bedürftigen Menschen auf. Die Entscheidung des Vereinsvorsitzenden ist umstritten: Jörg Sator begründet seinen Entschluss mit einem sehr hohen Anteil an Ausländern, weshalb sich etwa viele ältere Menschen nicht mehr wohlfühlten und das Hilfsangebot nicht mehr wahrnähmen. Mittlerweile hat sich sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Sache eingeschaltet.

"Nicht deutsch? Kein Essen! Ist das richtig? Ist das nachvollziehbar?", fragt sich nun auch Dunja Hayali. Wohl eher rhetorisch: Die ZDF-Moderatorin vertritt eine klare Haltung zu dem Vorfall und zeigt in einem Facebook-Posting klare Kante. Offenbar zum Unmut einiger Nutzer - die Journalistin aktualisierte ihren Beitrag bereits um einen "Nachtrag: weil hier einige den Text (absichtlich) falsch verstehen". Es ist nicht das erste Mal, dass die Moderatorin ("ZDF-Morgenmagazin") mit ihren klaren Worten aneckt

"So einfach kann man es sich nicht machen"

"Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral", zitiert Hayali Bertholt Brecht. "Aber wir leben nicht 1928 zu Zeiten der Dreigroschenoper, sondern 2018 in einem der reichsten Länder der Erde. Und hier konkurrieren jetzt die Ärmsten der Armen um kostenlose Lebensmittel und werden nach Nation sortiert?" Die Botschaft, die von der Entscheidung in Essen ausgehe, laute "Germans First". "So wundert es nicht wirklich, dass in der Nacht zu Sonntag die Autos der Essener Tafel und die hintere Eingangstür reflexhaft mit 'Fuck Nazist'-Sprüchen beschmiert wurden." Doch: "So einfach kann man es sich nicht machen", meint die ZDF-Moderatorin.  

Mit etwa 60.000 ehrenamtlichen Helfern seien die rund 930 Tafeln in Deutschland "eine der größten sozial-ökologischen Bewegungen in diesem Land". Die Menschen, die dort freiwillig ihre Zeit investieren "verdienen zunächst einmal unseren Dank." Zumal: "die Bekämpfung von Armut und die Sicherung des Existenzminimums ist grundsätzlich Aufgabe des Staates und nicht der Zivilgesellschaft", stellt klar.

Der Appell von Dunja Hayali: "Zuwendung"

Die Helfer würden jeden Tag miterleben, was Armut bedeutet. "Deshalb sollte man ihnen unbedingt zuhören. Und es wäre grundfalsch, die Mitarbeiter*innen unter Diskriminierungsverdacht zu stellen oder sie gar zu Rassisten zu stempeln." Klar sei allerdings auch, so die Journalistin: "Die Essener Tafel hat die denkbar schlechteste Möglichkeit gewählt, ein Problem zu lösen." Es sei "nicht besonders schlau, am unteren Ende unserer Gesellschaft 'Hunger Games' zu veranstalten und Deutsche gegen Ausländer auszuspielen. Also Menschen gegen Menschen." Als Alternativen zum Ausländerstopp nennt Hayali etwa ein Punktesystem, häufigere Öffnungszeiten und Losverfahren.

"Aber Essen zeigt eben auch auf, was da in unserem Land gerade passiert. Es gibt ein ernsthaftes Problem. Der Job der Tafeln ist nun mal nicht die Flüchtlingshilfe an sich.", schreibt die " -Morgenmagazin"-Moderatorin abschließend. In manchen Teilen Deutschlands fühle sich die eingessesene Bevölkerung "an den Rand gedrängt". Das dürfe nicht sein. Daher helfe es auch nicht, diesen Menschen "Toleranz zu verordnen". Das erzeuge nur "Trotz und Wut und treibt diese Menschen den rechtspopulistischen bzw. extremistischen Parteien zu."

Hayalis Appell: "Lebensmittel sind das eine. Menschliche Zuwendung ist das andere. Und über Geld müssen wir an dieser Stelle erst gar nicht erst diskutieren. Denn das ist da."

fs