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Entgendern nach Phettberg Ärzty statt Ärzt*innen: Germanist schlägt Gendern mit y vor

Eine mögliche Genderform mit dem Sternchen
Das Gender-Sternchen ist eine eher gebräuchliche Form des Genderns
© Sebastian Gollnow / Picture Alliance
Es soll einfach sein, für den Alltag brauchbar und ohne völlig neue Wortschöpfungen erfinden zu müssen: Sprachlich gendern ist der Versuch, alle Geschlechter einzuschließen. Germanist Thomas Kronschläger bringt statt der häufig benutzten Sonderzeichen das y ins Spiel.

Ärzt_innen? Ärzt*innen? Oder lieber mit Doppelpunkt, also Ärzt:innen? Menschen, die tagtäglich mit Sprache zu tun haben, ob als Forschende (eine weitere Gender-Version) oder als Schreibende, diskutieren seit Jahren über eine angebrachte Genderform. Beim Gendern geht es darum, möglichst alle Geschlechter sprachlich einzuschließen. Denn grammatikalisch gesehen ist in der deutschen Sprache das generische Maskulinum sehr präsent. Soll heißen: Spricht man beispielsweise über den Beruf des Richters, sollen damit nicht nur männliche, sondern auch weibliche Richter gemeint sein.

Das Problem dabei: Mehrere Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass bei der Verwendung des generischen Maskulinums vorwiegend männliche Sprachbilder im Kopf entstehen. Wird nach Richtern oder Lehrern gefragt, haben Menschen eher Männer im Kopf. Werden Kinder darum gebeten, Lehrer und Schüler zu malen, malen besonders die Jungs fast alle Männer. Dabei sind in allen Schulformen die weiblichen Lehrkräfte in der Überzahl.

Rauchy und Rauchys statt Raucherinnen und Raucher

Deshalb versuchen viele, dieser Diskrepanz mit dem Gendern entgegenzuwirken, bisher häufig mit Sonderzeichen wie Sternchen oder Doppelpunkt, um auch diverse Geschlechter und geschlechtslose Personen miteinzubeziehen. Häufige Kritikpunkte daran lauten meistens: Gendern klingt komisch, die Sprache 'verroht', manche Personen wollen diese neuen Formen aus Trotz nicht benutzen, überhaupt würde Gendern andere Geschlechter auch nicht mehr in den Vordergrund rücken und kompliziert ist es sowieso.

Kleines Mädchen regt sich über Sexismus in der Sprache auf

Zumindest auf das Komplexitäts-Argument hat der Germanist und Literaturdidaktiker Thomas Kronschläger eine Antwort: Das sogenannte "Entgendern nach Phettberg" sei einfach, auch beim Sprechen, denn an die einfache geschlechtsneutrale Wortform wird einfach nur ein y gehangen. Damit wären überhaupt keine Rückschlüsse auf ein mögliches Geschlecht möglich: Aus Lehrerinnen und Lehrer wird das Lehry, Lehrys im Plural. Aus Arzt und Ärztin wird das Arzty. Aus Terroristin und Terrorist wird Terroristy.

Hermes Phettberg entgendert seit 30 Jahren

Aufgefallen sei Kronschläger diese Wortform in der Kolumne des Wiener Aktionskünstlers und Kolumnisten Hermes Phettberg, der seine Leserinnen und Leser seit 30 Jahren einfach als Lesys bezeichnet und damit scheinbar gut fährt. Bei einem Science Slam erklärt Literaturdidaktiker Thomas Kronschläger seinen "Kritikys", diese Form sei dann nutzbar, wenn das Geschlecht unbekannt oder nicht relevant sei. Beispielsweise bei einem Fahndungsaufruf könnte man also durchaus von einem Geschlecht sprechen.

Quellen:  "Redaktionsnetzwerk Deutschland" / Quarks / Deutschland3000 / Youtube / Statista / "Psychologische Rundschau"

mkb

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