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Geld für Anschläge gesammelt Terrorverdächtiger in Saarbrücken festgenommen

Pressekonferenz
Bei einer Pressekonferenz in Saarbrücken haben Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft bekanntgegeben, einen 38-jährigen Mann wegen des Verdachts der Terrorismusfinanzierung festgenommen zu haben
© Oliver Dietze/DPA
Ein 38-jähriger Syrer soll die Terrormiliz IS um 180.000 Euro gebeten haben, um Anschläge in Europa zu verüben. Laut BKA räumt er Kontakte zum Islamischen Staat ein, bestreitet jedoch "terroristische Absichten".

Ein syrischer Flüchtling aus Saarbrücken hat die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nach Angaben der Sicherheitsbehörden um Geld für Anschläge mit sprengstoffbeladenen Fahrzeugen auf größere Menschenmengen gebeten. Der 38-Jährige sei bereits am Samstag von Spezialeinsatzkräften in der saarländischen Hauptstadt festgenommen worden, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Demnach hatte der Mann über den Messengerdienst Telegram Kontakt zu einem mutmaßlichen IS-Vertreter in Syrien aufgenommen und 180.000 Euro gefordert, um entsprechende Anschläge in Deutschland, Frankreich, Belgien sowie den Niederlanden zu begehen. Er sitzt seit Sonntag wegen des Vorwurfs der Terrorismusfinanzierung in Haft.

Hinweise auf akute Bedrohungen etwa im Zusammenhang mit Silvesterfeierlichkeiten hätten die bisherigen Ermittlungen nicht ergeben, betonten Staatsanwaltschaft und Polizei. Es gebe bislang keine Erkenntnisse darüber, dass der Mann bereits Fahrzeuge präpariert habe.

"Hinweisgeber" brachte Ermittler auf die Spur

Auf die Spur des Manns kamen die Ermittler nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter anderem durch einen "Hinweisgeber", der sich an das Bundeskriminalamt (BKA) gewandt hatte. Auf einem Handy des Beschuldigten sicherten sie später auch die Verläufe der Chats, die dieser mit dem mutmaßlichen Kontaktmann beim IS führte. Der 38-Jährige selbst räumte demnach Kontakte zu der Miliz ein, bestritt jedoch "terroristische Absichten".

Den beschlagnahmten Chatverläufen zufolge wollte der Mann Fahrzeuge kaufen und jeweils mit 400 bis 500 Kilo Sprengstoff beladen, wie die Ermittlungsbehörde mitteilte. Er habe diese selbst oder durch andere in "Menschenmengen" zur Explosion bringen wollen, "um auf diese Weise eine unbekannte Vielzahl von Menschen nicht muslimischen Glaubens zu töten".

Pro Fahrzeug habe er mit einem Kaufpreis von 22.500 Euro kalkuliert, insgesamt 180.000 Euro gefordert. Er habe sich so "Vermögenswerte" für eine Tat verschaffen wollen, deren erklärtes Ziel es gewesen sei, die Bevölkerung "in erheblicher Weise einzuschüchtern". Nach den Angaben der Polizei hatte der Mann für ein "noch nicht näher konkretisiertes Anschlagsszenario" mit präparierten Fahrzeugen in Deutschland und den Nachbarstaaten Frankreich, Belgien und den Niederlanden die "finanzielle Hilfe" des IS gefordert. Die Ermittlungen dauerten demnach noch an. Angaben etwa zu Mittätern könnten derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nicht gemacht werden, betonte die Staatsanwaltschaft.

Festnahme erfolgte bereits am Samstag

Nach Angaben der saarländischen Polizei hatte sie nach den entsprechenden Hinweisen des BKA eine Besondere Aufbauorganisation (BAO) namens "Fahrzeug" gebildet, die auf den arbeitslosen Asylbewerber angesetzt wurde, der seit August 2016 in Saarbrücken-Burbach gemeldet war. Durch "intensive und umfangreiche Ermittlungen sowie teilweise verdeckt geführte Maßnahmen" sei er in seiner Wohnung lokalisiert und am Samstag festgenommen worden.

Der Zugriff erfolgte demnach gegen 04.00 Uhr morgens durch saarländische Spezialkräfte, bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnungen wurden nicht näher genannte Beweismittel beschlagnahmt. Der Verdächtige war laut Behörden im Dezember 2014 nach Deutschland eingereist und hatte im Januar 2015 einen Asylantrag gestellt. Er lebte zunächst für längere Zeit in Hessen, bevor er ab August vergangenen Jahres in Saarbrücken gemeldet war.

Sichere und gefährliche Reiseländer
amt AFP

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